8.6 C
Zürich
26 September 2020

Temperaturgeführte Logistik.

Wer eine erfolgreiche Supply Chain in der temperaturgeführten Logistik betreiben will, ist heute eng gebunden. Verschiedene Einflüsse wie Globalisierung, Gesetz, Wettbewerb und ein verändertes Konsumverhalten müssen einbezogen werden.

Dr. Peter Acél

Die Supply Chain muss so gestaltet werden, wie der Kunde es erwartet und auch der Preis muss stimmen. Die Erfolgsformel der Logistik lautet «sechs R». Es geht darum, das richtige Produkt in der richtigen Menge und Qualität, zum richtigen Zeitpunkt, Ort und Preis anzubieten. Hier muss die Formel um den Faktor „kontrollierte, richtige Temperatur“ erweitert werden. Das wiederum macht die Sache alles andere als einfacher.

Temperaturgeführte Produkte

Das Spektrum von tiefgekühlt oder gewärmt transportierten Waren ist gross. Die Nachfrage der Konsumenten nach frischer Ware – sogenannten Convenience-Produkten – steigt täglich. Denn Themen wie Frische finden immer mehr Zuspruch. Übersetzt heisst dies für den Transport von Lebensmitteln, dass diese in der richtigen Temperatur auf schnellstem Weg zum Verbraucher gelangen müssen. Die Kette der temperaturgeführten Logistik ist entsprechend gefordert. Auch bei Produkten im Bereich «Non Food» verspricht die Logistik die «richtige Temperatur».

Cool Logistics von Lebensmitteln

Gründe für die steigenden Anforderungen in Haltbarkeit, Temperatur oder Frische gibt es viele. Sie liegen nicht zuletzt in neuen Möglichkeiten und vor allem im Kundenverhalten, das sich wandelt. Der Handel mit Lebensmitteln hat sich in den letzten Jahren von einem Grossmengen- immer mehr zu einem Retailgeschäft gewandelt. Das bedeutet, dass es heute vor allem um den Transport von Kleinmengen geht. Das entspricht dem Bedürfnis der Kunden. Ob Milchprodukte oder Tiefkühlware, Gemüse oder Fleisch, gewisse Bedingungen müssen eingehalten werden. Zum einen wird Qualität über alle Temperaturzonen und zum anderen Hygiene im Umgang mit Lebensmitteln gefordert. Der E-Commerce verstärkt den Druck auf die Anbieter zusätzlich. Es bedeutet einen zusätzlichen Aufwand, die Esswaren in der geforderten Temperatur auf den letzten Metern dem Kunden zuzuführen. Damit gewinnt die (Zwischen-)Lagerung und Feinverteilung in der temperaturgeführten Logistik an Bedeutung. Grosse Kühlhäuser werden so immer mehr zu eigentlichen Distributionszentren.

Letzte Meile im Pharmabereich

Auch im Handel mit Medikamenten ist die sogenannte letzte Meile, also der Weg des Produktes vom letzten Bezugspunkt im Handel hin zum Wohnort des Kunden, eine Herausforderung. Umso mehr, als oft die Temperatur einen Einfluss auf Wirksamkeit und Haltbarkeit von Medikamenten hat. Der Bezug von Medikamenten beim Arzt lässt jedoch Lücken in der Temperaturkette entstehen, wenn der Patient das Medikament selbst nach Hause mitnimmt. Heute gibt es Firmen für den Versand von Medikamenten, die diese Lücke in der temperaturgeführten Logistik erkannt und bereits geschlossen haben. Sie beliefern Patienten zuhause oder in Heimen direkt.

E-Commerce auf der letzten Meile

Der enorme «Druck» auf die temperaturgeführte Logistik kommt von der Kundschaft. Sie will schnelle, frische und vor allem möglichst umweltschonend gelieferte Produkte direkt vor der Haustür. Der Aufwand, um Produkte frisch zu halten, ist enorm. Je kürzer der Weg, desto kleiner die bestellte Menge, so die Faustregel. Für den Logistiker bedeutet das mehr Kosten pro geliefertem Produkt. Denn auf den letzten Metern verstärkt sich das Ganze zusätzlich. Zudem ist Lieferung nach Hause eine «tricky Sache»: Mit online bestellten Produkten geht der Konsument wählerischer um als mit denjenigen, die er im Laden selbst aussucht. Im Bereich B2B lohnt sich dieses Geschäft nur bedingt. Zusatzleistungen im E-Commerce drücken die Margen stark. Doch was des einen Schaden ist, kann des anderen Nutzen sein: «Omni-Channel» greift hier ein. Vor allem in Randgebieten können örtliche Geschäfte als Partner dienen und gemeinsam mit dem Hersteller dessen Produkte lagern und abgeben.

Was die Zukunft bringt

Ursprüngliche E-Shops mit eigenem Sortiment werden immer mehr zu grossen Plattformen mit erweitertem, branchenübergreifendem Angebot. Zudem zeichnen sie sich durch grössere Einzugsgebiete aus. Mit ihrer dann neuen Grösse und entsprechender Erfahrung schaffen sie es, tiefere Kosten zu erreichen. Entlang der Supply Chain gibt es durch moderne Ideen neue Geschäftsfelder. Doch alles in allem geraten Anbieter und Dienstleister immer mehr unter Druck. Denn dort, wo die Leistung einfacher erbracht wird, ist die Marge klein. Nur, wo grosser Zusatzservice nötig ist, fällt genug hoher Profit an. Die Beteiligten entlang der Supply Chain sind definitiv gefordert.

Über den Autor

Dr. Peter Acél, 1959, CEO der Dr. Acél & Partner AG, CMC-zertifizierter Unternehmensberater. Seine Kompetenzfelder sind: Logistikstrategien, Produktionsoptimierung, Fabrikplanung und Betriebsorganisation.

Studium Maschinenbau, Abschluss als Dr. sc. techn. ETH. Seit 1996 ist er Teilhaber und Gründer der Dr. Acél & Partner AG. Weiter hat er seit 1993 an der ETH Zürich diverse Lehraufträge: Betriebliche Simulation, Arbeitsplatzgestaltung und Fabrikplanung.

Dr. Peter Acél ist zudem technischer und wissenschaftlicher Gerichtsexperte und Autor von mehreren Publikationen zu Logistik, industrielle Produktion und Unternehmensführung.

Text: Dr. Peter Acél 

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