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Zürich
14 Juli 2020

Kompetente Führung ist keine Geschlechterfrage.

Unternehmen suchen für Kaderpositionen Menschen, die viel Verantwortung übernehmen und daher gewisse Kompetenzen mitbringen müssen. Marion Heiri, Leiterin der Abteilung Ressourcenmanagement und Mitglied der Geschäftsleitung des Bundesamtes für Gesundheit BAG, äussert sich dazu, was zeitgemässe Führung ausmacht und weshalb das Geschlecht dabei keine Rolle spielt.

Marion Heiri
Marion Heiri

Leiterin der Abteilung Ressourcenmanagement und Mitglied der Geschäftsleitung des Bundesamts für Gesundheit BAG
Frau Marion Heiri, welche Herausforderungen kommen auf Frauen in Führungspositionen zu?

Für mich steht immer der Mensch im Zentrum, weshalb ich da keinen grossen Unterschied zwischen den Geschlechtern sehe. Als Führungskraft muss man fachliche Themen meistern, sich um die Organisation kümmern und schauen, dass Projekte laufen. Auch sollen aktuelle Herausforderungen wie die Digitalisierung angegangen werden und bei Unvorhergesehenem, wie beispielsweise der Coronapandemie, soll man fokussiert bleiben. Das sind aber Herausforderungen, die für Frau und Mann die gleichen sind.

Haben Sie aufgrund Ihres Geschlechts negative Erfahrungen in der Arbeitswelt gemacht? Wenn ja, welche?

Nein, zum Glück nicht. Denn ich wurde als Person immer fair behandelt und respektiert. Dabei hat es mir sicherlich geholfen, dass ich von Natur aus positiv eingestellt bin und auf Leute zugehe. Aber man hat natürlich nicht immer für alle die gleichen Sympathien. In diesen Fällen hat das jedoch nichts mit dem Geschlecht zu tun – sondern mit der Person.

Sie blicken auf eine lange erfolgreiche Führungskarriere zurück. Was ist Ihr Verständnis von «zeitgemässer Führung»?

Für mich bedeutet zeitgemässe Führung, dass ich mit meinem Team auf Augenhöhe bin. Ich wünsche mir weniger Mitarbeiter, sondern mehr «Partner». Das bedeutet, dass alle im Team mitgestalten können und ihre Arbeit als wertvoll erachten. Deshalb muss ich als Führungskraft Rahmenbedingungen schaffen sowie Fähigkeiten und Ressourcen jedes Einzelnen so einsetzen, dass beste Leistungen erzielt werden und es allen gut geht.

Zudem müssen Führungspersonen Menschen coachen und aktiv unterstützen. Mitarbeitende sollen ihr Potenzial entfalten können und etwas lernen. Es braucht zudem eine positive Fehlerkultur, um neue Herausforderungen anzugehen und sich persönlich zu entwickeln. Denn so gelangt man zu Engagement und Innovation, was einen zentralen Mehrwert für ein Unternehmen darstellt.

Welche Kriterien soll ein modernen Arbeitgeber erfüllen?

Von meinem Arbeitgeber wünsche ich mir dieselben Eigenschaften wie eines Lebenspartners: Ein Arbeitgeber muss für mich attraktiv sein und ich muss mich auf ihn verlassen können, in guten sowie in schlechten Zeiten. Das gegenseitige Vertrauen ist zudem für mich zentral. Dazu kommen beim Arbeitgeber der Umgang mit der Lohnpolitik, Genderfragen und persönlicher Entwicklung. Er soll Freiraum anbieten und eine persönliche Entwicklung fördern.

Für mich bedeutet zeitgemässe Führung, dass ich mit meinem Team auf Augenhöhe bin.

Auch wenn ich einen Fehler mache oder nicht meine beste Performance abliefere, wünsche ich mir einen Arbeitgeber, der mir trotzdem den Rücken stärkt und hinter mir steht. Letztendlich soll man sich auch schätzen können, wenn man alt und grau ist – wie in einer gesunden Partnerschaft.

Aus welchen Gründen empfehlen Sie die Bundesverwaltung als Arbeitgeberin?

Viele stellen sich immer noch einschlafende Beamte vor, wenn Sie an Behörden denken. Jedoch ist die Arbeit beim Bund attraktiv und es geht spannend zu und her. Beim BAG haben wir Aufgaben in vielen verschiedenen Themenbereichen: Von Gesundheit, Chemie, Strahlenschutz bis hin zur Politik und Digitalisierungsprojekten. Natürlich sind wir auch in ausserordentlichen Zeiten wie der Covid-19-Pandemie immer auf Trab – es wird auf jeden Fall nie langweilig.

Auch ist man in der Personalstrategie am Puls der Zeit. Denn unser Arbeitsplatz ist modern und die Infrastruktur technisch zeitgemäss organisiert. Die Bundesverwaltung ist dementsprechend nicht nur ein stabiler sondern auch moderner Arbeitgeber für viele verschiedene Berufsgruppen und Menschen.

Von der aktuellen Situation einmal abgesehen: Wie schätzen Sie die Vereinbarkeit Ihres Privat- und Berufslebens ein?

Das ist von Zeit zu Zeit unterschiedlich, aber es gelingt mir immer besser. Denn ich bin in den letzten Jahren achtsamer geworden und höre auch mehr auf mich selbst. Auch habe ich vor einem Jahr eine ausserberufliche Weiterbildung begonnen und mir so ein Geschenk gemacht. Alle zwei Monate gehe ich zudem an einem Freitag und Samstag meinem Hobby in einem Kurs nach. Und ehrlich gesagt: So etwas hätte ich schon viel früher starten sollen. Diese Zeit abseits des Alltags ist herrlich und gibt mir sehr viel Energie, sogar wenn ich abends nach dem Kurs erschöpft zu Hause ankomme. Ich bin froh, hatte ich den Mut, dieses neue Projekt anzugehen.

Welche Ratschläge geben Sie engagierten und ambitionierten Frauen für ihre Karriere mit auf den Weg?

Man muss offen und neugierig sein sowie den eigenen Grundsätzen und Überzeugungen treu bleiben. Das bedeutet auch, diese regelmässig zu reflektieren. Es ist zudem zentral, dem nachzugehen, was man gerne macht, und sich nie einschüchtern oder von diesem Weg abbringen zu lassen. Für mich war es zudem immer wichtig, dass ich mich während meines Lebens ständig in einem Lernprozess befinde – und mich auch an neue Herausforderungen heranwage und diese meistere. Das alles gilt meiner Meinung nach für Frauen und für Männer.

Als Frau finde ich, muss man sich heutzutage immer noch mehr Gedanken über die Familienplanung machen. Auch wenn die Betreuung der Kinder und der Haushalt immer mehr aufgeteilt wird, kriegt letztlich immer noch die Frau das Kind und fällt aus. Deswegen soll man sich bewusst für eine Familie entscheiden und dies auch einplanen.

Der Frauenanteil in Top-Gremien ist immer wieder Thema. Fähige Frauen zu finden, scheint eine Herausforderung zu sein. Was empfehlen Sie Organisationen, die Frauen für ihr Kader suchen?

Ich nehme viele Bemühungen von Unternehmen um flexiblere Arbeitsbedingungen wahr. Beim Bund beispielsweise haben wir auch in Topkader-Positionen viele Co-Leitungen, wo Teilzeitarbeit möglich ist. So gibt es für beide Geschlechter die Chance, eine Führungsposition auch mit kleinem Pensum übernehmen zu können – denn es gibt auch immer mehr Männer, welche sich mehr auf die Familienarbeit konzentrieren möchten.

Bei der Suche nach geeigneten Kandidaten finde ich die Quotenfrau den falschen Ansatz. Denn es braucht das fehlende Puzzleteil: Was für ein Team haben wir? Welche Qualitäten muss eine Person mitbringen und welche Eigenschaften und Skills fehlen uns noch? Wenn eine Frau diesen Kriterien entspricht ist das toll. Jedoch darf es nicht das einzige Kriterium sein.

Text: Dominic Meier

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