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20 Juli 2019

Die heutigen Herausforderungen im HR-Management.

Die Rolle der Personalabteilung hat sich seit ihren Anfangsjahren extrem verändert. Während sie früher lediglich administrative Arbeiten ausführte, ist sie heute massgeblich am Erfolg
eines Unternehmens beteiligt. Chancengleichheit, Diversity und Digital-HR sind einige der heutigen Herausforderungen, denen sich die HR-Abteilung stellen muss.

Das Personalwesen (englisch: Human Resource Management, kurz: HRM) entstand im Zuge der Industrialisierung. Da die immer grösser werdenden Fabriken einen hohen Personalbedarf hatten, bedurfte es einer separaten Abteilung für die Arbeiter. Die HR-Abteilung war aber anfangs ausschliesslich für administrative Arbeiten wie die Gehaltsabrechnung oder die Einsatzplanung zuständig. Mitarbeitergesundheit oder Arbeitnehmerschutz spielten noch keine Rolle. Da in den Unternehmen ein autoritärer Stil herrschte, ging man sogar oftmals mit Gewalt und mit Hilfe von Polizisten gegen streikendes Personal vor. 

Ab den «Roaring Twenties» entwickelte sich das Personalwesen stetig weiter. Rekrutierungs- und Entwicklungsprogramme wurden ins Leben gerufen und laufend optimiert. Als nach dem zweiten Weltkrieg viele Arbeitnehmer nicht mehr zurückkehrten und die Unternehmen gezwungen waren, die offenen Stellen unter anderem mit Frauen zu besetzen, wurden sie offener und freundlicher gegenüber den Arbeitnehmenden. Es folgten Mitbestimmungsrechte und weitere Anreize wie Mitarbeiterschulungen. Später kamen Coaching, Monitoring und Learning dazu. Die Mitarbeitenden und die Wahrung derer Interessen wurde stets wichtiger und genauso die Rolle der Personalabteilung. Anja Buser, Senior HR Strategies Consultant bei HR Campus, über die Bedürfnisse und Erwartungen der heutigen Mitarbeitenden: «Arbeitnehmer sind heute anspruchsvoller und fordern ihre Arbeitgeber heraus. Sie wollen im Zentrum stehen. Es geht um Themen wie Wertschätzung, Purpose, Work-Life Balance, persönliche Weiterentwicklung und Wellbeing. Nicht mehr um Kultur, variable Entlohnung und BGM.»

Es liegt an jedem Unternehmen selbst, Trends zu erkennen.

Das HR-Management von Heute

Heute ist Human Resource Management wichtiger denn je. Es steht für die Entwicklung, Führung, Gewinnung, Verwaltung sowie Optimierung des Personals. Das bedeutet, dass die Personalabteilung vermehrt eine strategische Rolle innehat und entscheidenden Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens nimmt. Im Zeitalter der Digitalisierung wird die Personalabteilung weiterhin mit diversen Herausforderungen konfrontiert. Anja Buser ist jedoch kritisch: «HR bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Digitalisierung und der Arbeitswelt 4.0. Es geht darum, Treiber einer Transformation zu sein, die HR-intern noch gar nicht stattgefunden hat. Man soll von heute auf morgen möglichst alles digitalisieren, automatisieren und modern werden, hat aber weder Mittel noch die richtigen Ressourcen dafür.» 

Digtal-HR

Durch die Digitalisierung steht die Steigerung der Effizienz sowie der Effektivität im Vordergrund. Die Qualitätssicherung und die Reduzierung der Kosten sind nach wie vor permanente Herausforderungen im HR-Management. Insbesondere administrative Tätigkeiten werden dank automatisierter Prozesse effizienter und benutzerfreundlicher. 

Diversity und Gender-Equality als Schlüssel zum Erfolg

Chancengleichheit – und zwar für alle – das ist eine der zentralen Herausforderungen für die Personalabteilungen. Unternehmen müssen im Jahr 2019 die Vorteile von geschlechtlich diversen Teams erkennen. Dies gilt für das kleine Debitoren-Team der Buchhaltung genauso wie für die Geschäftsleitung. Ein weiterer Schritt zur Chancengleichheit bilden transparente Gehaltsstrukturen sowie die Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen. Gemäss einer Studie des Bundesamts für Statistik aus dem Jahre 2016 ist es nach wie vor so, dass Frauen betreffend Lohn diskriminiert werden und im Schnitt rund 20 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Arbeitskollegen. Je höher die Kaderfunktion, desto höher die Unterschiede. Moderne Unternehmen können durch personalstrategische Initiativen nicht nur die eigene Marke sowie das Employer Branding aufwerten, sondern aktiv zur Überwindung alter Rollenbilder beitragen. 

Work-Life-Balance gewährleisten

Am Morgen die Kinder zur Schule fahren, über den Mittag einen Abstecher ins Fitnesscenter machen, oder am Freitag von zuhause aus Arbeiten. Der heutige Arbeitnehmer wünscht sich Flexibilität – das Schlagwort hierfür lautet Work-Life-Balance. Die Arbeit soll im Einklang sein mit Familie, Freizeit und Hobbies. Dies stellt die Arbeitgebenden von heute vor eine Herausforderung. Flexible Arbeitszeitmodelle, Vaterschaftsurlaub oder Elternzeit, aber auch Home-Office sind die Trends der kommenden Jahre. 

Recruiting und Mitarbeitergewinnung

In den letzten Jahren konnte das HR-Management das Bewerbungsverfahren durch die Digitalisierung effizienter gestalten. Die früher üblichen postalischen Bewerbungen wurden unlängst durch Online- oder E-Mail-Bewerbungen ersetzt. Auch das Ausschreiben der offenen Stellen wechselte von der Zeitungsanzeige hin zu diversen Online-Portalen. Die nächste Herausforderung des HR-Managements ist nun das effiziente Filtern der Bewerbungsflut anhand digitaler Prozesse. Lange Wartezeiten für potenzielle Kandidaten und Kandidatinnen, etwa durch sequentielle Prüfung der Bewerbungen, müssen im Zeitalter der Digitalisierung behoben werden. Active Sourcing ist eine weitere Herausforderung der Personalabteilung. Unternehmen begeben sich aktiv auf die Suche nach idealen Arbeitskräften und werben um diese, was einen zeitintensiven und persönlichen Kontakt mit möglichen Arbeitskräften vorschreibt¬. Eine moderne HR-Abteilung setzt im Zeitalter der Digitalisierung auf Recruiting-Tools, welche den Bewerbungsprozess unterstützen – also Bewerbungen online entgegennehmen, aussortieren und ein Ranking erstellen, aber auch direkt Absagen versenden. Und das alles in kürzester Zeit.

Das HR-Management von Morgen

Die Digitalisierung ist im HR angekommen. Betreffend HR-Strategie und der Automatisierung von digitalen Prozessen sind die Unterschiede von Unternehmen zu Unternehmen teils immens. In Zukunft muss sich die Personalabteilung als kompetente Begleiterin der Digitalisierung positionieren und diese in der Strategie zu verankern. Es liegt an jedem Unternehmen selbst, Trends zu erkennen und mit intelligenten Strategien im Berufsleben zu implementieren. Anja Buser bezweifelt jedoch, dass es in Zukunft noch eine Personalabteilung wie in der heutigen Form geben wird.

Text: Moreno Oehninger

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