16.8 C
Zürich
11 Juli 2020

Outdoorsport, auch bei schlechtem Wetter.

Ich kann mich noch gut an eine Raftingtour aus meinem ersten Jahr als Raftguide (ist lange her) erinnern: leichter Nieselregen und viel Nebel. Wir waren mit vier Booten auf dem Vorderrhein unterwegs, und wir konnten gerade so eben, schemenhaft, das Boot vor und hinter uns sehen. Über dem ganzen Fluss hing eine unwirkliche Stille. Und im Herzen der Rheinschlucht riss der Nebel auf und die Sonne beschien die feucht glänzenden weissen Kalkfelsen. Es war eine wunderschöne Outdoor-Tour – und eine der wenigen, die mir aus den Anfängen meiner Raftingzeit in Erinnerung geblieben sind.

Und wenn ich noch weiter zurückdenke, an meine erste Skifreizeit im Alter von 14 Jahren in Davos, so sehe ich noch zwei Abfahrten vor mir: die Buckelpiste sowie eine Abfahrt bei heftigstem Schneetreiben und – wieder einmal – Nebel, bei der wir einem Pistenfahrzeug hinterher auf einer jungfräulichen Piste und butterweichem Schnee die schönsten Schwünge gezogen haben. Es kommt nicht von ungefähr, dass diese beiden Anlässe mir in Erinnerung geblieben sind: Die Atmosphäre war unwirklich, die Erlebnisse speziell und tief beeindruckend.

Für Outdoorsport muss nicht immer Schönwetter sein

Heute, in den Zeiten von dauer-verfügbaren Wetter- Apps mit Unwetterwarnungen, neigen wir dazu, Schlecht-Wetter-Outdoor-Erlebnisse zu vermeiden. Wie oft werde ich gefragt, ob man gebuchte Raftingtouren bei Regen absagen könnte. Wie oft sagen Bekannte aus dem Unterland gemeinsame Skitage für das Wochenende ab, weil Schnee angesagt ist. Dabei laufen wir so doppelt Gefahr, leer auszugehen.

Der nächste Wasserskianlass ist bereits gebucht. Das Wetter? Egal!

Katrin Blumberg, GESCHÄFTSFÜHRERIN SWISS RIVER ADVENTURES GMBH UND PRÄSIDENTIN SWISS OUTDOOR ASSOCIATION & FUTURES

Erstens sind die Apps vor allem hier bei uns in den Bergregionen sehr oft von beklagenswerter (Un-) Zuverlässigkeit. Ich glaube, es war vor zwei Jahren, als anfangs fast jeder Woche für das Wochenende in unserem Skigebiet Schneefall angesagt war, dann aber so ziemlich jedes Wochenende die Sonne schien. Verständlicherweise beklagen die Bergbahnen schweizweit, dass sie aufgrund falscher Wettervorhersagen massiv an Gästen verlieren. Und es ist kein Geheimnis, dass man über drei verschiedene Apps regelmässig drei verschiedene Prognosen erhält, nicht nur bei mittelfristigen Vorhersagen, sondern oftmals sogar für den nächsten Tag. Wie viele wunderschöne Tage für tolle Outdoor- Erlebnisse gehen uns damit wohl verloren?

Aber zweitens berauben wir uns mit dem Streben nach Schönwettertagen auch selbst der Chance, eindrückliche und besondere Abenteuer zu erleben. Gerade auch an Tagen mit «schlechtem» Wetter. Erlebnisse, die besonders im Gedächtnis bleiben, an die man noch besonders lange zurück denkt: Die Schlittenfahrt im weichen Schneetreiben, die Raftingtour im strömenden Regen (nass wird man sowieso, und einen Neoprenanzug trägt man auch), die Wanderung durch einen dichten Nebelwald…

Ich habe mich erst letztes Jahr selber wieder daran erinnern müssen. Wir hatten mit fünf Familien eine Wasserskianlage für zwei Stunden gemietet. Es war kühl und regnete, und hätten wir nicht im Voraus bezahlt, wir wären wohl nicht hingegangen. Aber was hätten wir verpasst! Regen im Gesicht, das heraufspritzende Wasser wärmer als die Luft, in Neoprenanzügen hatten wir eine fantastische Zeit. Und am Abend, am Lagerfeuer im Nieselregen, waren wir uns alle einig: Von unseren insgesamt fünf Besuchen an dieser Anlage war dieses eine Mal das tollste und eindrücklichste Erlebnis! Der nächste Wasserskianlass ist bereits gebucht. Das Wetter? Egal!

 

 

Text: Katrin Blumberg

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