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17 November 2019

Schöne neue vernetzte Welt.

Das Internet hat die Welt verändert. Nun steht ein neues Zeitalter bevor: das des «Internet of Things». Trotz des riesigen Potenzials gilt es jetzt umso mehr, Sorge um unsere Daten zu tragen.

Das Internet, wie wir es kennen, wurde von Menschen für Menschen gemacht. Seit seiner Kommerzialisierung in den 1990er Jahren haben wir die Inhalte dafür geliefert und so ein Netzwerk aufgebaut, das die Menschen rund um den Globus miteinander verbindet. Das Internet of Things (IoT) oder Internet der Dinge verbindet hingegen nicht mehr nur Menschen, sondern eben auch Dinge; physische Objekte wie etwa ein Auto oder eine Kaffeemaschine, die virtuell in einer Internet-ähnlichen Struktur abgebildet und mit dem realen Gegenstand verknüpft werden. Die Idee ist nicht neu, die Sensorik und die Miniaturisierung der Computer zusammen mit den sinkenden Produktionskosten beschleunigten jedoch diesen Prozess in den letzten Jahren.

Das Netz der Dinge

Grundlage des IoT sind im Groben drei Komponenten: Sensoren, Aktoren und ein Netzwerk. Die Sensoren verleihen den Gegenständen Sinne und erkennen etwa, ob sich jemand im Haus befindet oder nicht. Aktoren wiederum verarbeiten die Signale der Sensoren und lösen gegebenenfalls Aktionen aus. Solche können zum Beispiel Türschlösser öffnen oder schliessen. Die verbindende Komponente zwischen diesen zweien ist das Netzwerk. Dieses ermöglicht einerseits die Interaktion zwischen den elektronischen Systemen, anderseits aber auch zwischen Mensch und System. So können wir über unser Smartphone auch von der Arbeit aus bestimmte Informationen zu unseren «smarten» Objekten abrufen und ebenfalls Aktionen auslösen, falls nötig.

Die Sensoren verleihen den Gegenständen Sinne und erkennen etwa, ob sich jemand im Haus befindet oder nicht.

In der Vision des IoT senden alle Gegenstände Signale aus. Alles ist miteinander vernetzt und generiert Daten. Um diese ungeheure Informationsflut bewältigen zu können, braucht es fortschrittliche analytische Informationssysteme (engl.: Analytics). Sie sind dazu fähig, Daten in Echtzeit auszuwerten und den erkannten Mustern entsprechend Aktionen zu starten.

Zahlreiche Vorteile für Verbraucher und Unternehmen

Das IoT birgt ein immenses Potenzial. Die Wirtschaft ist bereit, mehrere Billionen Dollar in IoT-Lösungen zu investieren. Bis nächstes Jahr prognostiziert man 20.4 Milliarden vernetzte Geräte weltweit. Dinge, die nahtlos mit dem Internet verbunden sind, hätten Eigenschaften, die von grossem Vorteil sein könnten, weiss Elgar Fleisch. Er ist Professor für Informations- und Technologiemanagement an der ETH Zürich und der Universität St. Gallen. «Sie sind für Käufer attraktiv, weil sie neue nützliche Funktionen bieten und zudem über die Zeit weniger an Wert verlieren, weil ihre Hersteller sie laufend ‹über die Luft› aktualisieren und um neue digitale Funktionen erweitern können.»

Aus den Nutzungsdaten und A/B Tests lernen die Hersteller, was bei den Benutzern besonders gut oder schlecht ankommt. «‹Connected Things› entwickeln sich während der Nutzung weiter. Sie bleiben lebendig, vor allem im Vergleich zu klassischen, ‹toten› Offline-Produkten», erklärt Fleisch. Daneben versprechen IoT-Lösungen für das Eigenheim, umweltschonender zu sein. Gemäss einer Studie der Consumer Technology Association (CTA) können mit sogenannten «Smart Homes» bis zu 100 Millionen Tonnen CO2-Emissionen eingespart und der Energieverbrauch um fast zehn Prozent gesenkt werden.

Nebst dem Endverbraucher profitieren auch diverse Branchen von den Annehmlichkeiten, welche die vernetzte Welt mit sich bringt. Die Vielfalt neuer Datenquellen und die präzisere Messung derer ermöglicht den Unternehmen, genauere Prognosen aufzustellen und somit bessere Entscheidungen zu treffen. Eine Studie des US-amerikanischen IT-Unternehmens Hewlett Packard Enterprise schätzte den prozentualen Anteil von Unternehmen mit bereits eingeführten IoT-Technologien bis ins Jahr 2019 auf 85 Prozent. Eine Mehrheit der 3100 befragten Unternehmen sprach sich bezüglich ihrer IoT-Lösungen positiv aus. So verzeichneten zum Beispiel 82 Prozent eine Verbesserung der Betriebseffizienz und 73 Prozent erzielten Kosteneinsparungen nach Einführung der neuen Technologie.

Sicherheitsbedenken und fehlende Interoperabilität

Den zahlreichen Vorteilen stehen schwierige Hürden gegenüber. Die Datensicherheit und der Privatsphärenschutz sind die Achillesferse des IoT. Mit der zunehmenden Technisierung unserer Umgebung ergeben sich immer mehr Angriffsflächen für potenzielle Angreifer. Hackerangriffe werden dadurch immer mehr auch zur physischen Gefahr. Zum Beispiel, wenn diese sich an die Bremsen eines fahrenden Fahrzeugs oder das Türschloss zur Wohnung richten.

Ein weiteres Problem stellt die starke Fragmentierung des IoT-Markts dar. Zahlreiche Anbieter kämpfen um die Gunst der Kunden. Dies resultiert in einer Fülle von IoT-Geräten, für die es keine einheitlichen Anwendungen gibt. Weiter kann dies zu erheblichen Sicherheitslücken führen, wenn Hersteller alte, günstigere Geräte nicht mehr aktualisieren.

Erst der Anfang

77 Prozent der befragten Unternehmenslenker in der Studie von Hewlett Packard meinen ganz klar, dass das IoT erst der Anfang wäre und die Geschäftswelt in der jetzigen Form grundlegend verändern wird. Die Entwicklung hin zu einem Internet der Dinge gehe Hand in Hand mit einer zunehmenden Dienstleistungsorientierung, welche vor allem produzierenden Unternehmen nicht zwingend in den Genen liege, meint Fleisch. «In diesem Wandel ist zu beachten, dass man das alte, klassische Produktgeschäft nicht unterbewertet», mahnt der Experte. Als Konsumenten würden wir in den kommenden Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit grössere Veränderungen in den Ökosystemen rund um Gesundheit, Mobilität und Wohnen sehen und spüren.

Text: Sven Hoti

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