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Zürich
19 Februar 2020

Die lästige Entzündung der Blase.

50 bis 70 Prozent aller Frauen erleiden einmal jährlich eine Zystitis (Blasenentzündung). Die weibliche Harnröhre ist anfälliger als die der Männer, denn sie ist nur vier Zentimeter kurz. Dies ermöglicht es Bakterien, schneller in die Blase zu gelangen.

Darmbakterien (Escherichia coli) gehören nicht in die Blase. Gelangen sie doch einmal dorthin, kann dies unangenehme Folgen haben. Denn die Entzündung löst Schmerzen im Unterleib aus, schmerzhaftes Brennen beim Wasserlassen, führt zu häufigen Toilettengängen und kann Blut im Urin beinhalten.

Ist die Kälte wirklich ein Auslöser?

Viele erwischt es in den kalten Monaten des Jahres. Demnach ist die Vermutung, dass die Kälte der Auslöser ist, zwar naheliegend, jedoch nicht ganz richtig. Die Frauenärztin Dr. med. Kratzer klärt auf: «Die Kälte alleine löst keine Blasenentzündung aus. Doch das Immunsystem wird angreifbar durch nasse Haare, kalte Füsse oder die kalte Sitzgelegenheit, wodurch ein Mangel an wichtigen Abwehrstoffen entsteht. Dadurch ist die Blase weniger geschützt vor Darmbakterien».

Die unangenehme Überraschung nach dem Sex

Sexuelle Aktivität kann ebenfalls Auslöser einer Blasenentzündung sein. Denn bei Frauen liegt der Harnröhrenausgang näher am After, als bei Männern und der Ausgang befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Scheide. Dadurch geraten die Darmbakterien schnell in die Harnröhre. Durch die Reibung des Penis verteilen sich die Bakterien in diesen Bereichen und finden so den Weg durch die Harnröhre in die Blase. Auch bei einem Partnerwechsel, kann es zu einer Infektion kommen, da die weibliche Darmflora dadurch aus dem Gleichgewicht gerät.

Das Immunsystem wird angreifbar durch nasse Haare, kalte Füsse oder die kalte Sitzgelegenheit, wodurch ein Mangel an wichtigen Abwehrstoffen entsteht.

Babyalarm

Falls bei schwangeren Frauen eine Blasenentzündung auftritt, ist dies meist auf eine Beckenbodenschwäche und Hormonmangel zurückzuführen. Denn die Harnwegmuskulatur entspannt sich durch die Einwirkung des Hormons Progesteron, welches durch die Schwangerschaft erzeugt wird. Bei einer Harnwegsinfektion bei einer Schwangerschaft ist Vorsicht geboten. Das Baby wird gefährdet, da die Bakterien in die Gebärmutter geraten können. Dies kann zu Fehlgeburten oder Frühgeburten führen. Im Falle von Brennen beim Wasserlassen und wenn der Urin ungewohnt riecht oder Blut enthält, sollte dringend ein Frauenarzt kontaktiert werden.

Stress als Auslöser

Nicht zu unterschätzen, wie bei vielen Krankheiten, ist die Psyche. Auch wenn man alle Vorsorgemassnahmen berücksichtigt, ist es möglich, dass die Blasenentzündung immer wieder zurückkehrt. Denn Stress schwächt das Immunsystem und macht anfälliger auf die Darmbakterien. In diesem Falle ist es lohnenswert, diesen möglichen Aspekt mit dem zuständigen Arzt zu besprechen.

Schützen Sie sich

Um einer Blasenentzündung vorzubeugen, helfen folgende Massnahmen;

  • Mindestens 1.5 Liter täglich trinken, um alle giftigen Bakterien auszuscheiden
  • Ausgewogene Ernährung
  • Regelmässiges Urinieren
  • Nach dem Wasserlassen von vorne nach hinten säubern. Das Putzen in die andere Richtung, kann Bakterien des Darmtrakts in den Vaginalbereich bringen
  • Slips aus Baumwolle, keine Synthetik
  • Slips bei 60 Grad waschen, um alle Bakterien abzutöten
  • Den Intimbereich mit warmem Wasser ohne Seife waschen. Duschgel oder andere Mittel können die Flora schwächen.
  • Nach dem Geschlechtsverkehr die Blase leeren, um die möglichen Darmbakterien loszuwerden
  • Bei einem Partnerwechsel ein Kondom benutzen
Alternativen zu Antibiotika

Es gibt viele Wege, um die lästige Blasenentzündung loszuwerden. Nur selten muss man die letzte Option, die Antibiotika, in Betracht ziehen. Folgende Mittel helfen, sich besser zu fühlen und der Blasenentzündung den Kampf anzusagen:

  • Viel trinken, zwei bis drei Liter Wasser täglich
  • Viel Ruhe, Schlaf trägt viel zur Heilung bei
  • Eine Wärmeflasche entspannt die Harnwegsmuskulatur
  • Nieren und Blasentees mit Bärentraubenblättern, wirken desinfizierend und wassertreibend. Wer kein Teetrinker ist, kann das Heilmittel in der Apotheke auch in Tablettenform kaufen.
  • Zäpfchen mit Milchsäurebakterien

Bekannt ist, dass Cranberrysaft eine heilende Wirkung enthält und Schmerzen lindern kann. Diese Wirkung soll vor allem darauf beruhen, dass bestimmte Inhaltsstoffe (Anthocyanidine und Proanthocyanidine) die Anheftung von Bakterien an die Schleimhaut des Harntraktes verhindern können. Jedoch ist die Studienlage zur Wirksamkeit nicht eindeutig. Dr. med. Kratzer informiert: «Die Wirkung von Cranberrysaft ist umstritten. Dennoch wird das Getränk bei häufigen Blaseninfektionen empfohlen».

Stress schwächt das Immunsystem und macht anfälliger auf die Darmbakterien.

In den meisten Fällen verschwindet die unangenehme Zystitis nach zwei bis drei Tagen wieder vollumfänglich. Falls sich Fieber bemerkbar macht, wird empfohlen umgehend einen Arzt zu kontaktieren. In seltenen Fällen kann sich die Blasenentzündung zu einer Niederbeckenentzündung entwickeln. In diesem Fall empfiehlt sich eine Behandlung mit Antibiotika.

Text: Saina Riess

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