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29 März 2020

Not Sorry – Ein Goth-Rocker erzählt.

Matteo vDiva Fabbiani hat seinen Kindheitstraum wahrgemacht. Mit seiner Band Hell Boulevard tourt er durch Europa und dreht Musikvideos für viele Künstler. Bei einer Tasse Kaffee erklärt er, weshalb er keine Diva ist und spricht über die Gothicszene. 

Das Café ist am frühen Nachmittag kaum besucht. Leiser Jazz mischt sich mit dem Brummen der Kaffeemaschine. Matteo vDiva Fabbiani kommt nicht allein; denn seine Lebens- und Geschäftspartnerin Chiara Cerami ist mit von der Partie.

Der Gothrocker wirkt schüchtern, aber herzlich. Das Gespräch perlt vor sich hin, die beiden erzählen von ihrem kürzlichen Paris-Trip.

«Wir versuchen, einmal im Jahr Urlaub zu machen», erzählt Fabbiani. Denn ansonsten ist sein Alltag von einer Menge Arbeit geprägt.

Dunkelbunte Videos

Gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin leitet er VDPICTURES. Hauptsächlich drehen sie Musikvideos, bieten aber auch Fotografie und Grafikdesign an. Ihr Portfolio ist ein dunkelbuntes Assortiment aus Gothicbands, aber es finden sich auch Künstler anderer Genres.

«Unser Büro ist auch unser Zuhause. Somit sind wir automatisch stets nahe an der Arbeit», erzählt Fabbiani. Er arbeitet gerne bis spät in die Nacht und geniesst die Freiheit, die ein eigenes Business mit sich bringt.

Keine Diva

Auf seinem Fingerknöcheln prangt ein Tattoo seines Künstlernamens: Violent Diva. Die Frage, ob er eine Diva sei, verneint er. «Mit meiner Band fühle ich mich wie ein Kind an Weihnachten. Aber wenn es um meine Arbeit geht, bin ich nie eine Diva»

Ein früheres Musikprojekt im Electrobereich hiess Violent Diva. Der Name blieb haften. Dies empfindet Fabbiani jedoch nicht als störend, im Gegenteil: «Ich finde es lustig, Leute damit zu überraschen, dass ich kein Arschloch bin.»

Der gebürtige Italiener träumte schon als Kind von einem Leben als Musiker. Sein erstes grosses Idol war Michael Jackson. «Dass ich jetzt auf Tour gehen kann und Alben aufnehmen darf, ist grossartig. Der Traum ist wahrgeworden. Leider bekommt man damit auch die schlechten Seiten zu sehen»

Not Sorry

Er spricht den Einfluss von Streaming auf die Musikindustrie an. Die Leute kaufen weniger Musik, Künstler müssen andere Wege finden, Geld zu verdienen, sei es durch Liveauftritte oder Merchandise.

«Glücklicherweise ist die Gothicszene in dieser Hinsicht anders. Hier wollen die Fans noch physische Alben kaufen. Nur deswegen können kleinere Bands wie wir überhaupt überleben»

Seine «kleine» Band, von der er spricht, ist Hell Boulevard. Seit sie 2016 mit dem Album Inferno auf der Bildfläche erschienen sind, wächst die Beliebtheit der Band um Frontmann Matteo Fabbiani stetig. Auf den Nachfolger In Black we Trust  folgt im April 2020 das dritte Werk Not  Sorry.  Den ganzen Mai über befindet sich die Band anschliessend auf Deutschlandtour.

Frei vom Genregefängniss

Der Sound von Hell Boulevard ist relativ genretypisch: treibende Gitarren, halbernste Texte und eine tiefe Stimme. Man hört Einflüsse von Bands wie The 69 Eyes und Type O Negative klar heraus und doch hat Hell Boulevard etwas Eigenes an sich. Der Gedanke liegt nahe, dass dies an Fabbianis Liebe zu sehr verschiedener Musik liegt. «Ich höre alles», sagt er. Und seine Partnerin nickt bedauernd: «Das ist leider wahr. Er findet an jedem Genre etwas. Er mag sogar Trap, es ist unglaublich.»

Auch eine Liebe zu Pop lässt sich bestaunen. Hell Boulevard covern an Live-Auftritten oft Britney Spears’ Hit Me Baby One More Time. In zahlreichen Videos fällt auch die Begeisterung des Publikums auf.

Ein Haufen schwarzgekleideter Kids

«Natürlich hat Gothic eine düstere Seite, aber die meisten Szenegänger nehmen sich nicht so ernst», erzählt er, «wir sind ein Haufen schwarzgekleideter Kinder.»

Cerami gibt ihm Recht: «Wenn du mit 14 behauptest ein Vampir zu sein, ist das ja ganz nett, aber mit 30 bist du darüber hinweg. In der Gothicszene ist der Look, der Humor und die Einstellung das Vereinende.»

Tatsächlich ist es schwierig, die Gothicszene zu definieren. Denn die Musik reicht von Gitarrenrock über Dark Wave wie Bauhaus bis zu mittelalterlichen Klängen wie Saltatio Mortis. Auch modisch findet man, abgesehen von der Farbe Schwarz, kaum Einheitliches. An einer Szeneparty sind romantische Spitzenkleider, Lack und Leder aber auch Jeans und T-Shirt zu finden. Die schwarze Szene ist ein lebendiges Ding.

Die alten Klassiker

Bei der Frage nach seinen musikalischen Träumen kommt noch ein weiteres Genre zur Sprache: Swing. «Ich würde gerne in einer Big Band die alten Klassiker singen, Songs von Frank Sinatra zum Beispiel.»

Es ist ein Leichtes, sich vorzustellen, wie Fabbianis tiefe Stimme ein My Way anstimmt. Wer weiss, vielleicht kommen wir eines Tages in den Genuss. Unmöglich ist es nicht.

Die Musik steht für sich

Abschliessend frage ich ihn danach, ob es etwas gibt, was er gerne noch erwähnen möchte. Er lässt sich Zeit und denkt darüber nach. Schlussendlich schüttelt er den Kopf. «Meine Musik und die Videos sprechen für sich, da muss ich nichts hinzufügen. Wenn ich jeweils Gelegenheit habe, spreche ich lieber über die Projekte meiner Freunde.»

Und dies tut er auch oft – im Verlauf des Gesprächs erwähnt er oftmals Lord of the Lost und Florian Grey, für welche er viel Bewunderung zu hegen scheint.

Es gibt viele Worte, die Matteo Fabbiani beschreiben, Diva ist jedoch keines davon. Denn als mich der Musiker bei der Verabschiedung in eine herzliche Umarmung zieht, ist jeglicher Gedanke an Düsternis weit entfernt. Keine Diven, keine Vampire – nur ein Haufen schwarzgekleideter Kids.

Das Album Not Sorry von Hell Boulevard erscheint im April 2020.

www.vdpictures.ch

www.youtube.com/hellboulevard

Text: Fatima Di Pane

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