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9 August 2020

Body Positivity: Den eigenen Körper lieben lernen.

Soziale Medien lassen den Druck, perfekt zu erscheinen, stetig ansteigen. Egal ob Frau oder Mann: Viele zweifeln aufgrund von Beiträgen durchtrainierter Influencer oder Models in Bikinibildern am eigenen Körper. Die Bewegung rund um die «Body Positivity» steht für das Wohlfühlen und die Akzeptanz des eigenen Körpers – gesellschaftlich auferlegte Schönheitsideale gehören somit der Vergangenheit an.

Mithilfe von Instagram, Facebook und anderen Social-Media-Plattformen inszenieren viele sich selbst und ihr Alltagsleben im besten Licht. Körper und Gesichter, die in unserer Gesellschaft als schön gelten, werden zu Tausenden angeklickt, geliked und verbreitet. Beiträge, die gegensätzlich dazu stehen, pflastern anonyme User oft mit hasserfüllten Kommentaren zu. Die Bewegung rund um die Body Positivity möchte die sozialen Normen rund um den Körper ändern. Jeder Mensch hat hier – ungeachtet seiner Figur – denselben Stellenwert, ist schön und sollte so akzeptiert werden, wie er ist. 

Körperideale der Geschichte

Dass Frauenkörper gewissen gesellschaftlichen Schönheitsidealen ausgesetzt sind, ist kein Phänomen der Moderne. Seit jeher wird darüber geurteilt, was als schön gilt und was nicht – und die Trends verändern sich stetig. Bereits im Alten Ägypten zogen schillernde Figuren wie Nofretete – wortwörtlich «Die Schöne ist gekommen» – mit ihrem Aussehen die damalige Bevölkerung in ihren Bann. Ihre Körpermasse stimmten mit den angestrebten Idealen überein: Die gewünschte Figur der damaligen Frauen war gross und schlank mit kleiner Oberweite sowie schmalen Hüften. 

Dass Frauenkörper gewissen gesellschaftlichen Schönheitsidealen ausgesetzt sind, ist kein Phänomen der Moderne.

Danach änderte sich die Konzeption des perfekten Körpers in jeder Zeitperiode erneut. In der griechischen Antike galt eine füllige Frau als Ideal, während des Mittelalters und in der chinesischen Han-Dynastie wandelte sich dies wieder in Richtung einer schlanken Wespentaille. In der viktorianischen Ära kam das Korsett in Mode. Dieses erwies sich als dienliches Hilfsmittel, um jeden Körper in eine sozial akzeptable Form zu zwängen und verschwand erst Jahre später wieder aus der täglichen Bekleidungsroutine.

Vorschriften den Kampf ansagen

Neben den gesellschaftlichen Idealen wurden dem weiblichen Körper und dessen Form durch die Geschichte hindurch auch die verschiedensten Ideen und Merkmale zugeschrieben. Das Mittelalter bildete daher Frauenfiguren mit sehr dünnen, fast mädchenhaften Zügen ab, um kindliche Reinheit zu repräsentieren. Im Gegensatz dazu galten ausladende Kurven während der Renaissance als bedeutende Symbole für Fruchtbarkeit, Wohlstand sowie blaues Blut.

Das Mittelalter bildete daher Frauenfiguren mit sehr dünnen, fast mädchenhaften Zügen ab, um kindliche Reinheit zu repräsentieren.

Doch dann kam die erste Welle des Feminismus Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts mit voller Wucht auf die vorgeschriebenen und einengenden Körperideale der Zeit zu. Die Frauen hatten ein für alle Mal genug. Die Bewegung rund um die «Victorian Dress Reform» wollte der Verschandelung des weiblichen Körpers durch das Korsett und den daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen endgültig den Garaus machen.

Die Korsett-Kontroverse

Das Ziel der Bewegung war es, unbequeme und schädliche Kleidervorschriften abzuschaffen, die meist von der Gesellschaft – und damit im engsten Sinne von Männern – vorgeschrieben wurden und als angemessen galten. Einige Feministinnen legten das Korsett ab und trugen sogar Hosen, was um das Jahr 1850 herum als eine echte Sensation galt. Der Grundstein für den Start des Body-Positivity-Movements rund ein Jahrhundert später war gelegt, denn das Motto lautete: Frauen sollten so sein und sich so anziehen dürfen, wie sie möchten.

Mitte des 19. Jahrhundert verschob sich der Fokus dann von Fashion zum Fat Shaming. In den späten Sechzigerjahren kam mit dem Supermodel Twiggy und ihrer schmalen, androgynen Figur ein neuer Trend auf. Gleichzeitig wurde mit der National Association to Advance Fat Acceptance die erste Organisation für das gleichnamige Anliegen gegründet. Im Gegensatz zum heutigen Grundsatz das alle Körper schön sind, setzten sich Aktivisten während dieser Zeit für die Rechte und die Akzeptanz von dicken Menschen ein. Der Hauptgrundsatz galt hier, dass Übergewicht nicht mit schlechter Gesundheit assoziiert würde. Dabei sollte der Cholesterinspiegel und das allgemeine Wohlbefinden als Messlatte für eine ungesunde Lebensweise gelten und nicht das Gewicht oder der BMI.

Mitte des 19. Jahrhundert verschob sich der Fokus dann von Fashion zum Fat Shaming.

Ein gesundes Körperbild schaffen

Das Body-Positivity-Movement, wie man es heute kennt, etablierte sich im Jahre 2012, wobei es sich zuerst auf unrealistische Körperbilder konzentrierte. Magazine verzichteten darauf, mit Photoshop Körper zu verändern und Marken setzten bei ihren Werbekampagnen auf Models mit den unterschiedlichsten Figuren. Obwohl jede Person unter dem Begriff der Body Positivity etwas anderes verstehen kann, konzentrieren sich die Botschaften hauptsächlich darauf, den eigenen Körper trotz Makeln zu schätzen, sich selbstbewusst zu fühlen und selbst zu lieben sowie die eigene Figur zu akzeptieren. 

Ein wichtiger Aspekt bei der Bewegung ist der Zusammenhang zwischen dem eigenen Body Image und dessen Auswirkung auf die psychische Gesundheit. Durch ein intaktes Körperbild entsteht eine höhere Selbstakzeptanz, wohingegen eine verzerrte Wahrnehmung bis in eine Depression führen kann. Studien haben ausserdem aufgezeigt, dass bereits Kinder im Alter von sieben Jahren sich zu dick finden und in der eigenen Haut nicht wohlfühlen. Umso wichtiger ist es also, bereits in jungen Jahren Akzeptanz von Körpern aller Art zu erfahren. Neueste Zahlen legen nahe, dass die Body-Positivity-Bewegung bereits erste Erfolge verbuchen kann, denn die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper hat im Verlauf der letzten Jahre stetig abgenommen. Dieses positive Zeichen ist aber noch lange kein Grund mit den Bemühungen aufzuhören: Gerade jetzt ist es an der Zeit, verschiedensten Menschen eine Plattform zu geben und eine noch inklusivere Repräsentation zu schaffen.

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