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Zürich
9 August 2020

Erste Hilfe im Sommer: Was tun bei Sonnenstich & Co..

Der Sommer hält nicht nur Spass und Entspannung, sondern leider auch vielerlei Gefahren bereit. Denn ein Sonnenstich oder ein Hitzschlag passieren schneller und häufiger, als man denkt. Ein Überblick, wie man bei diesen und weiteren Gefahren des Sommers erste Hilfe leistet.

Wer bereits einmal im Sommer den Sonnenhut vergessen hat, weiss, wie sich ein Sonnenstich anfühlt. Das Perfide: Man bemerkt einen Sonnenstich nicht sofort. «Der Sonnenstich macht sich üblicherweise erst mehrere Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne bemerkbar», weiss Dr. Le-Ha Locher, Apothekerin aus Binningen bei Basel. Die häufigsten Symptome sind gemäss der Apothekerin starke Kopf- und Nackenschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen, Schwindel und in schlimmeren Fällen Bewusstseinsstörungen. «Während der Kopf oft gerötet und heiss ist, erhöht sich die Körpertemperatur kaum», berichtet die Apothekerin weiterhin.

Die richtigen Getränke helfen

Bei einem Sonnenstich ist rasches Handeln das A und O. Dr. Le-Ha Locher bekräftigt: «Wichtig ist, dass sich die betroffenen Personen sofort aus der direkten Sonne in den Schatten begeben, den Kopf, Nacken und Hals kühlen und viel trinken.» Die Betroffenen sollten zudem am besten auf dem Rücken mit leicht erhöhtem Kopf und Oberkörper gelagert werden, um den schmerzenden Kopf und Nacken zu entlasten. Auch der Griff zu gewissen Getränken kann dazu beitragen, sich bald wieder fit zu fühlen. «Getränke wie Elektrolytdrinks, Fruchtschorle, Mineralwasser, leicht gesalzenes Wasser, alkoholfreies Bier und Bouillon können Betroffenen helfen», ergänzt die Apothekerin.

Prävention eines Sonnenstichs

Die Vorbeugung eines Sonnenstichs ist einfach. Es gibt lediglich einige Punkte zu beachten. So leistet man gemäss Dr. Le-Ha Locher bereits mit dem Meiden von Risikofaktoren wie tageszeiten- und ortsabhängiger starker Strahlung einen zentralen Beitrag. «Menschen, die sich bei starker Strahlungsintensität im Freien aufhalten müssen, wie beispielsweise Feldarbeiter, sollten Kopf und Nacken bedecken – am besten mit hellen Hüten, Kappen oder Tüchern, die Luft zur Kühlung durchlassen», ergänzt die Apothekerin zudem.

Während der Kopf oft gerötet und heiss ist, erhöht sich die Körpertemperatur bei einem Sonnenstich kaum.

Dr. Le-Ha Locher
Was geschieht bei einem Hitzschlag?

Hitzschläge gehören ebenfalls zu den grossen gesundheitlichen Tücken im Sommer. Was bei einem Hitzschlag passiert, weiss Dr. Le-Ha Locher: «Bei einem Hitzschlag wird der Körper so stark überhitzt, dass die Temperaturregelung ausfällt.» Dabei steige die Körpertemperatur auf über 40 Grad an. «Die betroffenen Personen haben zudem einen schnellen Herzschlag, niedrigen Blutdruck und gerötete und trockene Haut», so die Apothekerin. Trotz der Hitze bleibe aber unter Umständen das Schwitzen aus. Die Betroffenen leiden nicht zuletzt häufig an Kopfschmerzen, Erbrechen und Krämpfen. Auch ist das Bewusstsein unter Umständen getrübt. Hitzschläge dürfen auf keinen Fall bagatellisiert werden. «Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall», bekräftigt die Dr. Le-Ha Locher. Anwesende sollten immer sofort einen Notarzt anfordern, Betroffene an einen kühlen Ort bringen, in halbsitzender Lage mit erhöhtem Kopf positionieren und sie trinken lassen, falls die Patienten dazu in der Lage sind.

Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall.

Dr. Le-Ha Locher
Erste Hilfe bei einem Hitzschlag

Die Apothekerin mahnt: «Anwesende sollten Betroffene nicht allein lassen, sie wachhalten sowie Puls und Atmung kontrollieren.» Weiterhin gilt es, den Körper rasch zu kühlen. Dr. Le-Ha Locher erläutert: «Um Hitze aus dem Körper abzuleiten, ist Kühlung nötig. Je nachdem, was den Patienten zumutbar erscheint, sind verschiedene Verfahren möglich.» Sehr schnell wirke, den Kopf unter fliessendes kühles Wasser zu halten. Coolpacks und kalte Umschläge eignen sich gemäss der Apothekerin ebenfalls gut. «Auch Luft zufächeln kann die Abkühlung unterstützen, solange die Patienten nicht frösteln oder frieren», weiss Dr. Le-Ha Locher. Sie fasst zusammen: «Nach einem Hitzschlag ist Schonung ratsam. Betroffene sollten die fachlichen Ratschläge zur Dauer befolgen. In der Regel sind mehrere Tage sinnvoll.»

Einem Hitzschlag vorbeugen

Wie kann man einem Hitzschlag vorbeugen? «Als beste Vorbeugung gegen Hitzschlag gilt, viel zu trinken. Gerade bei Hitze und körperlicher Anstrengung», legt die Apothekerin ans Herz. «Man sollte sich dabei nicht unbedingt auf sein Durstgefühl verlassen. Sinnvoll ist weiter, sich bei Hitze keine übergrossen Belastungen zuzumuten. Lockere, leichte Kleidung erleichtert den Wärmeaustausch am Körper.»

Blasenentzündungen

Blasenentzündungen kommen doch nur im Winter vor. Wie soll man den im Sommer eine bekommen, wo es doch so schön warm ist? So lautet leider ein weitverbreiteter Irrtum. Frauen sind weitaus mehr betroffen als Männer. Warum lauert im Sommer ebenfalls die Gefahr einer Blasenentzündung? «Das im Badewasser enthaltene Chlor greift die Scheidenflora an und stört das physiologische Scheidenmilieu», berichtet die Apothekerin. «Dies begünstigt Infektionen der Scheide und der Harnblase, welche in der Regel von körpereigenen (Darm-)Bakterien verursacht werden.»

Behandlung einer Blasenentzündung

Erwischt einen dennoch eine Blasenentzündung, lässt sich diese vergleichsweise einfach behandeln. «Viele unkomplizierte Blasenentzündungen lassen sich heilen, indem man reichlich Flüssigkeit (zum Beispiel Nierenblasentees, Preiselbeersaft, D-Mannose) trinkt. So werden die Erreger ausgeschwemmt», weiss Dr. Le-Ha Locher. 

Sollten die Symptome nach einigen Tagen nicht nachlassen, können Antibiotika eingesetzt werden. Das gleiche gilt bei immer wiederkehrenden Blasenentzündungen. 

Viele unkomplizierte Blasenentzündungen lassen sich heilen, indem man reichlich Flüssigkeit trinkt.

Dr. Le-Ha Locher

Zur Prävention sind gemäss der Apothekerin folgende Massnahmen empfohlen: regelmässiges Wasserlassen und die vollständige Entleerung der Blase, damit sich die Keime im Harn weniger vermehren können. Weiterhin sollte man eine Unterkühlung am Unterbauch vermeiden, etwa durch nasse Badekleidung. Last but not least ist es nochmal wichtig zu betonen, dass sowohl bei der Vorbeugung wie auch bei der Therapie einer Blasenentzündung die ausreichende Wasserzufuhr ausschlaggebend ist. 

Frau mit Wärmeflasche
Finger weg von stark gekühlten Getränken!

Apropos Getränke: An besonders heissen Tagen greift man rasch zu einem stark gekühlten Getränk. Doch auch dies sollte vermieden werden. Dr. Le-Ha Locher weiss: «Stark gekühlte Getränke haben an heissen Tagen einen zu grossen Unterschied zur Körpertemperatur. Dadurch wird der Kreislauf belastet und es kann zu Magenproblemen kommen.» Der menschliche Organismus reagiere darauf, indem er anfängt, Wärme zu produzieren. Letzten Endes erreicht man so genau das Gegenteil der erwünschten Kühlung. Dr. Le-Ha Locher warnt: «In extremen Fällen kann es zu einem Kreislaufkollaps kommen.» Warme Getränke schonen hingegen den Kreislauf und haben eine kühlende Wirkung. «Dies klingt zwar paradox, wird aber in wärmeren Ländern so praktiziert», weiss die Apothekerin. So werde in arabischen Teestuben zum Beispiel gerne Pfefferminztee serviert; in asiatischen Ländern ist Grüntee sehr beliebt. 

Stark gekühlte Getränke haben an heissen Tagen einen zu grossen Unterschied zur Körpertemperatur. In extremen Fällen kann es so zu einem Kreislaufkollaps kommen.

Dr. Le-Ha Locher
Wieviel trinken?

Im Allgemeinen hängt der individuelle Flüssigkeitsbedarf von verschiedenen Umständen wie dem Körpergewicht ab. «Dazu gibt es für Erwachsene im Alter von 19 bis 50 Jahren eine Faustregel: Sie sollten pro Kilogramm Körpergewicht täglich 35 Milliliter Wasser durch Trinken und Essen zu sich nehmen. Bei einer Person mit 57 Kilo ergibt sich ein Tagesbedarf von rund 2 Litern», so die Apothekerin.

Erste Hilfe bei einem Grillunfall

Warme Sommertage und -abende laden zum Grillen ein. Doch ein Grillunfall mit schweren Verbrennungen geschieht schneller, als man denkt. Auch hier ist das richtige Handeln von enormem Wert. «Rufen Sie bei schweren Verbrennungen mit Blasenbildung und bei grossflächigen Verbrennungen den Notarzt», legt Dr. Le-Ha Locher ans Herz. «Verbrennungen im Gesicht oder das Einatmen heisser Luft können lebensbedrohlich werden.» Löschen Sie eine grössere Brandverletzung nur kurz ab. Denn eine länger andauernde Kühlung mit Wasser kann bei großflächigen Verletzungen eine Unterkühlung nach sich ziehen. Bedecken Sie die Wunde mit einem Brandwundenverbandtuch aus dem Verbandskasten im Auto. Verwenden Sie für die Kühlung der Wunde kein Eis, sondern Wasser mit Zimmertemperatur. «Hausmittel wie Salben, Öle oder Mehl gehören nicht auf eine Brandwunde», bekräftigt die Apothekerin.

Hausmittel wie Salben, Öle oder Mehl gehören nicht auf eine Brandwunde.

Dr. Le-Ha Locher
Grillunfällen vorbeugen

Doch auch einem Grillunfall kann man mit dem Beachten einiger Punkte vorbeugen. Dr. Le-Ha Locher gibt Tipps: «Giessen Sie niemals flüssigen Brennstoff wie Spiritus, Benzin oder andere Brandbeschleuniger auf die heisse Kohle. Stellen Sie sicher, dass der Grill auf festem Untergrund und sicher steht. Für Notfälle halten Sie einen Eimer mit Löschwasser in Reichweite.» Es sei zudem wichtig, auch Kinder über die Gefahren eines Grills zu informieren, damit dieser beim Spielen nicht umfällt. Zudem kann einem Grillunfall entscheidend vorgebeugt werden, indem sichergestellt ist, dass keine alkoholisierte Person den Grill bedient. 

Rasche Hilfe kann lebensrettend sein. Mehr dazu gibt es hier.

Text Lars Gabriel Meier

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