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Zürich
24 November 2020

Ivica Petrušić – der Meister der Integration.

Vielen Menschen fällt die Integration in die Schweiz nicht leicht. Es gibt sprachliche und kulturelle Hürden, welche für die Betroffenen sehr hoch sein können. «Fokus» stellt die Person Ivica Petrušić vor und zeigt auf, warum die Schweiz ein buntes Land ist.

Mit 14 Jahren ist er in die Schweiz gekommen, geflüchtet vor Armut und dem Krieg im ehemaligen Jugoslawien. Ivica Petrušić verliess Heimatland und Freunde, in einem Alter, in dem einem die Integration nicht gerade leichtfällt. Dennoch spricht er heute akzentfrei Schweizerdeutsch und hat eine beeindruckende Karriere in Beruf und Politik eingeschlagen. Aktuell ist Ivica Petrušić Geschäftsführer bei okaj Zürich und somit Jugendbeauftragter des Kanton Zürichs und Hobby-Musiker bei «Šuma Čovjek» (zu Deutsch: Waldmensch). 1991 war es soweit. Ivica Petrušić verlässt samt Familie Bosnien in Richtung Schweiz. Notabene war niemand aus der Familie der deutschen Sprache mächtig. Keine einfache Voraussetzung. In Bosnien war er ein überdurchschnittlicher Schüler, doch in der Schweiz wurde er aufgrund der sprachlichen Defizite erst einmal in die Realschule zurückgestuft. Kein vielversprechender Start in der neuen Heimat.

Zwei Lehrer, zwei Förderer

Die Rückstufung – obwohl nicht zum Nachahmen gedacht, wie er sagt – war im Nachhinein das Beste, was Ivica Petrušić passieren konnte. Denn sein Lehrer in der Realschule merkte schnell, dass er total unterfordert war und förderte ihn dementsprechend. Auch in der Sekundarschule profitierte er davon, dass der Lehrer das Potential in ihm erkannte und die musikalischen und sportlichen Talente förderte. Im Basketball schafft es Petrušić in jungen Jahren auch ohne Schweizer Pass für die Schweizer-Nationalmannschaft zu spielen. Das nötige Glück war und ist ein stetiger Begleiter in Petrušićs Leben. Dass zwei Lehrer des Schweizer Schulsystems den bosnischen Flüchtling förderten und unterstützten war wohl das richtungsweisende Ereignis im Leben des Ivica Petrušić.

In Bosnien war er ein überdurchschnittlicher Schüler, doch in der Schweiz wurde er aufgrund der sprachlichen Defizite erst einmal in die Realschule zurückgestuft.

Der Einfluss des Hip-Hops

Aufgewachsen in einem bosnischen Dorf, spielte die Musik immer eine grosse Rolle in seinem Leben. Dies ist für ihn auch die schönste Erinnerung an seine alte Heimat: die Gemeinschaft mit Musik zu verbinden und zusammen Zeit zu verbringen. Aber nicht nur das Glück prägte Ivica Petrušićs Leben. Er war auch enorm ehrgeizig und wollte die (Schweizer-) Deutsche Sprache so schnell wie möglich beherrschen.

Als Hip-Hop langsam in der Schweiz und Deutschland Fuss fasste, war auch Petrušić Teil einer .Crew.. Er wollte mitrappen und hat sich so Schritt für Schritt Schweizerdeutsch beigebracht. Ganz einfach oder? Der Musik ist er dabei bis heute treu geblieben. Aktuell ist er sogar mit seiner eigenen Band «Šuma Čovjek» an diversen Openairs zu sehen. Gesungen wird auf Kroatisch, Französisch und anderen Sprachen. «Es freut mich sehr, dass die Vielfalt der Sprachen auch ein Thema in der Schweiz ist. Die Kultur ist 30 Jahre nach der Integration der Ex-Jugoslawen im Schweizer Alltag angekommen». Der klassischen Hip-Hop-Musik, dem Rap hat er aber den Rücken zugewendet, seit diese gewaltverherrlichend und sexistisch geworden ist.

Die Schweiz ist bunt

«Šuma Čovjek» steht für das Hybride. Somit steht es für die Ansicht Petrušićs, dass sich die Menschen daran gewöhnen müssen, dass alles immer bunter und durchmischter wird. Das Resultat daraus eine «binationale Diversität» oder die Kultur des «sowohl als auch» ist. Als gutes Beispiel dafür nennt der Ex-Politiker die Schweizer Nationalmannschaft, welche sich an der Weltmeisterschaft in Russland für die Achtelfinals qualifiziert hat. «Spieler wie Drmić, und Seferovic sind Schweizer mit einer zweiten Kultur im Herzen», meint Petrušić dazu. Aber für ihn ist klar, dass diese Diversität weiterhin langfristig zu Erfolg führen wird. Nicht nur im Sport. Auch die Wirtschaft profitiert von der Schweizer Diversität, ist sich Petrušić sicher und «dafür haben wir genügend Beispiele aus der Vergangenheit», sagt er.

Spieler wie Drmić, und Seferovic sind Schweizer mit einer zweiten Kultur im Herzen.

Er sieht es als grossen Erfolg, wie die Schweiz mit der Verschiedenheit umgeht. Dennoch mahnt der Jugendbeauftragte auch zur Vorsicht bei Integrationsprozessen von neuen Kulturen. «Die Diversität wächst stark und vor allem in einem rasanten Tempo an. Sei das die Vorstellung wie sich Herr und Frau Schweizer ihr Leben gestalten wollen, ständige Flüchtlingswellen und innovative Technologien, die einem mehrere Mittel und Möglichkeiten bieten.» Petrušić sieht schlussendlich eine klare Lösung: «Man muss Konzepte finden, die aufzeigen, dass man nicht mehr nur in einem Land zuhause ist. «Wir müssen von einem neuen Nullpunkt ausgehen und Migration, sei es zwischen mehreren Ländern oder im eigenen Kopf, als gegeben annehmen».

Secondo

Ebenfalls steht er dem Begriff «Secondo» nicht mehr ganz so nahe wie auch schon: «Ich finde es nicht mehr förderlich, einen Begriff für Schweizer mit ausländischen Eltern zu haben. Dies war mir in einer ersten Zeit wichtig, um die Problematik auf dem politischen Parkett auch benennen und thematisieren zu können. Man muss heute jedoch Begriffe finden können, die eine Vielfalt unter den Gleichen beschreiben.» Petrušić findet, dass Identität viel mehr ist als eine Nationalität: «Man darf durchaus von Schweizerinnen und Schweizern sprechen.»

Zur Person.
    Ivica Petrušić ist als Geschäftsführer der okaj Zürich, der kantonalen Kinder- und Jugendförderung, für die Jugendförderung im Kanton Zürich zuständig. In der Freizeit ist er passionierter Musiker und mit seiner Band «Šuma Čovjek» an diversen Openairs unterwegs. Er war zudem lange Zeit als SP-Politiker, Einwohner- und Grossrat im Kanton Aargau und Vizepräsident des Vereins Second@s Plus tätig.

Text: Ishan Ilangakoon

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