4 C
Zürich
25 Februar 2021

Japan: Im Land der aufgehenden Sonne.

Wohin das Auge auch fällt, bietet sich Japan-Reisenden ein überwältigendes Schauspiel: Fernab von Grossstädten, die nie schlafen, windet sich die historische Nakasendō Strasse von Kyoto nach Tokio durch das Kiso-Tal, das zum Verweilen einlädt.

Er ist legendär: der Nakasendō ist eine von zwei Strassen, die in der Edo-Zeit, die Epoche des langen Friedens, die sich vom 17. bis ins 19. Jahrhundert zog, Kyoto mit Edo, dem damaligen Tokio, verband. Schon damals waren die beiden Achsen von Grund auf verschieden: Im Gegensatz zum Tōkaidō, der sich Japans Küste entlangzieht, führt der Nakasendō durch die Gebirge im Landesinneren. Jene Eigenschaft verschaffte ihm auch seinen Namen, denn Nakasendō heisst übersetzt: Weg mitten durch die Berge. Obschon man ihn schon seit Jahrhunderten nicht mehr für Kommunikations- und Regierungszwecke nutzt, existiert der Weg noch heute, und führt dabei durch die malerischen Städte und Dörfchen der japanischen Höhenzüge.

Kein Weg ist zu weit

Eine Strasse, die zwei Grossstädte verbindet? Bei jenen Zeilen wachsen vor dem inneren Auge die Dimensionen, und dies zu Recht. Die historische Gesamtroute belief sich auf fast 540 km und verlangte Reisenden ein 20-tägiges Durchhaltevermögen ab. Da der Nakasendō nicht nur länger, sondern auch schwieriger begehbar ist als sein Pendant, wurde ihm die küstennahe Alternative oft vorgezogen. Insgesamt führten rund fünf Strassen aus dem damaligen Tokio, ein System, das die Kommunikationsmöglichkeiten während der Edo-Zeit revolutioniert hatte. Zahlreiche sogenannte Stationen (juku) ermöglichten es Reisenden und ihren Pferden, im Verlaufe ihrer langen Märsche zu rasten.

Diese Rolle hat sich grösstenteils erhalten. Wem der Nakasendō nach diesen Informationen überwältigend erscheint, der braucht sich deswegen noch nicht die Haare zu raufen: Besucher reisen heutzutage meist nur auf ausgewählten und gut erhaltenen Teilstrecken des ursprünglichen Pfades. Jene Abschnitte sind jedoch noch immer mit Steinen von damals gepflastert und werden von jahrhundertealten Grenzsteinen unterteilt. Diese werden Reisenden auch künftig den Weg weisen. Was für ein Gefühl, einen Fuss auf solch geschichtsgeprägten Boden zu setzen! Ein Highlight ist die Strasse besonders zur Kirschblütenzeit Ende März/Anfang April, die ganz Japan in einen rauschhaften Zustand versetzt und den Nakasendō in einen rosaroten Himmel auf Erden verwandelt.

Tatsächlich existieren auch Quellen, deren Wasser so heiss ist, dass nicht darin gebadet werden kann

Soweit das Auge reicht

Der wohl bekannteste und eindrücklichste Abschnitt der Strasse zieht sich durch das Kiso-Tal im Zentrum Japans, das zwischen Magome und Tsumago, den damaligen 42. und 43. Stationen des Nakasendō liegt. Die Aussicht auf jenem Wegstück kann man nur als atemberaubend beschreiben. Aus der Höhe erblickt man unter sich den Fluss Kiso, der sich durch das dicht bewaldete Tal schlängelt, unter den Kronen der charakteristischen Hinoki Bäume, deren weitausladende Zweige bis zum Boden reichen.

Die Strecke kann man innerhalb von drei Stunden bewältigen. Wer entschliesst, seinen Fussmarsch von Magome nach Tsumago anzutreten, der wird regelmässig auf Glocken treffen, unter denen ein Warnhinweis prangt: «Ring the bell hard!» Wanderer werden dazu ermutigt, die Glocken zu läuten um die in der Region zahlreichen Bären von Wanderern fern zu halten. Da die Tiere sehr scheu sind, reichen die Geräusche einer Reisegruppe aber meist aus, um sie von den Pfaden fernzuhalten. Geht man die Strasse weiter entlang, erreicht man eine Abzweigung. Einer der beiden Wege führt zu den Wasserfällen Medaki und Odaki, von denen ersterer der «Frauenwasserfall» und letzterer der «Männerwasserfall» ist. Die wohltuende Kühle der Katarakte zog bereits zur Edo-Zeit Händler, Beamte und Geschäftsreisende an, die an dieser Stelle Rast einlegten und sich orientierten.

Verweile doch, du bist so schön

Einmal in Tsumago angekommen, kann der Aufenthalt vor Ort verlängert oder die Weiterreise nach Narai, der ehemaligen 34. Station des Nakasendō, angetreten werden. Wer sich entschliesst, noch etwas im Kiso-Tal zu verweilen, dem bieten sich dank zahlreichen ryokans (wörtlich: Reisegasthaus) komfortable Übernachtungsmöglichkeiten. Die Zimmer sind meist typisch japanisch gestaltet, und man schläft nicht auf Betten, sondern Futons – ruht man aber lieber wie zuhause, findet sich meist ein westliches Bett.

Zu den Spezialitäten der Region gehören unter anderem gegrillte iwana, eine ostasiatische Forellenart. Und auch gohei-mochi, die aus zerdrücktem Reis bestehen, der gebraten oder gegrillt und mit Miso- oder Sojasaucenpaste bestrichen wird. Neben dem Frühstück und dem Abendessen, die im Übernachtungspreis meist inbegriffen sind, stehen Gästen generell auch Onsens zur Verfügung. Das sind von natürlichen Quellen gespeiste Bäder. Da ganz Japan in vulkanisch aktivem Gebiet liegt, finden sich diese Quellen fast überall im Land. Bei Japanern sind die B.der besonders zur Entspannung nach der Arbeit beliebt. Tatsächlich existieren auch Quellen, deren Wasser so heiss ist, dass nicht darin gebadet werden kann; Jene Gewässer nennt man treffend jigoku, was übersetzt «Hölle» bedeutet.

Der wohl bekannteste und eindrücklichste Abschnitt der Strasse zieht sich durch das Kiso-Tal im Zentrum Japans.

Reisen ohne Ende

Wie aber gehen An- und Rückreise in jener entlegenen Region Japans vonstatten? Die Antwort lautet Shinkansen: Ein Streckennetz japanischer Hochgeschwindigkeitszüge, die sich weniger durch ihre Höchstgeschwindigkeit, die tiefer ist als die eines TGVs, als durch ihre eindrückliche Durchschnittsgeschwindigkeit auszeichnen. Tokio und Kyoto sind heute durch eine Linie des Shinkansen verbunden, die mit Tōkaidō aufgrund ihrer küstennahen Lage denselben Namen wie Nakasendōs Gegenstück trägt. Der Zug der Linie hält unterwegs in zahlreichen Städten und ermöglicht so die Weiterreise nach Nagiso und Nakatsugawa. Von dort aus gelangt man per Bus bequem nach Magome und Tsumago. Das umfängliche Streckennetz des Shinkansen erstreckt sich aber noch viel weiter, sodass andere Destinationen wie Kyoto und Osaka in greifbare Nähe, und die Abreise in weite Ferne rücken.

Text: Selin Olivia Turhangil

Lesen Sie mehr.

Schwangerschaft: Alkohol ist tabu, Sport ein «Must-Do»

Anfang Jahr sorgte eine Studie der Universität Zürich für Aufsehen: Zwei von fünf Frauen trinken während der Schwangerschaft Alkohol. Das schadet dem Kind und sollte unbedingt vermieden werden. Es gibt aber auch viele Aspekte, die eine gesunde Schwangerschaft fördern.

Perfekte Passform im Skischuh

Der Skischuh...

Archiv.

Mut zur Farbe in der Wohnungseinrichtung

Wir kleiden uns bunt, fahren ein Auto in unserem Lieblingsrot und umgeben uns gerne mit fröhlichen Farben – doch beim Wohnen verlassen...