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20 September 2019

Dr. Christian Keller: «Die Frage lautet nicht, ob man gehackt wird – sondern wann».

Das Unternehmen IBM gehört zu den Pionieren der IT-Branche und hat massgeblich zu ihrer Entwicklung beigetragen. Darum wollten wir von Dr. Christian Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der IBM Schweiz, wissen, wie die Technologien von morgen aussehen. Und welchen Beitrag IBM dazu leistet.
Dr. Christian Keller, IBM gehört zu den IT-Unternehmen der ersten Stunde. Wofür steht die Firma heute?

IBM ist ein Technologieunternehmen – heute mehr denn je. Wir erachten es als unsere primäre Aufgabe, in der Unternehmenswelt mit innovativen Technologien neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen. Früher taten wir dies vor allem, indem wir Server, Speicherprodukte, Middleware, Software und Dienstleistungen vertrieben. Diese gehören zwar immer noch zu unserem Portfolio, aber heute sind wir ein komplett anderes Unternehmen als noch vor einigen Jahren.

Welches Produkt symbolisiert denn das «heutige» IBM?

Zu den Besonderheiten von IBM gehört unter anderem, dass wir uns nie nur über ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Dienstleistung identifiziert haben. Unser Anspruch besteht vielmehr darin, für die komplexen und vielschichten Sphären der B2B-Welt die passenden Technologien und Lösungen bereitzustellen. Und das tun wir seit jeher: Vor 25 Jahren stand IBM das erste Mal weltweit an der Spitze der Patentanmeldungen. Auch heute führen wir die Patentrangliste in sämtlichen relevanten Technologie-Segmenten an – vornehmlich im Business-to-Business-Bereich.

Dr. Christian Keller Vorsitzender der Geschäftsleitung, IBM Schweiz
Dr. Christian Keller
Vorsitzender der Geschäftsleitung,
IBM Schweiz

Welche Technologien und Trends erachtet IBM denn als besonders relevant?

Wir fokussieren uns derzeit auf zwei Grundthemen: Cloudplattformen sowie «Cognitive Enterprise». Cloudplattformen sind zentral, da sie die primäre Art und Weise darstellen, wie IT heute bereitgestellt wird. Bei Cognitive Enterprise wiederum geht es v.a. um die Nutzung von Analytics-Anwendungen und künstlicher Intelligenz (KI), um den maximalen Nutzen aus unternehmerischen Daten zu ziehen.

Gerade zum Thema KI wird derzeit viel geschrieben. Wie weit ist man in diesem Bereich?

Das Potenzial von KI ist gewaltig. Aber aktuell benötigt sie noch unheimlich viel Training, damit sie Daten sinnvoll auswerten kann. Der Königsweg bestünde daher darin, den gleichen Trainingseffekt mit vergleichsweise kleinen Datenmengen zu erreichen. Dieses Ziel verfolgen wir mit und für unsere Kunden. Damit KI ihre Stärken bei der Datenverarbeitung ausspielen kann, müssen diese Daten richtig angelegt werden. Wir sagen daher, dass künstliche Intelligenz (AI) nicht ohne die passende «Information Architecture» (IA) funktionieren kann: «No AI without IA».

Mit künstlicher Intelligenz werden auch Ängste verbunden.

Das ist richtig. Aus diesem Grund haben wir von IBM uns diesbezüglich einen strengen Kodex auferlegt: Unsere KI-Anwendungen wie zum Beispiel die Watson Platform als auch Maschine Learning müssen immer transparent und zweckgebunden sein. Um dies garantieren zu können, schulen wir unsere Mitarbeitenden intensiv und helfen unseren Kunden dabei, vorgefasste Meinungen zu revidieren. Ebenfalls zentral ist, dass die Daten und die daraus resultierenden Ergebnisse stets demjenigen gehören, der sie bereitgestellt hat. Dafür setzen wir auch stark auf Schweizer Know-how.

Inwiefern?

Seit 1956 betreibt IBM ein Forschungslabor in der Schweiz – IBM Research Zurich – das eines von 12 globalen Forschungslaboren von IBM ist. Dieses Labor arbeitet auch an KI-bezogenen Projekten. Dort treiben unsere Forschungsteams nicht nur die Ideen des «Internet of things» (IoT) und KI voran, sondern sie binden auch unsere Kunden als Co-Creater in den Entwicklungsprozess ein. Das hat es uns erlaubt, die Anwendung sehr breit zu testen und auf zentrale Kundenbedürfnisse einzugehen. Zudem achten wir generell auf eine breite geographische Diversität, dh. dass IBM nicht zu stark auf die Vereinigten Staaten zentriert ist. Zum Beispiel haben wir das «Watson IoT Center» nach München geholt. Dies, da IoT im industriellen Sektor äusserst relevant ist und Deutschland hier eine Leader-Rolle innehat. Die Schweiz und Österreich wiederum sind wichtige Industrie-Zulieferer, weswegen der Standort München schlicht perfekt ist.

Apropos Schweiz: Wo steht IBM hierzulande?

IBM Schweiz hat sich gewandelt, analog zur gesamten Unternehmensgruppe. Heute machen aus Industriesicht der Bereich «Financial Services» und aus Produktsicht die Dienstleistungen, den Grossteil unserer Tätigkeit aus.

Sie haben die Cloud als zentralen Pfeiler von IBM angesprochen. Was ist der Stand in diesem Bereich?

Die Cloud ist Realität und definitiv im Markt angekommen. Dazu hat auch das Consumer Business entscheidend beigetragen. Heute nutzen bereits viele Firmen Cloud-Dienste als Service in der Private Public Cloud. Man kann dies quasi als die erste «Cloud-Welle» bezeichnen. Nun kommt die zweite.

Was zeichnet diese aus?

Die grossen Entwicklungen werden wir künftig im Bereich der «Hybrid Cloud» sehen. Gemeint ist damit eine Mischung aus einer On-/Off-Premise-Lösung und einer Private- und/oder Public Cloud. Zu den beherrschenden Themen werden v.a. Sicherheits- und Migrationsüberlegungen gehören. Wir glauben, dass ein Unternehmen künftig drei bis vier oder mehr Cloudanbieter haben wird. Die Herausforderung liegt dabei darin, ein konsistentes Management zwischen den einzelnen Clouds sicherzustellen, damit die Daten entsprechend genutzt und bearbeitet werden können. Vereinfacht gesagt sind es fünf Elemente, welche die «Cloud 2.0» auszeichnen werden.

Welche sind das genau?

Zum einen der bereits angesprochene hybride Charakter. Dann werden Cloud Dienstleistungen vermehrt aus einer Multicloud-Umgebung angeboten. Um die Multicloud-Umgebung zu nutzen, ist eine offene Architektur zwingend notwendig. Ebenso muss die Sicherheit der Daten absolut gewährleistet werden. Der fünfte Element bildet das Multicloud-Management, sprich der Management Layer: Die Clouddienstleister müssen die Verfügbarkeit ihrer Services über die verschiedenen Clouds, Private wie auch Public, jederzeit sicherstellen können.

Sie haben die Sicherheit als eine wichtige Voraussetzung der Cloud erwähnt. Wo steht man da aktuell?

Es braucht ein eingehendes Assessment der bestehenden IT- und Sicherheits-Infrastruktur. Viele Unternehmen haben heute eine Vielzahl von punktuellen Sicherheitslösungen im Einsatz, die aber nur schwer aufeinander abgestimmt sind und keine oder nur eine beschränkte durchgängige «End-to-End»-Sicherheit ermöglichen. Darüber hinaus müssen wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass der Mensch mit seinem Verhalten meistens das «schwächste» Glied in der Sicherheitskette darstellt. Daher wird ein unternehmensweites Sicherheitskonzept immer wichtiger ebenso eine entsprechende Schulung der Mitarbeiter.

Es müssen Sicherheitsmethoden entwickelt und -abläufe definiert werden; man benötigt klare Regeln insbesondere wenn Firmen z.B. auf eine «Bring your own device»-Strategie setzen. Dabei ist wichtig, dass die eingeführten Mechanismen praxistauglich sind. Denn die Frage lautet nicht, ob man gehackt wird – sondern nur wann. Darum haben wir beispielsweise zusammen mit der SIX das «SIX Security Operations Center» ins Leben gerufen, das rund um die Uhr Angriffe überwacht, aufdeckt und bei Bedarf sofort reagiert. Anfang März stand unser sogenannte «Security Truck» in Rüschlikon. 25 Tonnen Security Kompetenz auf Rädern sorgten für ein einzigartiges Cybersecurity-Training; im umgebauten Laster konnten Unternehmensvertreter üben, wie man korrekt auf Hackingvorfälle reagiert. Eine sehr praxisnahe Art und Weise, unsere Kunden zu schulen und so zu einem erhöhten Sicherheitsbewusstsein beizutragen.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Welche Technologiethemen werden uns prägen?

Wir müssen uns vor allem bewusst sein, dass trotz aller heute aber auch zukünftig zur Verfügung stehenden technologischen Möglichkeiten, der Mensch im Zentrum steht. Darum ist es absolut entscheidend, dass sich Mitarbeiter permanent weiterbilden können, um sich im Umgang mit den neuen Technologien zu schulen und dies auf allen Hierarchiestufen. Künstliche Intelligenz und Quantum Computing werden Hauptthemen darstellen. Hierbei ist es wichtig, dass die Entwicklung transparent und nachvollziehbar verläuft. Innovationstreiber wie IBM sind daher verpflichtet, die öffentliche Diskussion aktiv zu führen, um Ängste zu nehmen und negative, innovationshemmende Regulationen zu vermeiden.

Weitere Informationen unter www.ibm.com

Zur Person.

Christian Keller ist seit Januar 2018 Vorsitzender der Geschäftsleitung der IBM Schweiz. Er ist Mitglied des weltweiten Senior Leadership Teams der IBM. 2017 war er General Manager für Financial Services & Industry Platforms in Europa. Von 2014 bis 2017 war er Geschäftsführer der IBM Deutschland GmbH und verantwortete in dieser Rolle den Bereich IBM Global Technology Services (GTS) für Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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