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30 Mai 2020

Liebe Frauen, macht euch die Finger schmutzig!.

Schlendert man an einer Baustelle vorbei, wird schnell klar, die handwerklichen Berufe werden grösstenteils von Männern ausgeführt. Man sieht Maurer, Elektriker, Bodenleger und Dachdecker aber nur ganz selten eine Sanitärin oder eine Gipserin. Wie können es Unternehmen schaffen, die Frauenquote in der Baubranche zu steigern? Es gibt Ansätze!

Aktuell liegen keine genauen Zahlen, wie viele Frauen tatsächlich handwerkliche Berufe ausführen. Schaut man sich jedoch als Referenz den tiefen einstelligen Prozentsatz an Maurerinnen in Ausbildung an, wird schnell klar, Frauen sind in der Baubranche stark untervertreten. «Wenn grosse körperliche Robustheit und Ausdauer gefragt sind, fühlen sich Frauen von diesen Berufen wenig angezogen», sagt Ueli Büchi, Leiter Berufsbildungspolitik des Schweizerischen Baumeisterverbands. Was aber kann die Branche selbst tun, um mehr Frauen für das handwerkliche Gewerbe zu begeistern? Auf der anderen Seite könnte man auch die Behauptung aufstellen, dass die jungen Frauen, welche vor einer Berufsentscheidung stehen, zu festgefahren sind. So entscheiden sich viele Schulabgängerinnen eher für ein Zwischenjahr, wenn sie keine Lehrstelle in ihrem Traumberuf finden, als dass sie es wagen würden, einen handwerklichen Beruf zu erlernen. Die Zahlen sprechen Bände. Firmen im Bereich Gesundheit und Soziales, in dem vorwiegend Frauen arbeiten, konnten im vergangenen Jahr bis auf drei Prozent alle Lehrstellen besetzen. Im Bereich Bau und Architektur fanden die Betriebe dagegen für 12 Prozent ihrer ausgeschriebenen Lehren keine passenden Kandidatinnen und Kandidaten.

Die Zahlen sprechen Bände.

Mit Vorurteilen aufräumen

Denkt man an eine Baustelle kommen einem als erstes Schaufeln, schwere Steine, Dreck und schweisstreibende Arbeit in den Sinn. Es ist Fakt, dass man in allen handwerklichen Berufen körperlich aktiv ist, das kann wohl niemand abstreiten. Aber die Baubranche hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt und es geht nicht mehr nur drum, schwere Lasten von A nach B zu tragen. Durch die Weiterentwicklung von Technologien und Maschinen wurden viele ehemals anstrengenden Arbeiten vereinfacht und die körperliche Anstrengung hat massiv nachgelassen. Den grossen Bauunternehmen ist dies schon längst klar aber in den Köpfen der Gesellschaft ist der genannte Wandel noch nicht angekommen.

Es liegt nun an der Baubranche mit diesen Vorurteilen aufzuräumen und den Beruf des Maurers oder Bodenlegers für Jugendliche und insbesondere junge Frauen attraktiv zu präsentieren. Einen ersten Schritt hat die Baubranche bereits vor einigen Jahren gemacht. In der Berufsbildungsverordnung werden seit 2013 alle Bauberufe geschlechtsneutral beschrieben. Dies ist wohl erst einen Tropfen auf den heissen Stein aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Auch der Baumeisterverband springt auf diesen Zug auf und präsentiert die Webserie «Bauhelden». Junge Männer und Frauen erzählen dort, warum es Spass macht auf dem Bau zu arbeiten. Auch dabei ist die 22-jährige Nadja, die gerade eine Ausbildung zur Maurerin absolviert. Sie schätzt es, unter Männern zu arbeiten und es ist für sie ein guter Ausgleich zu Ihrem Hobby dem Voltigieren. Bei der Arbeit mit den Pferden ist sie nämlich grösstenteils von Frauen umgeben.

Wer im Büro arbeitet, der verdient viel Geld.

Diversität als Schlüssel zum Erfolg

Ganz allgemein sollte das Geschlecht keine Rolle spielen. Vielmehr geht es darum, die Kompetenz und Arbeitsleistung eines Angestellten bzw. einer Angestellten in den Fokus zu rücken.  Experten sind überzeugt, dass vor allem in Ingenieur- oder Produktionsberufen Frauen sehr erfolgreich sein können. Überall da wo Kreativität und Planungs-Know-how benötigt wird, also zum Beispiel bei Organisationsfragen rund um eine Baustelle, können Frauen ihre natürlichen Stärken ausspielen. In allen Berufsgruppen ist eine gesunde Geschlechter-, Alters- und Rassendurchmischung gesund, dies ist kein Geheimnis. Schaut man zum Beispiel als Vergleich in eine Frauendomäne wie die Kleinkinderbetreuung, wird rasch klar, dass da etwas weniger «Zickenkrieg» durch eine Erhöhung der Männerquote erreicht werden könnte.

Geld regiert die Welt

Hierzulande ist klar, wer im Büro arbeitet, der verdient viel Geld. Es scheint attraktiv, den ganzen Tag auf dem Sessel zu sitzen und in den Bildschirm zu starren und dabei auch noch reich zu werden. Ob dies tatsächlich glücklich macht, sei dahingestellt. Es ist aber Fakt, dass man als normaler «Bürogummi» nicht reich wird. Man muss sich weiterbilden und ständig am Ball bleiben, sowohl im Büro als auch auf der Baustelle. Die Baubranche kann also lohntechnisch genauso attraktiv sein, wie eine KV-Stelle. Der schweizerische Baumeisterverband gibt an, dass ein Maurer im Durchschnitt 6000 Franken im Monat verdient. Macht man noch weitere Ausbildungen zum Beispiel zum Polier, kann man sogar mit einem Lohn von 7600 Franken rechnen. Wie in allen Berufsgruppen gibt es auch in der Baubranche Unterschiede zwischen den Einkommen von Frauen und von Männern. Dass diese Abweichungen in diesem Sektor aber grösser wären, dies kann nicht pauschal behauptet werden. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft ist laufend dran, die Lohngleichheit in allen Berufsgruppen zu erreichen. In der Schweiz haben alle Frauen und Männer ein Recht auf gleichen Lohn für gleiche oder gleichwertige Arbeit. So steht es in der schweizerischen Bundesverfassung und im Gleichstellungsgesetz.

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