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20 September 2019

On-Demand-Logistik liegt im Trend.

Die Nutzung von Warenhäusern „auf Abruf“ oder entsprechender Logistik ermöglicht Firmen immer mehr Flexibilität in diesem Bereich. Aber wohin geht die Reise?

Während grosse Shops von A wie Amazon bis Z wie Zalando ihre eigene Logistik ausbauen, verlassen sich kleinere Mitbewerber immer mehr auf externe Dienstleister. So geben sie ihre Kontrolle ab: «Wenn ich das Erfolgserlebnis und die Reaktionen vom Kunden haben und den Puls fühlen möchte, dann ist eine eigene Logistik zwingend» erklärt Peter Spycher. Seit 2017 ist er Präsident des Schweizer Branchenverbands der Logistik. Spycher arbeitet bei Vanderlande, einem Unternehmen für Logistikprozesse. Er kennt sich in der Szene bestens aus: «Durch die volle Transparenz im Internet kann ich als Firma heute nur noch in der Logistik punkten. Ich muss die Kunden mit einem perfekten Service binden. Daher sehe ich diesen Trend verhalten.»

Pro und contra Dienstleister

Die Einschränkung der eigenen Strukturen kann Firmen viele Kosten ersparen. Plattformen wie Digitec und Dienstleister wie die Post bieten alles an: von der Bestellung bis zur Auslieferung. Der Kunde weiss gar nicht, woher das Paket kommt: «Hier ist auf die Schnittstelle hohes Augenmerk zu legen. So stimmen die Bestände immer. Es gibt nicht Schlimmeres im E-Commerce als eine Bestellung zu erhalten und keine Ware dazu zu haben. Dieser Kunde wird nie mehr kommen», ist sich Spycher sicher. Für ihn ist die Ersparnis nur am Anfang gross, da man weder Lager noch Technik oder Personal bezahlen muss. Bei Skaleneffekten aber verschwindet der Vorteil. Die Grundkosten sind dann beim Anbieter gleich gross wie intern. Weiterer Negativpunkt: Ein externer Dienstleister hat alle Daten. Er kommt möglicherweise auf die Idee, Produkte billiger direkt zu verkaufen.

Es gibt nicht Schlimmeres im E-Commerce als eine Bestellung zu erhalten und keine Ware dazu zu haben.

Netzwerke im Fokus

Dennoch liegt On-Demand-Logistik offenbar voll im Trend: «Je qualifizierter und hochwertiger die Logistik sein muss, desto mehr sehen wir, dass die Firmen dies selber machen», erklärt Spycher, «Grundsätzlich haben wir jedoch das Problem, dass die kleinen Bestellungen explodieren werden, mehr noch als wir uns das heute vorstellen können. Das wird meiner Ansicht nach eher zu Netzwerken für die Auslieferung führen. Auch wenn wir sehen, was gerade im Bereich Logistik in Städten passiert. Ich darf die Ware in Zürich etwa nur bis zehn Uhr morgens anliefern. Das Restaurant öffnet aber erst um elf Uhr. Dort sehe ich grosse Möglichkeiten. Die Städte sind nämlich heute schon verstopft.»

Die letze Meile

Die Zustellung auf der sogenannten «letzten Meile» wird immer wichtiger, sodass sich Startups wie Notime oder LuckaBox auf dieses Feld spezialisiert haben. Für Peter Spycher sind solche Lösungen gerade in Städten sinnvoll und eine Ergänzung: «Wenn man jedoch davon ausgeht, dass die Bestellungen immer kleinteiliger werden, wird das Paketvolumen noch weiter ansteigen. Das gilt vor allem für jüngere Kunden. Sie kaufen spontaner ein. Zudem wollen sie ihre Bestellung sofort erhalten. So gesehen ist eine schnelle Zustellung oft gar noch wichtiger als der Preis.»

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Im Hinblick auf das extreme Wachstum im Paketbereich sind Lösungen für die letzte Meile nur ein Strohfeuer. Paketboxen in den Quartieren oder Hotspots für die Anbieter können zukünftige Paketvolumen besser abfangen. Vielleicht wird auch der Wohnungsbau auf die neuen Wünsche angepasst, so dass bald überall eine Box eingebaut ist, die jeder bedienen kann. Eine Lösung, bei der ein Bote selbst Zugang zur Wohnung erhält, will wohl niemand.

China macht’s vor

In Shanghai oder Peking wird heute sogar heisser Kaffee innert Minuten geliefert. Europa und gerade die Schweiz ticken hier ganz anders. Der Datenschutz, Sicherheitsbedenken und die verbreitetes Misstrauen verzögern eine Entwicklung der On-Demand-Logistik: «Die Chinesen sind da ganz anders aufgestellt», weiss Spycher, «Wenn ein Produkt nicht nach sechs Monaten eingeführt werden kann, dann wird es eingestampft. Gerade den Kaffee wird es bei uns so nicht geben. Wir haben eine lange Kaffeekultur und gelten als Kaffeeland. Nebenbei versorgen wir die ganze Welt mit Kaffeeautomaten.» Einen neuen Trend in urbanen Räumen sieht Spycher aber: Jederzeit bestellbare, frische und schnell gelieferte Mahlzeiten sind zweifellos eine neue Chance für Restaurants.

Von Robotern und Menschen

Immer wieder schreiben Medien über Drohnen. Für Spycher werden sie aber ein Nischenprodukt bleiben. Die Paketmengen seien zu riesig, um sie mit Drohnen zu bewältigen: «Wir sprechen da von hunderttausenden Paketen pro Tag alleine in der Schweiz. 50 Prozent des weltweiten Volumens liegen in China mit weit über 30 Milliarden Paketen. In den USA wurde dieses Jahr erstmals mehr im Netz bestellt als offline. Der Markt bewegt sich hin zu Robotern. In diese Techniken werden grosse Summen investiert. So will man dem Fachkräftemangel entgegenwirken und neue Services einführen.» Gemäss Forschern soll dank der Datenwolke jedes Kaufverhalten so analysiert werden, dass der Nutzer sein Produkt ohne Bestellung erhält. «My Migros», ein Projekt der Migros Aare, versucht, neue Methoden wie Design Thinking auszuprobieren. But that’s another Story.

Text Mohan Mani

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