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28 September 2020

«Porsche steht für emotionale Erlebnisse».

Als international renommierter Autohersteller prägt Porsche seit mehreren Jahrzehnten die Mobilität. Detlev von Platen, Vorstand für Vertrieb und Marketing der Porsche AG, spricht im Interview über die Entwicklung der Mobilität, wie man sich das Auto der Zukunft vorstellen kann und wieso Porsche besonders in der Schweiz so beliebt ist.

Herr Detlev von Platen, die Mobilität hat sich seit der Erfindung des Rades vor mehreren tausend Jahren enorm gewandelt. Welche Entwicklungen haben die Mobilität seit damals am stärksten geprägt?

Die Erfindung des Autos ist sicherlich eine der wichtigsten Entwicklungen in der Geschichte der Menschheit. Schliesslich hat damit das Zeitalter der flexiblen Mobilität begonnen. Porsche hat daran von Anfang an entscheidend mitgewirkt. Viele wissen gar nicht, dass unsere Anfänge elektrisch waren: 1898 mit dem Egger-Lohner Phaeton C.2. Heute setzen wir die kühnen Ideen unseres Unternehmensgründers Ferdinand Porsche fort – 120 Jahre später, mit dem ersten vollelektrischen Porsche, dem Taycan.

Welche aktuellen Entwicklungen sind in Bezug auf Mobilität am meisten hervorzuheben?

Das Mobilitätsverhalten der Menschen verändert sich seit einigen Jahren massiv. Im urbanen Umfeld ist es heute nicht mehr überall zwingend notwendig, ein Auto zu besitzen. Gleichzeitig wird Mobilität dank neuer Angebote einfacher, komfortabler und attraktiver. Durch die Digitalisierung sind es Kunden vermehrt gewöhnt, dass unterschiedliche Angebote in einem Ökosystem vernetzt sind. Auch wir haben den Anspruch, ein exklusives Mobilitätserlebnis aus einer Hand anzubieten. Deswegen bauen wir beispielsweise unsere neuen Mobilitätsangebote stetig aus, wie Fahrzeug-Abo-Modelle oder Premium-Vermietungen.

 Was fasziniert Sie persönlich an Mobilität?

Mobilität ermöglicht individuelle Beweglichkeit und damit Freiheit. Es ist ein Urbedürfnis des Menschen. Zugleich ist sie ein entscheidender Faktor für den Wohlstand in unserer Gesellschaft – gemeinsam mit Produktivität und verfügbarer Energie. Für mich persönlich bedeutet Mobilität letztlich Lebensqualität. 

Mobilität ermöglicht individuelle Beweglichkeit und damit Freiheit.

Detlev von Platen
Sie wurden als Sohn deutscher Eltern in Frankreich geboren, später haben Sie unter anderem in Ihrem Geburtsland, Deutschland und den USA gearbeitet. Welche Besonderheiten und Unterschiede lassen sich international in Bezug auf Mobilität beobachten?

Alle drei sind traditionell Auto-Länder. In Frankreich ist das Gefälle zwischen Paris und dem Rest des Landes auffällig. In der Hauptstadt haben beispielsweise nur ein Drittel der Einwohner ein Auto, im Rest des Landes sind es 94 Prozent. Der Schnellzug TGV vernetzt das gesamte Land. Das ist vergleichbar mit Deutschland. In den USA spielt Individualität sicherlich die grösste Rolle. Den öffentlichen Personennahverkehr gibt es nur in einigen grossen Städten, wie New York oder San Francisco. Gerade dort – im Silicon Valley – werden aber auch viele Innovationen bei Mobilität geboren und weiterentwickelt. 

Inwieweit prägt Mobilität Ihren privaten Alltag? Mit welchem Transportmittel sind Sie häufig unterwegs?

Ich bin ein leidenschaftlicher Autofahrer – natürlich am liebsten in einem Porsche. Zugleich fühle ich mich «in der Welt daheim» – und das nicht nur wegen meines Jobs. Ich bin nach wie vor gern in meiner alten und zweiten Heimat USA. Aufgrund von Corona ist das natürlich im Moment kaum möglich. Grundsätzlich ist das Flugzeug für mich aber auch ein wichtiges Verkehrsmittel und ein tolles Hobby – ich bin selbst privat Pilot.

Porsche erfreut sich weltweit grosser Beliebtheit. Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für diese Popularität?

Als exklusive Marke wecken wir eine hohe Begehrlichkeit. Unsere Produkte sind hoch emotional und werthaltig. Etwa 70 Prozent aller jemals gebauten Porsche-Fahrzeuge sind heute noch unterwegs. Noch wichtiger aber: Porsche steht für die Erfüllung von Lebensträumen. Jeder, der schon einmal in einem Porsche hinterm Steuer sass, weiss: Das ist ein ganz besonderes Gefühl.

«Wenn Sie einen Porsche fahren, bleiben Sie immer jung», werden Sie in einem weiteren Interview zitiert. Welche Gründe sind dafür verantwortlich, dass man mit einem Porsche jung bleibt?

Zunächst einmal sind alle Porsche-Fahrzeuge Sportwagen, auch die SUV. Auch Cayenne und Macan zeichnen sich durch die Porsche-typische Sportlichkeit und Performance aus. Zugleich sind unsere Fahrzeuge absolut zeitlos. Über Fahrzeuggenerationen hinweg sind bestimmte Design-Merkmale immer gleichgeblieben. 

Porsche baut bereits seit mehr als 70 Jahren Sportwagen. Auf welche Entwicklungen in dieser Zeit sind Sie am meisten stolz?

Was mich stolz macht, ist unser Team-Spirit bei Porsche. Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt. Das hat uns bisher aus jeder Krise gestärkt hervorgehen lassen. Gleichzeitig erfüllt mich auch die Porsche-Community mit Stolz. Weltweit hegen Menschen eine enorme Begeisterung für diese Marke. Sie schliessen sich zusammen, teilen ihre Leidenschaft und bilden eine einzigartige Gemeinschaft. Auch sie machen Porsche letztlich aus. 

«Nur weil Porsche sich stets verändert hat, ist Porsche immer Porsche geblieben», heisst es in einem Brief des Vorstandes der Porsche AG aus dem letzten Jahr. Wodurch zeichnet sich Porsche noch aus?

Porsche steht für emotionale Erlebnisse. Für Gänsehaut. Mit Porsche Experience Centers schaffen wir beispielsweise einmalige Anlaufstellen für Kunden und Fans der Marke. Hier können sie die Fahrzeuge auf verschiedenen Fahrstrecken testen und Gleichgesinnte treffen. Im kommenden Jahr werden wir das weltweit achte dieser Einrichtungen eröffnen – im italienischen Franciacorta. Porsche steht aber auch für handwerkliche Wertigkeit und hohe Individualisierbarkeit. Wir bieten unseren Kunden mehr als 700 Optionen im Konfigurator. Wem das nicht reicht, der kann sein Fahrzeug in der «Porsche Exclusive Manufaktur» weiter veredeln. Es gibt damit im Grunde keinen Porsche zwei Mal auf der Welt. 

Apropos Veränderungen: Wie kann man sich allgemein das Auto der Zukunft vorstellen?

Das Auto der Zukunft ist digital vernetzt und intelligent. Es kommuniziert mit anderen Fahrzeugen, dem Fahrer und der Umwelt. Zugleich besteht es in zahlreichen Antriebsvarianten. Die Bedeutung der Elektromobilität wird dabei immer weiter zunehmen – wir sehen in dieser Technologie grosses Potenzial. Ab 2025 werden wir jeden zweiten Porsche mit elektrischem Antrieb verkaufen – sei es rein-elektrisch oder als Hybrid. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele Autos der Zukunft autonom unterwegs sein werden. Das gilt für Porsche allerdings weniger – das Fahren macht mit unseren Autos einfach zu viel Spass. Trotzdem gibt es natürlich Aspekte des automatisierten Fahrens, die auch für uns interessant sind. Beispielsweise Stauassistenten oder automatisches Einparken.

Nachhaltigkeit ist aktuell so wichtig wie noch nie. Wie setzt Porsche dies um?

Porsche sieht Nachhaltigkeit als unternehmerische Verpflichtung. Wir haben seit Jahren eine klare nachhaltige Produktstrategie und setzen auf einen Dreiklang bei den Antriebsarten: emotionale Benziner, dynamische Plug-in-Hybride und innovative Elektro-Sportler. Unser Langfristziel ist die Zero-Impact-Company. Das ist aber nicht alles – wir verfolgen Nachhaltigkeit auch sozial. Dazu gehört die Förderung von Kindern und Jugendlichen im Jugendsport. Damit geben wir jungen Menschen Disziplin, Teamgeist und Fairness aber auch eine Orientierung für die eigene Lebensplanung.

Welche weiteren Ziele möchte Porsche in Zukunft noch erreichen?

Wir wollen den Wandel der Mobilität aktiv mitgestalten. Mit Porsche-eigenen Antworten auf die Frage, wie sich Mobilität bis 2030 entwickelt. Deswegen investieren wir massiv – allein für neue Technologien 15 Milliarden Euro in den nächsten fünf Jahren. Wir wollen als starke Marke auch in Zukunft Menschen begeistern und echte Erlebnisse schaffen, die unter die Haut gehen. Und wir wollen wirtschaftlich stabil aufgestellt bleiben, um der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können. 

Sie sind bei Porsche auch für den Schweizer Markt zuständig – was unterscheidet die Schweiz allgemein von anderen Ländern in Bezug auf Mobilität?

Unter den Schweizern haben wir viele Fans. Das Land gehört weltweit zu jenen Ländern mit sehr hoher Porsche-Dichte. Wir haben hier eine lange Tradition. Der erste Kunde eines Serien-Porsche war eine Zürcherin: Jolantha Maria Tschudi. Gleichzeitig bietet das Land einen tollen Nährboden für Innovationen. Die Schweizer sind sehr affin für neue Technologien. Hier gibt es viele «early adopters». Auch für Elektromobilität hat die Schweiz tolle Voraussetzungen: die kleine Landesfläche und kurze Arbeitswege. Gepaart mit dem hervorragend ausgebauten Netz von Schienen, Strassen und öffentlichem Verkehr würde ich sagen: ein Land mit Vorbildcharakter. 

Der erste Kunde eines Serien-Porsche war eine Zürcherin: Jolantha Maria Tschudi.

Detlev von Platen
Welche weiteren Trends in der Mobilität erwarten uns in Zukunft?

Die dritte Dimension der Mobilität, sprich: Urban Air Mobility, ist ein spannendes Zukunftsszenario. Bei Porsche beschäftigen wir uns damit ganz konkret. Gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Boeing analysieren wir das Potenzial des Marktes für Premium-Produkte und -services. Auch arbeiten wir an einem Konzept für ein vollständig elektrisches Fluggerät, das senkrecht starten und landen kann. Ingenieure beider Unternehmen sowie der Porsche-Töchter Porsche Engineering Services GmbH und Studio F.A. Porsche arbeiten dies derzeit aus. 

Welche Wünsche haben Sie persönlich für die Zukunft der Mobilität im Allgemeinen?

Ich bin überzeugt: Die Mobilität der Zukunft wird vernetzter, nachhaltiger und noch sicherer. Sie wird an Vielseitigkeit gewinnen. Ein Wunsch in dem Zusammenhang ist es, dass Mobilität auch in Zukunft Fahrspass und Leidenschaft bedeutet. Zu all dem wollen und werden wir bei Porsche auch weiterhin einen Beitrag leisten. 

Interview Lars Gabriel Meier Bild Alexander Fischer

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