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23 November 2019

Die Digitalisierung der Finanzwelt gewinnt an Fahrt.

Virtuelle Währungen, Bitcoin, Blockchain – wer sich mit «Kryptowährungen» auseinandersetzt, wird mit einer Vielzahl neuer Themen konfrontiert. Um Klarheit zu schaffen geht «Fokus Rechtsguide» den zentralen Fragen nach: Wie funktioniert diese neue Form der Finanzierung? Und worauf muss man beim Handel mit Kryptowährungen achten?

Wer in den nächsten zehn Jahren kein Millionär wird, ist selber schuld.» Diese klaren Worte richtete der US-Amerikaner Erik Finman anfangs Jahr in einem Interview an die Leser von Business-Insider. Die Äusserung ist provokant, aber aus Sicht Finmans alles andere als aus der Luft gegriffen. Als Beweis dient ihm sein eigener Werdegang: Denn bei Erik Finman handelt es sich um den wohl jüngsten Bitcoin-Millionär der Welt. Dank des Handels mit der Kryptowährung gelang es dem heute 19-Jährigen, noch vor seinem 18. Geburtstag die Millionengrenze zu knacken. Damit gewann er auch eine Wette mit seinen Eltern die besagte, dass diese es ihm erlauben müssten, die Schule abzubrechen, falls er vor seinem 18. Geburtstag Millionär sei.

Die Geschichte von Erik Finman ist spektakulär und plakativ. Wer sich aber vertieft mit der zugrundeliegenden Thematik auseinandersetzt, dem stellt sich die Frage: Welches Potenzial schlummert in Kryptowährungen tatsächlich? Und ist es wirklich so einfach, ein Vermögen damit zu machen? Schliesslich ist zumindest im Zusammenhang mit dem Bitcoin derzeit vor allem von seiner Volatilität die Rede.

Das sind die Basics

Was versteht man nun eigentlich genau unter dem Begriff «Kryptowährung»? Dabei handelt es sich um sogenannte virtuelle oder digitale Währungen. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) definiert diese virtuellen Währungen als «digitale Abbildung von Wert, der nicht von einer Zentralbank oder Behörde geschaffen wird und auch keine Verbindung zu gesetzlichen Zahlungsmitteln haben muss.» Virtuelle Währungen werden von natürlichen und juristischen Personen als Tauschmittel verwendet und können elektronisch übertragen, verwahrt oder gehandelt werden. In diesem Aspekt unterscheiden sie sich nicht grundlegend von Euro, Schweizer Franken und Co.

Dank des Handels mit der Kryptowährung gelang es dem heute 19-Jährigen, noch vor seinem 18. Geburtstag die Millionengrenze zu knacken.

Doch Unterschiede bestehen, und sie sind elementar. Denn anders als bei Geld, das die Notenbanken unbegrenzt ausgeben können, und bei dem Buchgeld, welches die Geschäftsbanken schaffen, erfolgt die Schöpfung neuer Werteinheiten bei virtuellen Währungen über ein vorbestimmtes mathematisches Verfahren innerhalb eines Computernetzwerks. Dieser Prozess wird als «Mining » bezeichnet. Dabei kann sich grundsätzlich jeder Interessierte die Programme herunterladen, mittels derer er an dem Netzwerk teilnehmen und virtuelle Währungen schöpfen kann. Das Netzwerk funktioniert als «Peer-to-Peer», bei dem sich alle Nutzer grundsätzlich gleichberechtigt gegenüberstehen. Es gibt keine zentrale Instanz, die Transaktionen bzw. Guthaben kontrolliert oder verwaltet. Möglich wird das durch die Nutzung der Blockchain-Technologie. Bei Kryptowährungen kommen ebenfalls Verschlüsselungstechnologien zum Einsatz, um ein dezentrales und sicheres Zahlungssystem zu betreiben.

Die Qual der Wahl

Von den heute gehandelten Kryptowährungen ist der Bitcoin der bekannteste Vertreter. Die Anfänge des Bitcoin (das Wort setzt sich aus den englischen Begriffen «binary digit», also null oder eins, sowie «coin», für Münze, zusammen) reichen zurück ins Jahr 2007. Das Konzept wurde von Autor Satoshi Nakamoto in einem «White Paper» festgehalten. Bei Nakamoto handelt es sich übrigens nicht um eine reale Person, sondern um ein Pseudonym. Gehandelt wird der Bitcoin seit 2009. Heute existieren tausende weitere Kryptowährungen. Zu den bekanntesten gehören nebst dem Bitcoin Ethereum, Ripple oder Litecoin.

Für viele Marktbeobachter und Finanzexperten hat die Entwicklung von Kryptowährungen mit der Enttäuschung über die Finanzbranche zu tun. Die Finanzkrise ab 2007 führte damals eklatante Schwächen im internationalen Geldsystem zutage. Demensprechend erstarkte der Wunsch nach einem dezentralen Zahlungssystem, welches nicht an die Geldpolitik von Ländern und Banken gebunden ist. Experten sehen in der Kursexplosion des Bitcoin nun aber klare Belege dafür, dass die Kryptowährung als Spekulationsobjekt gebraucht wird. Zu Beginn des Jahres 2017 notierte die digitale Währung auf 1000 US-Dollar. Gegen Ende des Jahres lag der Wert bei mehr als 19’000 US-Dollar. Marktbeobachter gehen davon aus, dass nur ein geringer Teil der Bitcoins als effektives Zahlungsmittel genutzt wird und Spekulanten Bitcoins anhäufen, um von steigenden Kursen zu profitieren. Die gleichen Fachleute mahnen daher, dass es demnächst zu einem Platzen einer Spekulationsblase kommen könnte.

Bundesrätlicher Segen

Trotz bestehender Zweifel glauben viele Experten an die Zukunft von digitalen Währungen. Auch Wirtschaftsminister Johan Schneider-Amman betont immer wieder das grosse Potenzial dieses neuen Finanzierungsprinzips. Dafür wurde der Bundesrat anfangs Jahr im Rahmen der «Crypto Finance Conference» in St. Moritz mit einem Preis geehrt. In einem Interview mit dem SRF stellte Schneider-Amman klar, warum ihm das Thema am Herzen liegt: «Unser Land ist gross geworden durch alles, was Innovationen bedeutet. Jetzt sind wir bei einem innovativen Moment in der Finanzwelt angekommen. Kryptowährungen sind Teil der vierten industriellen Revolution. Wir schauen, welche Möglichkeiten daraus entstehen können. Ich versuche meinerseits, die Möglichkeiten, die Risiken und die Chancen zu erkennen, und zu entscheiden: Ist das ein Business der Zukunft mit zukünftigen Jobs oder ist es das nicht? Deshalb unterstütze ich die Kreise, die sich damit beschäftigen.»

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