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17 Oktober 2019

Remo Käser bringt frischen Wind in den Schwingsport.

Remo Käser (22) ist präsent. Nicht nur im Sägemehl, sondern auch in den (sozialen) Medien. Dadurch sticht er aus der traditionellen Schwingerwelt heraus, wo mit Jodel, «Chäsbrätel» und «Munis» noch Schweizer Urtümlichkeit gelebt wird. Mit Fokus «Best of Switzerland» sprach er über die Bedeutung des Sports und seine Vorbildfunktion.

Remo Käser, Sie bieten Ihren Fans am 6. Juli einen Wanderplausch an der Lenk im Simmental an. Verraten Sie uns, welche Route Sie ausgesucht haben?

Ja, das ist wirklich eine coole Sache. Es ist der Höhenrundweg Gryden auf rund 2 000 Meter über Meer mit seiner einladenden kraterartigen Landschaft. Die Wanderung ist abwechslungsreich und einzigartig. 

Besteigen Sie privat eher 4000er oder wählen Sie gemütliche Rundwege?

Eher gemütliche Rundwege. Das mit den 4000ern habe ich noch nicht für mich entdeckt.

Schwingen ist eine typisch-schweizerische Sportart. Ihnen wurde sie sozusagen in die Wiege gelegt. Was zeichnet das Schwingen aus und was schätzen Sie besonders an diesem Sport?

Der faire Kampf Mann gegen Mann. Aber auch die einzigartige, familiäre, einfache und friedliche Atmosphäre eines Schwingfests. Und der Zusammenhalt innerhalb der Schwingerfamilie ist zudem speziell.

Welche Bedeutung hat Schwingen in Ihren Augen für die Schweiz?

Ich denke Schwingen baut auf Werten auf, welche die Schweiz stark gemacht haben. Ebenso erinnert es uns an unsere Wurzeln. Beides gilt es zu pflegen, denn sie geben Sicherheit und Orientierung. Dazu pflegt man im Schwingen Traditionen und Bräuche, welche sonst in Vergessenheit geraten würden. Was schade wäre, auch wenn ich persönlich nicht alle Traditionen lebe.

Und für Sie persönlich?

Für mich ist Schwingen Leidenschaft pur. Zudem ist es aktuell mein Leben, dem ich alles unterordne. Aber auch die Werte und Wurzeln sind für mich sehr wichtig. Denn diese erachte ich als wichtige Bausteine für meinen Erfolg.

Ich denke Schwingen baut auf Werten auf, welche die Schweiz stark gemacht haben.

5 Kranzfestsiege, 43 Kränze, einer davon Eidgenössisch, Nachwuchsschwinger 2016… die Liste Ihrer Siege ist lang. Welche Eigenschaften machen Sie so erfolgreich?

Danke, aber ich habe noch einen langen Weg vor mir, um meine Ziele zu erreichen. Die Leidenschaft für den Schwingsport, Wille und Ehrgeiz machen es aus.

Sind diese Qualitäten auch abseits des Sägemehls hilfreich? Inwiefern?

Ich bin überzeugt, dass die Leidenschaft der wichtigste Motor für erfolgreiches Schaffen ist. Egal, was man tut. Und wenn mal etwas nicht auf Anhieb klappt, dann zählt der Ehrgeiz und Durchhaltewillen.

Sehen Sie sich selbst in der Rolle eines Vorbildes?

Ich denke als Spitzensportler und Person der Öffentlichkeit steht man automatisch in der Pflicht, gerade gegenüber dem Nachwuchs, aber in meinem Falle auch als Botschafter des modernen Schwingsports, vorbildlich zu agieren.

Was machen Sie mit Ihren Preisen? Sind sie (die nicht-lebenden!) bei Ihnen zu Hause ausgestellt?

Die Lebendpreise sind mehr symbolischer Art. Ich habe keine davon. Zwei bis drei spezielle Kränze habe ich zuhause aufgehängt, alle anderen sind aber gut gelagert.

Sie arbeiten neben dem Schwingen noch 50 Prozent. Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie sich lieber voll auf das Schwingen konzentrieren?

Ich bin ganz zufrieden so wie es ist, weil die Arbeit für mich eine gute Abwechslung zum Sport darstellt. Und schliesslich gibt es ein Leben nach dem Schwingen. Darauf muss ich mich gut vorbereiten und mich auch da weiterentwickeln. Den ganzen Tag nur ans Schwingen zu denken, ist hingegen nicht förderlich.

Ich habe keine Lebendpreise.

Sponsoren waren im Schwingen lange verpönt. Noch heute polarisiert diese Diskussion. Hatten Sie Respekt vor der Entscheidung, Red Bull als Sponsor zu haben?

Nein, gar nicht. Es ist für mich perfekt. Ich bin sogar stolz, dass unter anderem Marken wie Aldi Suisse, Suzuki, Tissot und eben Red Bull mir das Vertrauen schenken. Auch Red Bull war ein Wunschpartner von mir, denn ich habe schon früher, wie fast alle Jugendlichen Energydrinks, getrunken. Für mich als Botschafter des modernen Schwingsports ist es ein perfekter Match. Der Schwingsport kann stolz sein, dass so ein Unternehmen, welches sich allgemein stark für den Sport engagiert, auch den Schwingsport fördert.

Haben Sie den 25m-Sprung in den Vierwaldstättersee am letztjährigen Red Bull Cliff Diving gewagt?

Nein, ich denke da sollte man geübt sein, denn 25 Meter sind nicht zu unterschätzen und alles andere als ungefährlich. Grundsätzlich bin ich für vieles zu haben, aber dieses Risiko, und das während der Saison, wäre ich nicht eingegangen.

Wie kamen Sie zu Ihren weiteren Sponsoren?

Das ist unterschiedlich. Entweder sind die Sponsoren auf uns zugekommen, oder wir (mein Management) sind sie in Absprache gezielt angegangen.

Gibt es Unternehmen, mit welchen Sie aus Prinzip nicht arbeiten würden?

Sag niemals nie. Aber ich denke, alle, die nicht mit meiner Vorbildfunktion im Einklang stehen.

Sie hören viel Musik, so auch vor dem Schwingfest. Haben Sie da eine spezielle Playlist? Verraten Sie uns, was da so drauf ist?

Ich höre vor dem Schwingfest etwas, das pusht, hauptsächlich Eminem. Grundsätzlich höre ich gerne Rap- und HipHop-Musik. Aber es kann auch mal die Hitparade sein. Und zum Schwingfest gehört die Jodler-Musik.

Ihr Vater, Adrian Käser, war auch ein berühmter Schwinger. Hören Sie auf seine Tipps oder gehen Sie Ihren eigenen Weg?

Natürlich will ich meinen eigenen Weg gehen. Aber ich wäre ja dumm, wenn ich nicht auch den einen oder anderen Tipp meines Vaters einholen würde. Er gibt mir auch nur Ratschläge, wenn ich auf ihn zugehe. Wir haben dadurch ein super Verhältnis.

Schwingen ist sehr traditionell und gilt als konservativ. Sie aber vertreten in der Schwingszene eine jüngere, offenere Generation. Wie empfinden Sie diesen Spagat?

Es treffen zwei Welten aufeinander. In der Welt des Schwingsports soll es keine Stars geben. Beim Sieg denkt man zuerst an den Unterlegenen. Zurückhaltung und Bescheidenheit sind Eckpfeiler. Und dann gibt es die Welt der Medien, der Werbung und der Kommunikation, die anders funktioniert. Sport ist aber in der heutigen Zeit auch Unterhaltung und Medien brauchen Köpfe.

Ich kann für die Werte des Schwingsports einstehen und gleichzeitig ist es als Spitzensportler mein persönlicher Anspruch, auch auf den anderen Ebenen professionell zu agieren. Nicht zu vergessen, ich bewege mich immer auch im Wettbewerb mit Athleten aus anderen Sportarten. Halbe Kommunikations- und Medienarbeit oder halbes Sponsoring, das geht da nicht. Entweder richtig oder gar nicht. Und ich sehe es als Chance: Ich kann die Werte und den tollen Sport nach Aussen tragen, denn nicht zuletzt brauchen die Schwingfeste Sponsoren und der Schwingsport Nachwuchs.

Gibt es da Ungunst von der konservativeren Seite?

Sie müssen sich vorstellen: Ein Teil der Schwingerfamilie erfreut sich an der Entwicklung und der Publizität des Schwingsports. Der andere Teil würde das Rad lieber zurückdrehen. Der Unmut über die Veränderungen äussert sich in Form von hämischen Kommentaren, verbreiteten Unwahrheiten, über substanzlose Kritik, bis hin zu Neid. Und dabei will ich nicht sagen, dass es an mir nichts zu kritisieren gibt. Aber ich will dieses Verhalten auch nicht überbewerten. Wir Schweizer sind dahingehend speziell. Sogar der beste Botschafter unserer wunderbaren Schweiz, Roger Federer, hat seine Kritiker.

Würden Sie sich als heimatverbunden bezeichnen?

Sehr sogar. Ich liebe es zwar, in die Ferne zu Reisen. Ende August geht es zum Beispiel für einige Wochen nach Kalifornien. Aber ich freue mich auch immer wieder, nach Hause zu kommen. Im Ausland schätzt man immer wieder, was man zu Hause hat. Das Gefühl kennen alle, glaube ich.

Was bedeutet die Schweiz für Sie?

In der Schweiz habe ich meine Wurzeln, meine Familie und Freunde. Es ist meine Heimat.

Ich liebe Sport und probiere einfach gerne Neues aus.

Hängt bei Ihnen zu Hause eine Schweizer Flagge?

In meinem Elternhaus haben wir im Garten am Mast eine Flagge hängen.

Schwingen, Eishockey, Fischen, Tanzen, Golfen. Sie haben viele Talente. Gibt es etwas, das Sie nicht können? Oder was könnten Sie gerne besser?

Ich würde nicht von Talent sprechen. Ich liebe Sport und probiere einfach gerne Neues aus. Manches funktioniert besser, Anderes weniger gut. Am Wakeboarden und Surfen will ich mich zum Beispiel nochmals versuchen.

Sie beschreiben sich selbst als hyperaktiv. Entspannen Sie sich nur in Bewegung oder gibt es auch faule Stunden?

Ich denke, ich bin ruhiger geworden. Seit letztem Jahr habe ich das Fischen wieder für mich entdeckt. Aber ich verbringe auch gerne Zeit mit meiner Familie und allgemein mit Menschen.

Welchen Titel möchten Sie gerne noch gewinnen? Oder welchen Gegner möchten Sie noch besiegen?

Ich bin erst am Anfang meiner Karriere. Es gibt noch so viel zu gewinnen. Ich werde immer mein Bestes geben und dann werden wir sehen, wozu dies reicht. Grundsätzlich trete ich an jedem Schwingfest mit dem Ziel an, es zu gewinnen.

Gibt es auch klare Ziele in Ihrem Privatleben?

Eines Tages möchte ich meine eigene Familie haben.

Wie sieht Ihr Leben in zehn Jahren aus?

Ich bin ja dann erst 32. Ich hoffe, dass ich dann noch fit und gesund dem Schwingsport nachgehe. Privat erhoffe ich mir, dass ich ein schönes Eigenheim besitze.

Entweder … oder:

Bad oder Dusche? Dusche

Berge oder Meer? Beides

E-Bike oder SUV? SUV

Fondue oder Raclette? Fondue

Cervelat oder Entrecôte? Entrecôte

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Interview: Mona Martin
Bilder: Lorenz Richard/Red Bull Content Pool, Michael Schär/zvg

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