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12 Dezember 2019

Ehrung eines Pioniers und dessen Nachlasses.

Schon 1925 war Gottlieb Duttweiler (1888-1962) seiner Konkurrenz weit voraus. Diese Meinung teilt auch die Stiftung Logistik Schweiz. Sie nahm den Migros-Gründer, Pionier und Revolutionär des Schweizer Detailhandels anlässlich der jährlich durchgeführten Benefizgala Swiss Supply Chain Hall of Fame feierlich in die virtuelle Ehrenhalle auf.

Mit der Aufnahme in die Swiss Supply Chain Hall of Fame honoriert die Stiftung Logistik Schweiz seit 2015 hervorragende Persönlichkeiten, welche für Logistik-, Supply-Chain- und/oder Verkehrs-Themen in der Schweiz Überdurchschnittliches geleistet und erreicht haben. «Duttis» Pionierleistung basierte auf dem Gedanken, eine neuartige Verkaufsorganisation zu schaffen, die ohne Zwischenhändler auskommen sollte. Er wollte eine Brücke vom Produzenten zum Konsumenten schlagen. Er kaufte hierzu fünf Ford-T-Lastwagen, baute sie zu rollenden Verkaufsläden um und bestückte sie mit den Basisartikeln Kaffee, Reis, Zucker, Teigwaren, Kokosfett und Seife. Damit fuhr er mitten ins Quartier und schuf so ausserordentliche Kundennähe. Ohne die Margen der Zwischenhändler berappen zu müssen, konnte er seine Waren um bis zu 30 Prozent günstiger anbieten als die Konkurrenz. Duttweiler hatte schon damals das «Supply Chain- und Lean-Management» zugunsten eines optimalen Preis-Leistungsverhältnisses im Fokus.

Im Dienste aller

Duttweiler wollte die Migros stets auch in den Dienst des Gemeinwohls stellen; sein Erfolg sollte allen zugutekommen. Mit der Umwandlung der prosperierenden Migros in eine Genossenschaft verschenkte er sein Unternehmen 1940 an die Schweizer Bevölkerung, mit Institutionen wie dem Kulturprozent und der Klubschule machte er Kultur und Bildung auch ärmeren Schichten zugänglich.

Mit der Umwandlung der prosperierenden Migros in eine Genossenschaft verschenkte er sein Unternehmen 1940 an die Schweizer Bevölkerung.

«Dutti» soll einmal gesagt haben: «In der modernen Welt wird der Erfolg jenen gehören, die es verstehen, um ihr Unternehmen herum eine Ideenwelt aufzubauen.» Seine Idee hat sich durchgesetzt und bleibt lebendig. So setzt die Migros auch heute noch alles daran, im Geiste Gottlieb Duttweilers fortschrittliche Lösungen zugunsten der Gesellschaft zu finden. Anlässlich der Auszeichnung der Supply Chain Hall of Fame bot die Migros Einblicke in einige ihrer Digitalisierungs- und Dekarbonisierungslösungen. Darunter waren die Software «LT-OPEX-Tower» sowie modernste Fahrzeugtechnologien: der Bio-Gas-Lastwagen (betrieben mit Schweizer Bio-Gas) oder das Iveco-Fahrzeug (fährt mit Wasserstoff-Methan-Gemisch). Und natürlich durfte auch der alte Ford T, der Verkaufswagen aus dem Jahre 1925, nicht fehlen. Rainer Deutschmann ist Leiter der «Direktion Logistik Transport» des Migros Genossenschafts-Bunds (MGB) und erläutert dessen Vorreiterrolle im Bereich der Logistik.

Rainer Deutschmann, der Migros-Gründungsvater Gottlieb Duttweiler wurde am 28. Mai 2019 in die Swiss Supply Chain Hall of Fame aufgenommen. Kam das für Sie überraschend? 

Eine Aufnahme in die Hall of Fame ist immer eine Überraschung und dazu eine grosse Ehre. Gottlieb Duttweiler hat Grossartiges geleistet, auch für die Logistik bzw. für das integrierte Supply-Chain-Management. Ich freue mich sehr über die Ehrung des Migros-Gründers!

In der Migros Gruppenstrategie sind die Werte festgelegt, wonach sich sämtliche Kernbereiche der Genossenschaft richten sollen. Darunter fällt auch das ressourcenschonende Handeln. Wie wird das im Bereich Güterlogistik der Migros umgesetzt? 

Die Migros ist eine der nachhaltigsten Detailhandelsfirmen der Welt. Nachhaltigkeit ist in unseren Genen verankert. Deshalb arbeiten wir auch mit Passion an Lösungen, um die CO2-Emissionen im Bereich Güterverkehr zu reduzieren. 50 Prozent der Bewegungen innerhalb der Schweiz finden auf der Schiene statt. Wir nutzen auch Bahnlösungen aus China, Süditalien sowie die Häfen im Norden und Süden Europas, über welche Waren importiert werden. Ein zweiter Pfeiler unserer Dekarbonisierungsaktivitäten besteht in der Innovationspartnerschaft mit der ETH/EMPA. Wir sind strategischer Partner im «move»-Programm, das sich auf nachhaltige Mobilität fokussiert.

Ein weiteres Engagement besteht im Förderverein H2-Mobilität Schweiz, wo wir Gründungsmitglied sind und uns finanziell sowie personell beteiligen. Zudem ist zu erwähnen, dass wir für die wenigen Lufttransporte, die wir durchführen, über einen eigenen Klimafonds verfügen. Last but not least, engagieren wir uns für das Generationenprojekt Cargo sous Terrain, welches die Nachhaltigkeit unserer Güterverkehre insgesamt fördert.

Was genau erarbeiten Sie in der erwähnten Zusammenarbeit mit der ETH/EMPA? Testen Sie hier auch Wasserstoff-Technologie? 

Als strategischer Innovationspartner der EMPA engagiert sich die Migros im sogenannten «move»-Programm. Das ist ein sehr ganzheitlicher Ansatz, Dekarbonisierungshebel zu studieren. Unserer Meinung nach reicht es nicht aus, sich nur auf eine Technologie allein zu konzentrieren. Die Lösung liegt aus unserer Sicht darin, dass wir die jeweils effektivste Technologie im richtigen Moment einsetzen. Deshalb testen wir im «move»-Programm Lastwagen mit batterieelektrischem Antrieb, mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antrieb beziehungsweise mit einer neuen Generation von Motoren, welche mit Schweizer Bio-Gas angetrieben werden. Zudem entwickeln wir im oben genannten Softwaresystem «LT-Opex-Tower» ein Modul, um unsere künftige Lastwagenflotte nach CO2-Emissionsgrundsätzen zu optimieren.

Wann fährt der erste Wasserstoff-Brennstoffzellen-Lastwagen für die Migros? 

Als Gründungsmitglied des Fördervereins H2-Mobilität gehören wir zu den ersten, welche mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-Fahrzeugen unterwegs sein werden. Wir sind stolz, dass wir durch unser Engagement Verkehrsgeschichte schreiben und freuen uns sehr auf die ersten Fahrzeuge.

Möglichst viele der Transporte werden via Schiene in die nationalen Verteilzentralen transportiert.

Können Sie uns einen Eindruck geben, wie die Lieferkette der Migros-Produkte aussieht? 

Die Migros investiert seit Jahrzehnten in das integrative Management der internationalen und nationalen Supply Chain. Pro Jahr werden in den Filialen der Migros von unseren Kundinnen und Kunden vier Milliarden Artikel gekauft. Die Waren, welche aus aller Welt stammen, werden im Sinn des Risiko-Managements je zu zirka 50 Prozent über die Nordhäfen Antwerpen und Rotterdam sowie die Südhäfen La Spezia und Genua geführt. Möglichst viele der Transporte werden via Schiene in die nationalen Verteilzentralen transportiert. Auch ein wesentlicher Teil der in der Migros-Industrie produzierten Güter erreichen diese Standorte per Bahn und werden ebenfalls per Schienentransporte an die Betriebszentralen der Genossenschaften geführt. Bis zu den Filialen geht es dann auf der Strasse weiter, wobei wir einen Mix von Migros-eigenen Fahrzeugen sowie Fahrzeugen von externen Transporteuren einsetzen.

Das klingt nach einem komplizierten Prozess. Wie meistern Sie die Koordination? 

Wir brauchen möglichst viele und genaue Daten zum Standort des Produktes beispielsweise, um das Zusammenspiel der verschiedenen Partner effizienter zu gestalten. Mit unserer eigens entwickelten Monitoring-Software «LT-OPEX-Tower» haben wir den Überblick über die gesamte Lieferkette, egal ob See-, Schienen- oder Strassentransport. So können wir allfällige Ineffizienzen eruieren und die gesamte Supply Chain optimieren. Dies kommt auch unserer Nachhaltigkeit zugute.

Text: Mona Martin, Bilder: Migros, leistungsfotografie.ch

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