Mehrfamilienhäuser sind als Eigenverbrauchsgemeinschaften, die ihren Strom aus Solaranlagen beziehen, prädestiniert. Die Enpuls AG teilt den Aufbau einer ZEV in acht Schritte auf, von der Beratung und Wirtschaftlichkeitsberechnung über den Einsatz eines Batteriespeichers bis zur jährlichen Energieoptimierung und Abrechnung. Geschäftsführer Michael Jastrob gewährt einen Blick auf die Arbeit des Dienstleisters für Energieabrechnung und -optimierung sowie die Hintergründe.

Michael Jastrob
Geschäftsführer
Herr Jastrob, was ist das Konzept hinter einer ZEV?
Die Abkürzung ZEV steht für «Zusammenschluss zum Eigenverbrauch». Das bedeutet, dass sich hinter einem Netzanschluss zum Gebäude alle Verbraucher zusammenschliessen. Nehmen wir zum Beispiel ein Mehrfamilienhaus mit 20 Parteien, die eine Eigenverbrauchsgemeinschaft bilden. Gemeinsam verbrauchen sie PV-Strom aus der PV-Anlage, die auf dem Dach installiert ist. Das heisst, dieser Solarstrom geht nicht mehr ins Netz, sondern wird vor Ort verbraucht. Das ist ein Win-win-Geschäft: Der Eigentümer hat eine bessere Rendite, weil er den PV-Strom zu einem höheren Preis an die Bewohnenden verkaufen kann, als er mittels Einspeisung erzielen würde, und die Nutzenden bekommen den Strom günstiger als vom jeweiligen Energieversorger. Neu gibt es auch vZEVs. Sie ermöglichen unter anderem unter bestimmten Bedingungen die ZEV zu erweitern.
Wie verhalten sich ZEVs und LEGs zueinander?
Man muss sich vorstellen, dass die Produktion von PV-Strom und der Verbrauch nicht synchron sind. Gerade zur Mittagszeit, wenn die Sonne scheint, wird mehr produziert als verbraucht. Das heisst, dass je nach Grösse der PV-Anlage und dem Verbrauchsverhalten ein gewisser Teil des Stroms ins Netz einfliesst. Entweder kann man den überschüssigen Strom dann dem Energieversorger verkaufen oder auch Dritten innerhalb der Gemeinde.
Beide Modelle haben zum Ziel, den Eigenverbrauch aus der PV-Produktion zu erhöhen. Bei der ZEV ist es so, dass ich keine Netzentgelte zahle, weil sich alles in meinem Gebäude abspielt. Das ist lukrativer als in der LEG, für die ich auch das öffentliche Netz nutze und gewisse Netzentgelte bezahlen muss, was bei einer ZEV nicht der Fall ist. Für den Investor ist es darum weniger lukrativ, den Strom innerhalb einer LEG zu verkaufen als in einer ZEV.
Welche Rolle spielen in ZEVs und LEGs Energiemanagementsysteme?
Stromproduktion, Einspeisungen ins Netz und Energieverbräuche müssen kontrolliert werden, um sie intelligent zu steuern. Grundsätzlich sollte man keine PV-Anlage mehr ohne Energiemanagement installieren. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, weil sich die Speicherpreise im letzten Dreivierteljahr massiv reduziert haben: Wer heute auf einem Mehrfamilienhaus eine PV-Anlage baut, sollte Speicher ins Kalkül ziehen. Das heisst, berechnen zu lassen, wie der Eigenverbrauch und die Amortisation von Speichern ausfallen.
Es wird sich mehr und mehr lohnen, zumindest den Platz für spätere Installationen bereitzustellen, und wenn es sich jetzt schon rechnet, die Batterie gleich zu installieren. Selbst wenn es gewisse Restzweifel an der Rentabilität gibt, in Zukunft, das heisst in den nächsten fünf Jahren, werden noch mehr Speicheranwendungen möglich sein, wie das Nutzen von flexiblen Bezugstarifen.
Welche Rolle nehmen Sie als Enpuls AG ein, wenn Ihre Kundschaft die Installation einer Solaranlage plant?
Wir sind Energieabrechner und Energiemanager und beraten im Vorfeld. Jedes Objekt ist ein wenig anders. Indem wir den Eigenverbrauchsgrad simulieren, können wir den Überschuss ermitteln und herausfinden, wie wir ihn möglichst klein halten. Gerade bei Neubauten ist es wichtig, auch Überlegungen zu Speichermöglichkeiten anzustellen und dafür einen kompetenten Partner wie Enpuls zu haben.
Wir beraten von Projektbeginn an und befassen uns mit den Fragen nach zu messenden Daten und zu steuernden Prozessen und ob es sich lohnt, Speicher zu installieren. In einem nächsten Schritt unterstützen wir beim Aufbau der Messinfrastruktur und gegebenenfalls von Ladestationen. Alles muss kompatibel sein. Nichts ist schlimmer, als wenn man hinterher feststellt, dass sich nichts optimieren lässt und redundante Systeme oder Systeme, die nicht zueinander passen, vorliegen. Diese Beratungsleistungen bringen wir ein, um am Ende ein optimales Ergebnis in der Bewirtschaftung erzielen zu können.
Wie geht Enpuls konkret vor, um ein wirtschaftlich funktionierendes Energiesystem aufzubauen?
Wir teilen Projekte bewusst in klar definierte Schritte auf. Am Anfang stehen Verbrauchs- und Produktionsanalysen, damit wir verstehen, wie ein Objekt energetisch funktionieren wird. Danach prüfen wir, wie stark der Eigenverbrauch realistisch gesteigert werden kann und welche Rolle Energiemanagement, Speicher oder Ladeinfrastruktur dabei spielen.
Entscheidend ist, dass alle Systeme zusammenspielen. Unser Ziel ist immer ein wirtschaftlich und technisch durchgängiges Gesamtsystem. Mit einem Energiemanagementsystem schaffen wir die Grundlage, um Produktion, Verbrauch und Speicher intelligent aufeinander abzustimmen und gleichzeitig die Anlage für künftige Anpassungen vorzubereiten.
Wo liegen dabei die Unterschiede zwischen Neubauprojekten und Projekten im Bestand?
Im Neubau geht es darum, bereits im Vorprojekt mithilfe der Beratung die Grundlagen zu schaffen. So stellen wir sicher, dass ein geschlossenes und funktionales System entsteht.
Auch im Bestandsbau erstellen wir Wirtschaftlichkeitsberechnungen für PV-Anlagen und Speicher und beraten den Kunden in Richtung Eigenverbrauchsoptimierung. Dabei prüfen wir beispielsweise, ob sich mehrere Objekte zu einer Gemeinschaft zusammenführen lassen.
Sowohl im Neubau als auch im Bestand begleiten wir Projekte von Anfang an. Anschliessend messen wir Verbräuche, rechnen Produktion und Verbrauch ab und sorgen für eine intelligente Steuerung. Entscheidend ist für uns die Durchgängigkeit der gesamten Kette. Nur wenn Planung, Umsetzung und Betrieb zusammenspielen, entsteht ein wirtschaftlich optimiertes Energiesystem.

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