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Zürich
14 Juli 2020

Vernetzt und luxuriös die Welt entdecken.

Die Welt erkunden, ohne das grosse Geld auszugeben – das macht Backpacking aus. Doch wie kann man sich trotzdem ein wenig Luxus gönnen und digital vernetzt sein? Der neuste Tourismustrend, welcher beide Aspekte beinhaltet macht es möglich: Flashpacking.

Die Faszination des Reisens zieht seit jeher Menschen aus den unterschiedlichsten Lebenslagen an. Die Ziele sind unerforschte Orte in fernen Ländern. Wer das Abenteuer und die Nähe zu den Einheimischen sucht, sammelt einige wenige Kleider und Schuhe zusammen und begibt sich danach mit einem Rucksack auf Entdeckungsreise. Denn das Backpacken verbindet das kleine Geld mit dem grossen Erlebnis.

Der lange Weg der Reise

Von einem Ort zu einem anderen zu reisen, hatte in der Vergangenheit einen schlechten Ruf, denn oftmals bedeutete der Weggang von einem Ort, eine unfreiwillige Flucht oder die Suche nach besseren Lebensbedingungen. Mit der Erfindung der unterschiedlichsten Transportmöglichkeiten sahen jedoch immer mehr Menschen aus allen Bevölkerungsschichten die Möglichkeit, neue Länder zu entdecken und mit ihnen Handel zu betreiben.

Doch der Tourismus, wie man ihn heute kennt, und somit das freiwillige Reisen, entwickelte sich erst viele Jahre später. Zuerst als absoluter Luxus, den sich nur die oberste Einkommensschicht leisten konnte. Man sprach dann von der «Grand Tour», die sich im 17. Jahrhundert unter jungen reichen Männern etablierte. Durch die aufkommende Industrialisierung und somit neue Fortbewegungsmittel wie der Eisenbahn, dem Dampfschiff und den ersten Flugzeugen wurde die Freizeitreise auch für Menschen mit tieferen Einkommen möglich.

Revolution mit Rucksack

Zu Beginn der Siebzigerjahre begann dann der Backpacking-Trend. Junge Leute und Studenten wollten mit begrenzten finanziellen Mitteln möglichst weit und lange reisen. Mit dem Fernweh und ferner dem Wunsch nach Freiheit im Rucksack machten sie sich auf durch die Seidenstrasse von Europa nach Indien. Wer eine Zeit lang aus dem genormten Alltag aussteigen wollte, ging auf dem sogenannten «Hippie-Trail» backpacken.

Die Transportmöglichkeiten der Reisenden waren begrenzt, denn ein Flug war teuer und passte auch nicht zum bevorzugten Lebensstil dieser Weltenbummler. Es gab aber andere Möglichkeiten: Entweder legte man längere Strecken zu Fuss zurück, wurde per Anhalter mit dem Auto mitgenommen oder absolvierte die Reise mit mehreren Freunden in einem beinahe ausrangierten Bus. Auf dem Plan standen ausserdem das Essen bei Einheimischen, das Schlafen in der freien Natur oder zu zehnt in einem Hostel. Das Erforschen von durch den Tourismus noch unberührtem Land stand bei den Backpackern ganz zuoberst auf der Agenda.

A good traveler has no fixed plans and is not intent on arriving.

Lao Tzu
Sich den kleinen Luxus gönnen

Auch heutzutage begeben sich immer noch viele Menschen mit dem Rucksack auf Reisen. Ein Begriff, der sich dabei etabliert hat, ist der des Flashpackings. So werden Reisende genannt, die die Erfahrungen vom Backpacken mit Besuchen in schönen Restaurants oder teureren Hotelbesuchen hie und da verbinden. Das Budget spielt somit bei ihnen eine untergeordnete bis keine Rolle mehr. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Digitalisierung. Denn beim Dasein als Flashpacker darf auch die Vernetzung in den sozialen Medien mit digitalen Geräten wie dem Smartphone oder dem Laptop nicht fehlen.

Der Reiseblogger und Autor Sebastian Canaves erklärt, wieso sich das Flashpacking so etabliert hat: «Das Reisen hat sich insbesondere in den letzten zehn Jahren enorm verändert: Dank Internet und moderner Technik ist man heutzutage bestens vernetzt und informiert – auch an den Backpackern ist dieser Wandel nicht vorbeigegangen. Einem Backpacker wie aus den Siebzigern wird man heute wohl kaum noch begegnen.» Dennoch sei dies keine schlechte Sache, denn gerade eben durch diese Vernetzung könne man es umso mehr geniessen. Er meint, dass sich die Kontaktaufnahme mit Gleichgesinnten und die Suche nach tollen und einmaligen Orten noch nie so leicht gestalten lassen habe wie in der heutigen Zeit.

Unberührte Orte trotz Internet?

Heutzutage ist jedoch auch immer wieder von Übertourismus die Rede. Da das Reisen im Vergleich zu früher günstiger denn je ist, können es sich immer mehr Menschen leisten, ferne Länder zu entdecken. Günstige Flugreisen in weit entfernte Länder und vollgepackte Touristenattraktionen lassen Abenteurer, Back– aber auch Flashpacker erschaudern. Denn obwohl die Letzteren beim Reisen nicht mehr primär auf das Geld achten müssen und sich von Zeit zu Zeit etwas Schönes leisten können, liegt auch bei ihnen der Wunsch nach Freiheit, Flexibilität und einzigartigen Erfahrungen noch tief im Herzen.

Laut Sebastian Canaves müssen sich solche Weltenbummler und Entdecker jedoch so schnell noch keine Sorgen machen, dass es bald keine abgelegenen und unentdeckten Orte mehr gibt: «Die Welt ist riesig und zum Glück wird es diese unberührten Orte auch weiterhin geben! Denn selbst in beliebten Ländern wie Kanada, Australien und Neuseeland stösst man immer wieder auf wunderschöne Orte, die man ganz allein für sich hat. Länder wie Costa Rica, Chile oder Namibia bieten ebenfalls einzigartige Erlebnisse fern von Übertourismus – man muss nur Augen und Ohren offen halten und fern der bekannten Wege umherziehen!»

Text: Flavia Ulrich

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