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Zürich
30 März 2020

Moderne Logistik als Voraussetzung für die Industrie 4.0.

Die Digitalisierung beeinflusst alle Wirtschaftszweige – bei der Logistik ist das nicht anders. Das Automatisierungspotenzial ist gross, bringt allerdings für die Unternehmen in dieser Branche sowohl Chancen wie auch Herausforderungen mit sich.

Die Bestellung wird im Büro ausgedruckt. Anschliessend sucht ein Mitarbeiter im Lager nach dem gewünschten Produkt. Später wird es verladen und bei nächster Gelegenheit ausgeliefert. Der Kunde bestätigt den Erhalt per Unterschrift auf dem Lieferschein. Nach diesem traditionellen Schema wird Logistik künftig nicht mehr ablaufen. Die digitale Zukunft sieht anders aus. Die gesuchte Ware wird nach der Online-Bestellung automatisch vom smarten Lagersystem an den Umschlagplatz transportiert, wo sie dem Fahrer des Lieferwagens übergeben wird. Dessen Position ist über den GPS-Sender des Tablets, welches dem Chauffeur auch die Route anzeigt, für alle Beteiligten jederzeit einsehbar. Am Zielort angekommen, bestätigt man den Empfang der Sendung mit einer Unterschrift auf dem Tablet. Damit ist die Lieferung abgeschlossen. Gewiss, ein sehr prototypisches Beispiel – doch es zeigt die relevanten Faktoren auf, die den gesamten Prozess beschleunigen sowie günstiger und effizienter machen sollen.

Passende Software als Grundbedingung

Das sind die Anforderungen an die moderne Logistik: Schnelligkeit, Präzision und Transparenz sowie Flexibilität bei der Lieferung an die unterschiedlichsten Zielorte. Eine Herausforderung nicht nur für die Fahrer und Disponenten, sondern für alle beteiligten Menschen und Maschinen. Damit das alles funktionieren kann, müssen Logistikunternehmen alle Prozesse koordinieren und aufeinander abstimmen können, auch die der Kunden und der Partner. Grundvoraussetzung dafür sind moderne, individuell auf die Bedürfnisse der Unternehmen zugeschnittene Software-Lösungen. Bei der Auswahl der geeigneten Software zählt nicht nur die Benutzerfreundlichkeit  der Oberfläche – auch die «inneren Werte» wollen beachtet sein. Datenbanken etwa sollten anschlussfähig sein und zusätzliche Systeme integrierbar, ohne dass dafür eine neue Programmierung durch den Hersteller notwendig wird. Optimalerweise lassen sich Änderungen vom Anwender selber ausführen, indem man ihm ein Konfigurations-Tool zur Verfügung stellt. Ebenso wichtig sind auch Tools für die Datenanalyse, welche als Grundlage für Entscheidungen und Evaluationen in allen Branchen zunehmend unverzichtbar wird.

Damit das alles funktionieren kann, müssen Logistikunternehmen alle Prozesse koordinieren und aufeinander abstimmen können, auch die der Kunden und der Partner.

Integration als Ideallösung

Für Logistikfirmen lohnt es sich zudem, ein Auge auf die Wartungsverträge mit den Software-Herstellern zu haben – insbesondere darauf, ob Updates und Upgrades in regelmässigen Abständen dazugehören oder ob sie kostenpflichtig sind. Weil sich die Technologie rasch ändert, ist die regelmässige Installation von Aktualisierungen und Weiterentwicklungen alternativlos. Wenn ein Unternehmen für seine verschiedenen Prozesse unterschiedliche Software verwendet, müssen die einzelnen Systeme zumindest über Schnittstellen kompatibel sein. Eine Software-Lösung, welche alle Prozesse integriert, bringt aber wesentliche Wettbewerbsvorteile mit sich. Es ist keine Synchronisierung mehr nötig, weil beispielsweise alle relevanten Daten in der gleichen Datenbank gespeichert sind.

Intelligente und flexible Lager

In Bezug auf die Lagerlogistik stellt sich den Unternehmen die Herausforderung, die Waren einerseits möglichst platzsparend unterzubringen und andererseits möglichst rasch verfügbar zu machen. Auch kleine Bestellmengen müssen – bei gleichzeitig grosser Produktepalette – zeitnah ausgeliefert werden können. Die dafür nötige Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit soll durch die Installation «intelligenter» Lagersysteme ermöglicht werden. Weil sich die Anforderungen an die Logistik immer wieder ändern, sind flexible, modulartig aufgebaute Regalsysteme ideal. Unteranderem, da sie jederzeit anpass- und erweiterbar sind. Die stetige Weiterentwicklung der Lagersysteme wiederum stellt hohe Anforderungen an die Planung und Gestaltung der Logistikgebäude. Diese sind so zu konzipieren, dass ihr «Innenleben» auf die sich ändernden Bedürfnisse der Logistik reagieren kann.

Abstimmung von Lieferung und Produktion

Auch bei der Produktionslogistik hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Der Trend geht eindeutig weg von grossen Lagerbeständen hin zu passend gelieferten Materialien. Dieses Modell heisst «Just-in-time» (JIT). Es erlaubt ein nachfrageorientiertes Produzieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Durchlaufzeiten sind höher, das Lagerrisiko ist ausgeschaltet und damit ist auch die Kapitalbindung geringer. JIT-Produktion ist dadurch allerdings sehr anfällig auf Störungen und Fehler bei der Anlieferung: Wird ein Teilprodukt zu spät, an den falschen Ort oder mit Qualitätsmängeln geliefert, dann steht unweigerlich die gesamte Produktion still. Damit das nicht passiert, ist eine exakte Planung ebenso nötig wie eine effiziente Kommunikation und Abstimmung. Just-in-time ist also auch in hohem Masse technikabhängig.

Bei der Weiterentwicklung dieses Produktionskonzepts, dem sogenannten «Just-in-sequence»-Modell, wird die Ware nicht nur zeitlich passend, sondern auch in der richtigen Reihenfolge geliefert. In der Automobilindustrie beispielsweise wird so eine hohe Modularität und Individualität möglich. Die Produktion kann man «bedarfssynchron» an die Nachfrage anpassen.

Text: Remo Bürgi

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