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26 Februar 2020

Digital Native auf Erfolgskurs.

Daniel Burger ist auf dem besten Weg, eine grosse Nummer in der Neurotechnologie zu werden. Mit seinen 21 Jahren absolviert er gleichzeitig zwei Studiengänge in der Bio-Informatik sowie in der Web-Entwicklung und führt nebenher als Interactive Media Developer in einer Mediaagentur ein fünfköpfiges Team. Sein Ziel: den menschlichen Körper überflüssig zu machen.

Wir treffen uns in einem Co-Working Space an einem Freitagabend. Seine Frisur sitzt, sein Notizbuch mit Skizzen von Wireframes (Webseitinhalten) und diversen Grafikvisualisierungen ist alles, was er mit sich trägt. Dieser zielstrebige Auftritt wird ergänzt durch seinen sympathischen Charakter, den man einfach von Anhieb mag.

Das Outfit

Daniel Burger, ein 21-jähriger Aargauer mit bosnischem Blut mütterlicherseits. Er offenbart mir, dass er seit dem 01.01.2019 jeden Tag dasselbe Outfit trägt, das er in zehnfacher Ausgabe gekauft hat: Ein luftiges, langärmliges Holzfällerhemd, eine Cargohose und hippe Sneakers, bestellt über einen Onlineversand-Händler. «Warum online?», frage ich. Daniel Burger antwortet: «Stell dir vor, ich komme in ein Ladengeschäft: ‹Grüezi, ich hätte gerne zehn Mal dieses Hemd.› Du kannst dir die schrägen Blicke der Verkäufer vorstellen».

Steve Jobs Dress-Revival

Den Klamottenstil hat er so gewählt, um an einem Business-Meeting teilnehmen zu können, aber immer noch genug casual auszusehen, um an eine Grillparty zu gehen. Kurzum: Ein Griff in den Kleiderschrank genügt und er ist bereit für jeden Tag. «Und ja, eine Winterjacke habe ich auch und meine Unterhosen wechsle ich täglich», lacht er. Der Grund für diesen Mono-Dress ist schlichtweg, Gedankengut und Zeit zu sparen. Genauso ist es aber ein Entgegenwirken von Kleiderabhängigkeit. Nichtsdestotrotz geben Daniel Burger Kleider eine gewisse Sicherheit und ein gutes Gefühl: «Wenn man kein gutes Outfit hat, fühlt man sich nicht gut. Das ist wie bei einem bad hair day.»

Visionäre wie Mark Zuckerberg mit seinem grauen T-Shirt oder der verstorbene Steve Jobs mit seinem Rollkragen-Pulli haben es auch so gemacht, für den Digital Native ist es wie eine Art Test für seine Mitmenschen: «Wie reagieren sie – sind sie direkt und ehrlich oder warten sie lange, bis sie dich auf deine Klamotten hinweisen? Eine Person beispielsweise hat drei Monate gebraucht, um mich darauf anzusprechen».

Daniel Burger trägt seit dem 01.01.2019 jeden Tag dasselbe Outfit.

Daniel Burger in seinem Mono-Dress 1
Inspirationen, keine Vorbilder

Avantgardisten inspirieren Daniel Burger, vor allem wie sie früher waren in seinem Alter. Zum Beispiel Wernher von Braun, einer der ersten Raketenwissenschaftler: Er war ein berufliches Genie und privat doch ein ganz normaler Typ. Nikola Tesla hingegen, der Zweiphasenwechselstrom-Erfinder war ein offenkundiger Exzentriker: Er hat drei Jahre auf der Strasse gelebt, weil er einfach nur noch seine Vision verwirklichen wollte. Schon als Kind merkte Daniel Burger, dass er in die Richtung des spleenigen Grössenwahnsinns gehen könnte, als er damals als 7-jähriger Dinosaurier zu klonen versuchte. Einen Dinosaurierpark wie im Film «Jurassic Park» wollte der Programmier-Student erschaffen: «Ich war letztens mit meiner Freundin in einem Dinosauriermuseum in den Niederlanden und dabei konnte ich sie schwer beeindrucken mit den mir noch verbliebenen Dinonamen, wie den Pachycephalosaurus» (lacht). Ein Freund von Daniel Burger war damals ähnlich eingestellt und half ihm seine Eigenart einzudämmen. Nicht alle Avantgardisten hatten diese Unterstützung, so wurden viele von ihnen tatsächlich wahnsinnig in ihrer Isolation.

Mediamatiker, IMD, Programmierer

Hätte Daniel Burger 2014 nicht ein einjähriges Praktikum als Mediamatiker in einer Videoproduktion abgeschlossen, wäre er nach der Sekundarschule alternativ Bäcker-Lehrling geworden. Nach dem Mediamatik-Praktikum hatte er eine Lehre als Interactive Media Designer (kurz IMD) angeschlossen, wobei der Betrieb jedoch nach kurzer Zeit Konkurs ging. Die Weiterführung der Lehre an einem anderen Ort war seiner Meinung nach aber nicht mehr relevant, da er kurze Zeit später eine Festanstellung in einer Mediaagentur als Interactive Media Developer erhielt. Parallel begann er auch gleich mit einem Studium sur Dossier im Web-Design und Development.

Ideal ist, dass dieser Studienlehrgang mit seiner Arbeit harmoniert im Gegensatz zu vielen anderen Studenten, die oft zwei verschiedene Arbeitszweige verbinden. Durch sein Web-Design- und Development-Studium kann er hingegen auch während der Arbeit auf Kunden eingehen. Im September 2019 hatte Daniel Burger ein Zweitstudium als Games-Programmer in Frankfurt angefangen, jedoch bereits wieder abgebrochen, da ein Studium in der Bio-Informatik besser zu seinen Zielen passt. Dieses hat er im Dezember 2019 begonnen. Schwerpunkte dabei sind Entwicklungen von rechenintensiven Techniken und Mustern sowie maschinelles Lernen, Auswertungen von Datenmengen, Algorithmen und Visualisierungen.

Ziel «Headless Reality»

Neurotechnologie ist ein sehr breites, komplexes Thema mit Erkenntnissen und Werkzeugen aus der Mathematik, Physik, Chemie, Biologie und dem Ingenieurwesen, um neurale Dysfunktionen zu untersuchen und zu behandeln. Die Königsdisziplin bleibt das «Brain Machine Interface», an dem die Innovationsmogule Elon Musk und Bryan Johnson bereits arbeiten. Die Absicht des Brain Machine Interfaces ist es unter anderem, dass das menschliche Gehirn nicht mehr an den Körper gebunden ist.

Daniel Burger interessiert sich für die verwandte Technologie «Headless Reality». Headless ist ein Konzept der Informatik und bezieht sich auf Back-Ends, die ohne Front-Ends funktionieren. Back-Ends sind Datenverarbeitungen und Speicherungen im Hintergrund von beispielsweise Softwares, Apps, und Webseiten. Als Gegenstück wirken Front-Ends, welche die sichtbaren Oberflächen von Anwendungen wiedergeben. Daniel Burger sieht die menschlichen Körper wie Front-Ends an und die Seelen wie Back-Ends, und mit der Headless Reality will er erreichen, dass die menschlichen Seelen in einer anderen Dimension existieren können. Nach seiner eigenen Einschätzung wird Daniel Burger noch mindestens zehn Jahre brauchen, bis sein Wissensstand soweit ist, um konkret mit dem Projekt Headless Reality starten zu können.

Sein Antrieb ist nicht nur Selbstverwirklichung, sondern vor allem, der Menschheit zu helfen, denn die Menschheit sei genial, betont Daniel Burger begeistert: «Schau dir mal an, was wir schon erschaffen haben: Wir haben Strom, wir haben Licht in der Nacht – manchmal drehe ich fast durch, wenn ich solche Gedanken habe!» Das, was Daniel Burger machen will, ist kein Einmannjob und auch keiner, den man in einer Laufzeit von unter 20 Jahren umsetzt. Es müssen mehrere tausend Mitarbeitende mehrere Jahrzehnte mittüfteln, um die Headless Reality umzusetzen.

Wir haben Strom, wir haben Licht in der Nacht – manchmal drehe ich fast durch, wenn ich solche Gedanken habe!

Bis jetzt lief’s gut

Immer wenn Daniel Burger kurz vor der Erschöpfung steht, redet er sich gut zu: «Sehr gut, gewöhne dich daran! Denn in ein paar Jahren wird das dein tägliches Brot sein!» Burnouts, Krankheiten oder sonstige Familienrückschläge musste er bisher noch keine erleiden. Auch alle geplanten Schritte auf seiner «Roadmap» konnte der Digital Native bis jetzt erreichen, ohne grossartig zu straucheln, wie beispielsweise bei seiner Bewerbung sur Dossier für sein erstes Studium als Web-Entwickler. Da ging es auch ohne Komplikationen. «Ich bin en glückliche Siech!», lacht Daniel Burger. Und doch hat es Rückschläge gegeben als zum Beispiel sein Lehrbetrieb Konkurs ging. Bis jetzt ist aber nichts Schlimmeres passiert und dafür ist Daniel Burger sehr, sehr dankbar.

Erfolgsboost – polyphasischer Schlaf

Daniel Burger spielt nach wie vor mit dem Gedanken, wieder auf den polyphasischen Schlaf zurückzugreifen. Beim Schlafmuster polyphasisch wird der Schlafbedarf auf mindestens drei Schlafeinheiten pro Tag verteilt. Die Längste der drei Schlafeinheiten beläuft sich auf maximal zwei Stunden, die anderen beiden Einheiten auf Powernaps von circa 15 Minuten. Eine Nacht- sowie ein Mittagsschlaf wird hingegen als biphasischer Schlaf bezeichnet und nur eine Schlafeinheit am Tag wird als monophasisch definiert. Sehr oft denkt er sich, wie viel produktiver es wäre, nur zwei bis fünf Stunden zu schlafen. Dies hat bereits ein Jahr lang, von 2016 bis 2017, super funktioniert mit nur zwei Monaten Pause dazwischen, wo er zwischen sechs bis acht Stunden Schlafenszeit hatte. Polyphasisch hatte er geschlafen, um so die zusätzlich gewonnene Zeit produktiv nutzen zu können.

Für diverse Projekte damals in der Berufsschule oder neues Wissen in der digitalen Welt. Damals war für ihn das Ziel der Headless Reality noch nicht so konkret, aber er muss auch sagen, dass sich seine Philosophie ohnehin immer wieder verändert hat. Bei einem Ziel, wie der Headless Reality – so flüchtig und agil – macht es auch wenig Sinn, es zu strukturiert anzugehen mit dem Schlaf, denn manchmal hat er am Dienstag, manchmal am Donnerstag Schule. Manchmal muss er am Samstag arbeiten oder hat am Donnerstag frei. Bei solch einem Arbeitsplan hat polyphasischer Schlaf gar keinen Platz mehr.

Ausserdem gibt es auch negative Seiten beim polyphasischen Schlaf, gesteht Daniel Burger: «Mit der Zeit wird man ein wenig paranoid und macht sich Sorgen, die es gar nicht gibt.» Als er es praktiziert hatte, hat es sich jedenfalls so angefühlt. «Wenn ich jetzt so zurückschaue mit genügend Schlaf, merke ich, wie absurd diese Gedanken waren», sieht der Digital Native ein. Weiterempfehlen würde er es nur, wenn man auch wirklich weiss, auf was man sich einlässt und nicht einfach mal ausprobiert. Und das auch nur für einen befristeten Zeitraum.

Mit der Zeit wird man bei polyphasischem Schlaf ein wenig paranoid und macht sich Sorgen, die es gar nicht gibt.

Hauptsache produktiv

 «Behandle dich selber wie eine Firma, so wirst du erfolgreich sein», lautet Daniel Burgers Motto. Und immer konstruktiv bleiben. Unproduktivität versucht er da zu lassen, wo sie nicht vermeidbar ist, wie etwa beim Mittagessen. Momentan isst er oft «Meal Replacement» über Mittag. Das ist flüssiger Superfood, ähnlich wie auch Astronauten ihn einnehmen. Nicht besonders appetitlich, aber effizient. Es gibt aber auch unproduktive Momente, wo es für Daniel Burger in einem gewissen Mass Sinn macht, beispielsweise wenn er mit seiner Freundin unterwegs ist. Sie ist auch diejenige, die ihm Erholung und neue Energie gibt in seiner beschränkten Freizeit. Natürliches Doping ist aktuell gar kein Thema beim Workaholic Daniel Burger: Weder Energiedrinks noch Kaffee oder sonst etwas, was ihn während dem Arbeiten stimuliert. Er will von nichts abhängig sein für seine Produktivität.

Behandle dich selber wie eine Firma, so wirst du erfolgreich sein.

Doktor und Vater werden

Noch ist er mit seinem Team zusammen in einer Mediaagentur, wird jedoch bald eine Tochterfirma übernehmen und dort mit seinem bestehenden Team als Leader tätig sein. In der Mediabranche kann Daniel Burger Geld verdienen, um seine Studien zu finanzieren. Für die nächsten paar Jahre will er daher in der Mediabranche bleiben, aber in zehn Jahren schon, will er an seinem Doktorat in der Neurotechnologie arbeiten oder vielleicht sogar schon fertig sein damit. Ausser er wird in der Zukunft merken, dass er das Doktorat für sein Vorhaben gar nicht benötigt. Bis dahin gibt es jedoch so viele offene Parameter: Vielleicht wird er krank oder er wird Vater. Es gibt einfach Dinge, die kann und sollte man nicht planen.

Ich frage Daniel Burger: «Willst du denn Vater werden bei all deinen Zielen?» Er antwortet lachend: «Ja, würde ich schon gerne. Vielleicht schlafe ich dann halt nur noch zwei Stunden pro Nacht.» Was seine hypothetischen Kinder einmal beruflich werden sollen, ist ihm egal, die Hauptsache ist, es gefällt ihnen. Allerdings will er versuchen ohne Garten und Haus zu leben, denn das ist nur verschwenderisch, zeitraubend und teuer. «Ich bin ein Fan von tiny homes», betont Daniel Burger. Beispielsweise findet es eher heuchlerisch, wenn sich Wohlhabende eine Villa kaufen und sich dann philanthropisch ausgeben, obwohl sie immer noch Milliarden auf dem Konto haben. So will er nicht werden: «Ich habe eine Milliarde? Also gebe ich die Milliarde für etwas Konstruktives aus.»

Text: Alessandro Poletti

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