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28 September 2020

«Eine Vollversicherung hat viele entscheidende Vorteile, insbesondere für KMU».

Die Allianz Suisse hält in der beruflichen Vorsorge am Vollversicherungsmodell fest, aber aus welchen Gründen? Monika Behr, Leiterin Ressort Leben und Mitglied der Geschäftsleitung, im Interview.

 Monika Behr
Monika Behr
Leiterin Ressort Leben und Mitglied der Geschäftsleitung
Monika Behr, die Allianz ist Verfechterin der Vollversicherung in der beruflichen Vorsorge. Welche Vorsorgemodelle gibt es sonst noch und welches sind die wichtigsten Unterschiede?

Nebst der Vollversicherung gibt es die (teil-)autonome Lösung. Während bei einer Vollversicherung sämtliche Risiken «Tod», «Invalidität» und «Alter» an eine Versicherungsgesellschaft übertragen werden, tragen teilautonome Stiftungen das Risiko «Alter» und autonome Pensionskassen zudem die Risiken «Tod» und «Invalidität» selbst. Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal ist, dass die Vollversicherung einen garantierten Zins gewährt, während bei den anderen Modellen die Verzinsung des Altersguthabens stärker schwankt.

Sie sprechen die Zinsgarantie an. Warum sind Sie so überzeugt, dass die Vollversicherung auch zukünftig eine gute Lösung ist?

Jedes der drei Modelle hat Vor- und Nachteile. Für die Wahl des richtigen Modells sind die Bedürfnisse, Erwartungen und der Risikoappetit der Kunden massgebend. Bei einer Vollversicherung stehen Garantien im Vordergrund. Die Kunden übergeben alle Risiken der Versicherungsgesellschaft und müssen sich keine Gedanken über Anlagerisiken, Wertschwankungsreserven und Rückstellungen machen. Bei (teil-)autonomen Pensionskassen werden die Altersguthaben der Versicherten von der Stiftung angelegt. Steigen die Kurse an der Börse, profitieren die Versicherten von hohen Renditen auf den Anlagen. Sie können aber auch in eine Unterdeckung fallen, wenn es mal nicht so gut läuft. In diesem Fall tragen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam den Verlust und das Risiko, bei einer Unterdeckung Sanierungsbeiträge leisten zu müssen. Viele Unternehmen möchten sich und die Vorsorgegelder ihrer Mitarbeitenden diesem Risiko nicht aussetzen. Daher bin ich überzeugt, dass die Vollversicherung insbesondere für KMU viele entscheidende Vorteile hat.

Männer unterhalten sich
Ja, aber auch die Vollversicherung ist den Börsenturbulenzen ausgesetzt. Die Gefahr einer «Unterdeckung» besteht doch somit auch, oder?

Eine Unterdeckung ist bei einer Vollversicherung grundsätzlich nicht möglich. Versicherungen müssen – anders als (teil-)autonome Pensionskassen – die Auflagen der Finanzmarktaufsicht (FINMA) einhalten und viel mehr Sicherheiten bieten. Deshalb legt man die Altersguthaben der Versicherten mit einem sehr geringen Aktienanteil an und man investiert in Anlagelösungen, welche weniger volatil sind. Die FINMA prüft regelmässig die Einhaltung der Auflagen und stellt sicher, dass ausreichend Kapital vorhanden ist, um die Forderungen zu erfüllen. Dass wir als Allianz sehr solide aufgestellt sind, zeigt unsere hervorragende Solvabilität und das sehr gute Rating (AA).

In diesem Fall kann man sagen, dass sich die Vollversicherung insbesondere für Kunden mit hohem Sicherheitsbedürfnis eignet?

Ja, das ist korrekt. Die Vollversicherung wird insbesondere von den KMU, dem Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft, sehr geschätzt. Diese Unternehmen legen nicht nur Wert auf Sicherheit, sondern auch auf Stabilität und Vertrauen und möchten mit den Altersguthaben ihrer Mitarbeitenden keine unnötigen Risiken eingehen. 

Eine Unterdeckung ist bei einer Vollversicherung grundsätzlich nicht möglich.

Monika Behr
Die Coronakrise hat die Schweizer Pensionskassen stark getroffen. Die Deckungsgrade sind insgesamt stark gesunken und erholen sich nur zögerlich. Welche Auswirkungen haben Sie in der Vollversicherung gespürt?

In der Not schätzen die Kunden den Wert eines sicheren Hafens stärker. Es hat sich wieder einmal gezeigt, dass die Vollversicherung für sehr viele Kunden die richtige Wahl ist. Die Nachfrage nach Vollversicherungslösungen hat aufgrund der Coronakrise zugenommen. Und zurecht: Unsere Kapitalsituation hat sich auch in der Krise nicht spürbar verschlechtert.

Welches sind aus Ihrer Sicht die grössten Herausforderungen in der beruflichen Vorsorge? 

Der gesetzlich festgelegte Umwandlungssatz von 6.8 Prozent ist viel zu hoch: Dieser Umwandlungssatz berücksichtigt weder die negativen Zinsen noch die gestiegene Lebenserwartung. Das im Pensionierungszeitpunkt vorhandene Altersguthaben reicht daher nicht mehr aus, um die durch das BVG vorgegebene Altersrente zu finanzieren. Für jeden Franken, der verrentet wird, müssen 30 Rappen zugeschossen werden. Eine riesige Lücke, die von den aktiv Versicherten geschlossen wird, die weniger Zins auf ihrem angesparten Kapital erhalten. Eine Umverteilung, die der Idee des Kapitaldeckungsverfahrens widerspricht und unser 1985 konzipiertes BVG, das international viel Anerkennung verdient, untergräbt. Eine Senkung des obligatorischen Umwandlungssatzes ist zwingend nötig. Natürlich würde auch die Erhöhung des Rentenalters Erleichterung bringen. 

Sie sagen, die Umwandlungssätze müssen gesenkt werden. Das hat bedeutende  Konsequenzen auf die Höhe der Altersrenten. Wie können die Rentner in Zukunft noch ihren Lebensstandard finanzieren? 

Wir empfehlen unseren Kunden, ihren Mitarbeitenden mit entsprechenden Anpassungen der Vorsorgepläne mehr Spar- und Einkaufsmöglichkeiten zu ermöglichen, damit bei der Pensionierung ein höheres Alterskapital vorhanden ist und man den bisherigen Lebensstandard halten kann. Zudem wird es immer wichtiger für die Versicherten, in der 3. Säule privat vorzusorgen und damit allfällig entstehende Lücken zu schliessen. Wir kommen alle nicht darum herum, Eigenverantwortung für unsere Vorsorge zu übernehmen, damit wir den wohlverdienten Ruhestand auch sorglos geniessen können. 

Die private Vorsorge wird also immer wichtiger. Wie findet man aber bei der Vielzahl von Angeboten im Markt die passende Lösung?

Um die Zeit nach der Pensionierung finanziell sorgenfrei geniessen zu können, ist eine private Vorsorge unerlässlich. Wichtig ist, dass man diejenige Vorsorge wählt, die zum eigenen Anlegerprofil passt und die spezifische Vorsorgesituation des Kunden berücksichtigt. Für den einen Kunden ist das ein sehr sicherheitsorientiertes Produkt mit begrenzten Renditechancen. Für die andere Kundin ist es eine Vorsorgelösung mit höheren Renditechancen durch Fondsanlagen, die aber auch grössere Risiken aufweist. Was für alle Kunden gilt: Altersvorsorge ist ein langfristiges Thema – deshalb sollte man die Vorsorgelösung flexibel an geänderte Lebensumstände anpassen können. Auch wenn sich vor allem jüngere Menschen ungern mit dem Thema auseinandersetzen, bin ich überzeugt: Für die private Vorsorge ist es nie zu früh.

Zu guter Letzt: Worauf sind Sie bei der Allianz ganz besonders stolz?

Besonders stolz bin ich auf die grosse Kundenorientierung des ganzen Unternehmens und auf den unermüdlichen Einsatz der Mitarbeitenden, stets das Beste für die Kunden zu geben. Zudem freut es mich sehr, dass wir seit Jahren im Pensionskassenvergleich unter den Vollversicherungen bei der Verzinsung der Altersguthaben an erster Stelle stehen und im Dow Jones Sustainability Index (DJSI) seit drei Jahren mit dem 1. Platz als nachhaltigster Versicherer ausgezeichneten werden. Wir sind eine sehr kapitalstarke und nachhaltig orientierte Versicherung, und genau das schätzen unsere Kunden in allen Versicherungssparten sehr.

Weitere Informationen: www.allianz.ch

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