-0.6 C
Zürich
30 März 2020

Mensch und Maschine, Hand in Hand.

Es sind längst nicht mehr Flüchtlinge, in denen Viele einen drohenden Arbeitsplatzverlust sehen: Roboter werden je länger je mehr zur einer Quelle von Existenzängsten. Und dies völlig zu Unrecht.

Besinnen wir uns zuallererst auf eine Tatsache: Die Automatisierung hat bereits in den meisten Bereichen unseres Lebens Einzug gehalten. Jeden Tag profitieren wir somit auch vom Komfort, den sie mit sich bringt – und dies oft, ohne ihren Einfluss gross zu registrieren oder gar zu schätzen. Hüpfen Sie morgens bei Ankunft im Hauptbahnhof noch kurz in die Migros, um sich ein allmorgendliches Gipfeli auf dem Weg ins Büro zu gönnen, würden Sie sehr wahrscheinlich kaum hinter einem Familienvater anstehen wollen, der einen Grosseinkauf im Schlepptau hat. Zweifellos würden Sie einen der zahlreichen effizienten Automaten, die die Migros ihren Kunden zur Verfügung stellt, einer zehnminütigen Wartezeit vorziehen.

Nun gut: Um sieben in der Früh erledigt wohl kaum jemand seinen Grosseinkauf, und wenn, dann höchstwahrscheinlich nicht am Hauptbahnhof. Das Prinzip sollte trotzdem einleuchten. Ähnlich verhält sich die Sachlage mit Robotern, die mit dem Migros Self-Checkout, Billetautomaten und Laufbändern im Fitnesscenter so ziemlich alles gemein haben – bis auf ihre Intelligenz. Trotz den immensen Vorteilen, die ihre Existenz mit sich bringt, ist die Integration von Maschinen mit Köpfchen in der Schweizer Arbeitswelt noch immer verpönt.

Miteinander statt gegeneinander

In Wirklichkeit könnten Roboter uns dank ihres aussergewöhnlichen Könnens tatkräftig unter die Arme greifen. Eigentlich ein wahrer Segen, wenn man ans Hieven gewichtiger Lasten denkt, das beim Menschen Bandscheibenvorfälle auslösen kann. Oder aber an unendlich scheinende, langweilige Fliessbandarbeit, die das menschlichen Hirn beinahe als Beleidigung auffasst. Roboter werden somit seit den 70er Jahren erfolgreich in den verschiedensten Bereichen der Schwerindustrie eingesetzt.

Das Konzept, das somit immer mehr Firmen umsetzen wollen, ist das Zusammenführen der Fähigkeiten von Mensch und Roboter.

Wäre da nur nicht die Angst, dass uns Maschinen vollständig ersetzen. Diese dystopische Vision verfolgt nicht nur Büro- und Sekretariatskräfte, Angestellte im Gastronomieservice und Verkehr, sondern auch Übersetzer, Bankkaufleute und im Zustelldienst Tätige. Ganz vergessen geht dabei die Option der Zusammenarbeit, die sehr wohl auch zwischen Mensch und Maschine besteht. In den allermeisten Fällen könnten Roboter Personal nicht ersetzen; es ist lediglich möglich, ihm einen Teil der Arbeit abzunehmen. Zurzeit sind sie insbesondere in Montagearbeiten tätig sowie in der Möbelindustrie, Landwirtschaft, Autoindustrie und Elektronikbranche.

Das Konzept, das somit immer mehr Firmen umsetzen wollen, ist das Zusammenführen der Fähigkeiten von Mensch und Roboter. Eine Maschine mag in vielem präziser sein und auf mehr Ausdauer zurückgreifen können als der Mensch; Letzterer bleibt schlussendlich aber unersetzlich, da er als Einziger über die nötigen Problemlösungskompetenzen verfügt. Somit sollten Maschinen mehr als allzeit verfügbare, verlässliche Assistenten, als als Anwärter auf den eigenen Posten gesehen werden.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

So weit, so gut, sagen Sie sich vielleicht an dieser Stelle – wäre da nicht die Sicherheitsfrage, die bei der Hypothese Zusammenarbeit Mensch-Roboter unweigerlich gestellt werden muss. Firmen, die sich für dieses Zusammenspiel interessieren, studieren auch diesen Aspekt sorgfältig. An allererster Stelle steht dabei die Fähigkeit der Maschinen, menschliche Kollegen wahrzunehmen und somit Kollisionen zu vermeiden. Technisch möglich wird dies bei qualitativ hochstehenden Robotern durch eine Sensorhaut, die die Maschine in sicherem Abstand zum Stopp bringt. Die Bewegung wird fliessend fortgesetzt, sobald der Mitarbeiter sich nicht mehr in unmittelbarer Nähe des Roboters befindet.

Bleibt die Frage des Tempos: Entwickler qualitativer Roboter haben auch diese Perspektive  im Detail geprüft. So sind die klugen Maschinen dank dem sofortigen Erkennen menschlicher Präsenz fähig, ihre Geschwindigkeit alsbald anzupassen. Befinden sich keine Personen im Umfeld, kann ein solcher Roboter sein Tempo beinahe verfünffachen.

Fazit win-win

Durch die auf diese Weise abgesicherte Zusammenarbeit wird nicht nur die wirtschaftliche Effizienz einer Produktion gesteigert, sondern auch eine höhere Flexibilität und bessere Entlastung der Mitarbeiter erreicht. Arbeitsplätze werden dadurch keine gefährdet, im Gegenteil: Roboter werden zunehmend für Menschen gesundheitlich belastende oder uninteressante Aktivitäten übernehmen können. Auch arbeitet man an Projekten, die Behinderten ein erfülltes Erwerbsleben ermöglichen sollen. Die intelligenten Maschinen bezichtigen wir somit gänzlich zu Unrecht der Jobvernichtung.

Schlussendlich kann von einer Science-Fiction-ähnlichen Revolution nicht die Rede sein – viel eher von Evolution, denn die durch Roboter gesteigerte Produktivität macht es möglich, durch ausländische Konkurrenz gefährdete Arbeitsplätze zu erhalten. Die Kategorie von kollaborierenden Robotern ist jedoch nicht mit herkömmlichen Geräten zu verwechseln, denn noch lange nicht jeder Roboter ist teamfähig. Das Genre unterscheidet sich insbesondere durch eine eigene Bezeichnung, ein Begriff der die schlauen Geräte von einer etwas menschlicheren Seite zeigt. Man spricht von «Cobots» und Mensch-Roboter-Kollaboration, kurz «MRK».

Text: Selin Olivia Turhangil

Lesen Sie mehr.

Die Schweiz ist Weltmeisterin

Um es gleich vorweg...

Mensch und Maschine, Hand in Hand

Es sind längst nicht mehr Flüchtlinge, in denen Viele einen drohenden Arbeitsplatzverlust sehen: Roboter werden je länger je mehr zur einer Quelle von Existenzängsten. Und dies völlig zu Unrecht.

Alkohol ist tabu, Sport ein «Must-Do»

Anfang Jahr sorgte eine Studie der Universität Zürich für Aufsehen: Zwei von fünf Frauen trinken während der Schwangerschaft Alkohol. Das schadet dem Kind und sollte unbedingt vermieden werden. Es gibt aber auch viele Aspekte, die eine gesunde Schwangerschaft fördern.

Schockdiagnose Krebs – mit statt gegen ihn

Die Diagnose Krebs kommt oft unerwartet. Eine seltene Krebsart ist der Morbus Hodgkin (Lymphdrüsenkrebs). Weniger als ein Prozent der Schweizer Bevölkerung erkrankt an dieser Krebsart. Die heute 26-jährige Christine ist eine davon.

Archiv.

Hochzeiten gewinnen an Individualität

Die heutige Zeit wird immer schneller und digitaler. Gerade deswegen vertrauen wir stärker als je zuvor in die Gemeinsamkeit und in die Ehe.