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22 Oktober 2020

Andere Länder, andere Kulturen, dieselbe Liebe.

Liebe ist universell. Die Zelebration der Liebe unterscheidet sich jedoch von Kultur zu Kultur. Sie widerspiegelt das verschiedene Verständnis des Gefühls. Fünf Beispiele aus über die Kontinente verteilten Ländern zeigen dies anhand aussergewöhnlicher Hochzeitstraditionen auf.

Indien – ewigwährende Liebe

Indien ist ein facettenreiches Land mit vielen verschieden Subkulturen und Traditionen. Auch in Bezug auf Hochzeitsgebräuche. Weit verbreitet ist jedoch, dass für die indische Braut die Zeremonie schon einen Tag vor der Hochzeit beginnt. Zusammen mit allen weiblichen Mitgliedern der Familie führt sie die Mehndi-Zeremonie durch. Henna auf den Händen der Braut dürfen nicht fehlen. Dabei gilt: Je dunkler die Farbe, desto stärker wird das Band zwischen Braut und Bräutigam sein. Deswegen lassen die Bräute das Henna oft bis zu acht Stunden trocknen. Hindu-Hochzeiten werden in der Regel draussen auf der Erde abgehalten. Die wichtigste Zeremonie beinhaltet ein Feuer. Das Brautpaar muss sieben Runden um dieses Feuer drehen. Dabei halten sich die eheleute an den Händen. Jede Runde steht für ein Versprechen und ist gleichzeitig Gebet für eine gemeinsame Zukunft in Wohlstand und Sicherheit und mit Kindersegen. Die sieben Runden stehen ausserdem für die nächsten sieben Leben, in denen das Paar nach dem Vollzug der Ehe immer wieder zueinanderfindet.

Die wichtigste Zeremonie beinhaltet ein Feuer, um das das Brautpaar sieben Runden drehen muss.

Mexiko – friedliche Einigkeit

Weisse Schlaufen. Die sind auf einer mexikanischen Hochzeit überall zu sehen. Am Auto der frisch Verheirateten, an der Fassade der Kirche, auf der Hochzeitstorte und um die Hochzeitsgeschenke entdeckt man sie. Eine bestimmte weisse Schlaufe übernimmt sogar eine Aufgabe, die über simple Dekoration hinausgeht. «Lazo» genannt, wird sie symbolisch um die Hälse und Schultern des Paares gewickelt. Sie soll seine Vereinigung symbolisieren. So zelebriert die mexikanische Kultur die Liebe als Zusammenkommen zweier Parteien, die eins werden. Dies widerspiegelt auch der Dancefloor. Denn den Eröffnungssong wählt das Paar als «unser» Song. Während sie dazu tanzen, formieren sich die Gäste händehaltend um die Vermählten. Diese tanzen in einer Herzform um sie herum. Sind die letzten Noten des Liedes verklungen, ist das Fest der Einigkeit zu Ende. Doch das Chaos einer fröhlichen Party hat er begonnen.

China – Ein neues Leben

In China ist die Zusammenkunft von Braut und Bräutigam nicht nur eine Sache zwischen zwei Verliebten, sondern zwischen zwei Familien. Dementsprechend spielt in der chinesischen Hochzeit ein Ritual eine wichtige Rolle. Die Tee-Zeremonie, schweisst die Familien zusammen. Traditionell serviert die Braut den Tee ihrer Familie vor der Hochzeit, und nach der Hochzeit das Brautpaar gemeinsam der Familie des Bräutigams. Heutzutage wird die Teezeremonie aber meist für beide Familien gleichzeitig abgehalten. Dabei zeigen Braut und Bräutigam ihre Liebe und Anerkennung gegenüber ihren Familien für die Erziehung und die Sorge um ihr Wohl, die es bisher hatte geniessen dürfen. Man könnte sogar sagen, es ist eine Art Coming-of-Age-Zelebration. Es dient auch als Abschied der alten Familien und als Vorbereitung zur Gründung einer neuen, eigenen Familie. Dafür erhalten die Verliebten von ihren Onkeln und Tanten und anderen Familienangehörigen, nachdem jeder von ihnen einen Zug aus der andächtig dargebotenen Tasse genommen hat, rote Umschläge mit Geld darin. Nach dem zeremoniellen Trunk geht es ans Essen, wobei Speisen serviert werden, deren Namen mit Kindheitswünschen und Familiengründung in Zusammenhang stehen.

Nigeria – vier Elemente des Lebens

Ein wunderschönes Ritual, das von den Yoruba aus Nigeria stammt, ist die Verkostung der vier Elemente. Keine Angst, dabei muss man kein Feuer schlucken. Die Geste inmitten der ausgelassenen Feierlichkeiten ist vielmehr symbolisch gedacht. Essig, Zitrone, Pfeffer und Honig sollen die verschiedenen Seiten des Lebens repräsentieren. In dieser Bezeugung der Liebe versprechen sich Braut und Bräutigam gegenseitig in bitteren Zeiten beiseite zu stehen. Mit der Zitrone verheissen sie sich Unterstützung in Niederlagen sowie Erfolgen. Der Pfeffer steht für die Würze und Passion im Eheleben. Der Honig versüsst Momente, welche man miteinander teilt. Liebe geht also nicht nur durch den Magen, sondern versüsst einem das Leben. Auch wenn man sich mit Schwierigkeiten konfrontiert sieht.

Essig, Zitrone, Pfeffer und Honig sollen die verschiedenen Seiten des Lebens repräsentieren.

Wales – blühende Liebe

Wer kennt sie nicht, die Hochzeitstradition, die in allen amerikanischen Schnulzenfilmen präsentiert wird. Die Braut wirft ihren Strauss über den Rücken und die Brautjungfern bekämpfen sich beinahe, um die Blumen zu erhaschen. Denn wer den Strauss erhält, wird bald heiraten und jede will die Nächste sein. In Wales hat diese Tradition eine andere Bedeutung. Zum einen eröffnen die Waliser auch den Männern die Hoffnung auf eine baldige Hochzeit. Zumindest in manchen Gegenden ist es Brauch, dass die Familie der Braut die selbige kurz vor der Trauung «entführt». Die Familie und Freunde des Bräutigams müssen dann versuchen, seine Ehefrau in Spe zu befreien. Demjenigen, dem es gelingt, die holde Maid in Nöten zu retten, wird vorausgesagt, dass er innerhalb eines Jahres heiraten wird. Trotz diesem familienzusammenbringenden Ritual hält der Brautstrauss auch in Wales eine wichtige Bedeutung inne. In dem Bouquet sind Myrteblätter enthalten. Ein immergrünes Gewächs, das die Liebe im Leben symbolisiert. Anstatt den Strauss zu werfen, verteilt die Braut diese Blume unter ihren Brautjungfern. Sobald sie blüht, wird die Brautjungfer bald selbst zur Braut. Dies malt ein Bild von Liebe, um die nicht gestritten, sondern die wie ein zartes Pflänzchen behutsam umsorgt, bewässert und gepflegt werden muss.

Text: Simon Misteli

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