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26 Februar 2021

Mike Oesch: «Ich habe Halt in der Musik gefunden».

Im Gespräch mit «Fokus» spricht Mike Oesch, Bassist der Volksmusikgruppe «Oesch’s die Dritten», über sich, die Familie und wie das Leben so spielt.

Herr Mike Oesch, wie würden Sie sich selbst beschreiben?

Das ist immer eine schwierige Frage (lacht). Ich bin zielstrebig, ehrgeizig und offen. Ich mag den Kontakt mit Menschen, bin von Typ her doch eher zurückhaltend und ruhig. Also wenn eine Gruppe mit Leuten zusammensteht bin ich nicht derjenige, der gleich drauflosredet. So ähnlich ist es ja auch in der Musik: Als Bassspieler bin ich eher im Hintergrund und weniger an der Front.

Wie ist das Leben in einer Musiker-Familie?

Vorneweg möchte ich sagen, dass ich es als Riesenglück empfinde als Familie musizieren zu dürfen. In unserem Fall ist die Familie gleichzeitig auch Band und Arbeitgeber. Wir sind also auch ein kleines KMU, ein Familienunternehmen der etwas anderen Art. Mit unserer Band «Oesch’s die Dritten» sind wir mehr als 100 Tage im Jahr für Konzerte, Promo- oder Studiotermine unterwegs und das im In- und Ausland. Das finde ich toll und ich kann mir vorstellen, dass viele nur von so etwas träumen. Klar ist die Trennung zwischen Familie und Band nicht immer ganz einfach, jeder hat seine eigene Meinung und aus Sicht der Band werden gewisse Sachen anders entschieden, als man dies als Familie tun müsste. Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen gehören auch dazu. Deshalb brauche ich manchmal auch Zeit für mich. Das Schöne an unserer Familienband ist, dass wir uns auch ohne Worte verstehen und die Musik unser gemeinsamer Nenner ist. Schon oft haben wir uns nach einer guten Probe schneller und besser einigen können.

In unserem Fall ist die Familie gleichzeitig auch Band und Arbeitgeber.

Mike Oesch
Corona hat den Kulturbetrieb durcheinandergebracht. Wie erleben Sie die Coronakrise?

Auf zwei Arten: Ich habe mehr Zeit für mein Privatleben und um etwas zu unternehmen. Ich habe die Zeit auch genutzt um zu reflektieren, was die wichtigen Punkte im eigenen Leben sind. Es tut gut sich einmal mit sich selbst und dem Umfeld auseinandersetzen. Geschäftlich gesehen, ist es für uns sehr schwierig. Die Musikbranche leidet sehr unter den strengen Massnahmen. Dass wir Anfang Oktober das neue Album «Die Reise geht weiter» veröffentlichen konnten, war ein Lichtblick. Für die Fans gab es endlich neue Oeschmusik und wir konnten einige tolle Promotermine wahrnehmen. Natürlich proben wir oft und schreiben an neuen Songs, aber wenn man nicht auf der Bühne stehen kann, ist das nicht dasselbe. Als Musiker leben wir für die Musik, den Applaus und die Atmosphäre.

Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit?

Ich glaube, dass man die jetzige Situation auch als Chance sehen darf. Anfangs dachten ja viele, dass wir das mit Corona einfach aussitzen können. Auch familienintern merkten wir bald, dass dem nicht so ist und
uns die Krise noch länger beschäftigen, beziehungsweise uns in unseren gewohnten Arbeiten blockieren wird. Deshalb haben wir uns zusammengesetzt und Ideen gesammelt. Was können wir wie anpassen für die Zukunft? Welche Ideen können wir umsetzen? Ich sehe zum Beispiel auf der kreativen Eben sehr viel zu tun. So versuchen wir, die Krise als Chance zu nutzen und neue Ideen zu entwickeln, auch wenn der in den letzten Jahren gut strukturierte Alltag nun erstmal über den Haufen geworfen wurde.

Ich glaube, dass man die jetzige Situation auch als Chance sehen darf.

Mike Oesch
Wie haben Sie die Leidenschaft zur Musik entdeckt?

In unserer Familie wurde seit jeher Musik gemacht. So kamen wir schon als Kinder mit Musik und speziell mit Volksmusik in Kontakt. Schon von klein auf wollten wir mitmachen. Die Musik wurde zum gemeinsamen Hobby. Dass die Musik mal unser Beruf wird, war nie geplant. Sie fahren auch noch gerne Ski. Wie kam es zu dieser Leidenschaft? Die Leidenschaft fürs Skifahren habe ich von meiner Mutter geerbt. Sie war in jungen Jahren selbst aktiv im Skisport und hat später viele Jahre als Kinderskilehrerin gearbeitet. Von Oberlangenegg aus, wo ich aufgewachsen bin, liegt der nächste Skilift im Eriz und nur rund 15 Minuten von zuhause entfernt. Als Mitglieder des Skiclub Bärgchutze haben wir so manchen freien Mittwochnachmittag auf Eriz’ Skipisten verbracht. Da ist wohl auch meine Leidenschaft für den alpinen Skirennsport gewachsen. Ich bin heute sehr dankbar dafür. Als Jugendskitrainer darf ich nun meine Erfahrungen im Skirennsport weitergeben und das macht mir extrem viel Spass.

Wie sieht Ihr perfekter Skitag aus?

Wenn man frühmorgens als einer der ersten hoch auf den Berg kann und dort perfekte Pisten mit Sonnenschein vorfindet. Als erster seine Bögen im Schnee zu ziehen, ist einfach einmalig. Wenn Pisten verfahren sind, ist es nicht mehr das, was man sich als Skirennläufer so vorstellt.

Vom KV-Angestellten mit dem Traum des Profiskisports zum bekannten Musiker – wie findet man seinen Weg im Leben?

Mein Plan war es nie professioneller Musiker zu werden. Eigentlich wollte ich Profiskifahrer werden. Für die Erfüllung dieses Traums habe ich als Kind und als Jugendlicher alles gegeben. Aufgrund einer Verletzung musste ich diesen Traum jedoch aufgeben. Mit solchen Rückschlägen muss man im Leben manchmal umgehen können. Der Weg zur Musik hat sich durch andere Interessen und Hobbys geebnet. Wenn man offen ist für unerwartete Wege und darauf vertraut, dass es gut kommt, ergeben sich so immer Möglichkeiten. Klar war es eine schwierige Entscheidung, den professionellen Skisport aufzugeben. Damals habe ich Halt in der Musik gefunden. Ich hatte extremes Glück, dass es sich so ergeben hat. Zudem nützt mir auch die KV-Ausbildung: Schliesslich darf ich mit der Band eine Firma mitführen. Ich bin dankbar dafür, wie sich mein Weg entwickelt hat.

Entweder – oder

Fondue oder Raclette?

Fondue

Skiferien oder Strandurlaub?

Skiferien, klar! (lacht)

Glühwein oder Punsch?

Punsch.

In der Freizeit: Snowboarden oder Skifahren?

Skifahren.

Einen Schneemann bauen oder einen Schneeengel machen?

Schneemann.

Schlittschuhlaufen oder Schlitteln?

Hmm… Schlitteln?

Hotel oder Ferienwohnung?

Lieber ein Hotel.

Wie sehen andere Künstler die Musik? Cyrille Formaz hier im Interview.

Interview Kevin Meier
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