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Zürich
11 April 2021

Die Rettung der Gletscher im Wettlauf gegen die Zeit.

Der Eisverlust der Gletscher ist erschreckend. Im Kampf gegen den Klimawandel darf keine Zeit mehr verschwendet werden. Wie kann das Wegschmelzen der Gletscher also verhindert werden? Im Oberengadin in der Nähe von Pontresina testet man zwei neue Innovationen, die die Zukunft der Gletscher retten sollen.

Das Klima hat sich noch nie so rasant verändert. Die Ozeane erwärmen sich, der Meeresspiegel steigt, die Gletscher schmelzen. Schuld an alledem ist der Mensch. Mit dem energieverbrauchenden Lebensstil treibt er die Temperaturen der Erde immer weiter nach oben.

Gerade Gletscher, die bedeutendsten Süsswasserspeicher des globalen Wasserhaushalts überhaupt, sind eine der klimasensitivsten Regionen. Mit dem Verschwinden von Gletschern wird die Wasserversorgung von Millionen Menschen zu einem ernsthaften Problem. Die existenzbedrohende Wasserknappheit soll nun im Rahmen des Projekts «MortAlive» bewältigt werden.

Im Oberengandin bei der Talstation der Diavolezza Bahn am Fusse des Morteratsch Gletschers befindet sich eine Experimentieranlage, welche zwei innovative Technologien testet. Zum einen die einzigartige, bodenunabhängige Schneiseil-Technologie und zum anderen sogenannte Eis-Stupas. Beide Technologien sollen dabei helfen, den Süsswasserspeicher über mehrere Generationen fortbestehen zu lassen.   

Wie funktioniert der Eis-Stupa?

Der Eis-Stupa hat seinen Ursprung in Indien. Um genauer zu sein in der kalten Region Ladakhs. Die Erfindung selbst stammt von Sonam Wangchuck, ausgebildeter Maschinenbauingenieur und Innovator.   

Eis-Stupas sind künstlich geschaffene Eiskegel zur Speicherung von im Winter ungenutztem Schmelzwasser. «Man sammelt also das Wasser, bringt es in eine Leitung und spritzt es von oben nach unten», so der Glaziologe Felix Keller. Demnach bringt man das Schmelzwasser durch ein Schlauchsystem in eine Düse, sprüht vertikal auf eine kegelförmige Holzstruktur, welche dann zu einem Eiskegel gefriert. Diese können bis zu vierzig Meter hoch werden. «Das ist ja wie ein Kirchturm! Da staunt man», erklärt Felix Keller mit einem Lächeln. 

Diese Eisskulpturen halten zwar das Verschwinden der Gletscher nicht auf, sie helfen aber dabei, einige der Folgen zu lindern. In Ladakh versorgt diese Technik immerhin schon Bauern während der Trockenzeit mit genügend Wasser zur Bewässerung ihrer Plantagen.

Zeigt wie eine Ice Stupa aussieht.
Der Ice Stupa wird hier aufgebaut. Die Holzstruktur ist fertig und bereit für das sprühende Schmelzwasser.
Die Schnei-Seil-Technologie

Die Schneiseil-Technologie ist eine Kombination der Schweizer Seilbahn-Technologie und der Beschneiungstechnologie, welche fast energielos funktioniert. Letzteres ist dazu im Stande, nur mit der Nutzung der Wasserkraft Schnee herzustellen. Das Ergebnis ist eine Schneileitung, die direkt an zwei Tragseilen aufgehängt werden kann. Diese Tragseile können bis zu einem Kilometer lang werden und insgesamt 150 Schnei-Düsen integrieren. Ein Seil allein kann schlussendlich 5000 Tonnen Schnee pro Tag produzieren.

Diese revolutionäre Schneiseil-Technologie soll dazu genutzt werden, die Gletscher mit Schnee zu überdecken. Denn die Gletscher können nur erhalten bleiben, wenn man sie im heissen Sommer mit einer Schneeschicht bedeckt. «Schnee ist der beste Eisschutz, den man sich vorstellen kann. Er reflektiert das Sonnenlicht und isoliert vor den warmen Lufttemperaturen. Die Energie, die trotzdem eindringt, wird dann gebraucht, um den Schnee zu schmelzen. Anders gesagt: Unter dem Schnee schmilzt kein Milligramm Eis», erläutert Felix Keller.  

Zeigt wie die Schneiseil-Technologie aussieht.
Die neue Schneiseil-Technologie an der Talstation Diavolezza, welche gerade dabei ist Schnee zu produzieren.

Die Kosten betragen dabei für ein Seil allein 3 Millionen Schweizer Franken. Grob geschätzt kommt man bei der ganzen Gletscherbeschneiung auf etwa 100 Millionen Franken. «Das klingt im ersten Moment nach sehr viel. Ein solches Projekt macht aber nur Sinn, wenn man es während dreissig Jahren durchführt. 100 Millionen Franken verteilt auf dreissig Jahre. Ich glaube, dass unser Land das schon vertragen kann.»

Kritische Stimmen

Es herrscht aber immer noch Kritik, wenn es um das künstliche Beschneien von Gletschern geht. Kritische Stimmen behaupten, dass dieses Prozedere ein aktiver und negativer Eingriff in die Natur sei. «Den Eingriff in die Natur können wir nicht schönreden», bestätigt Felix Keller. Seiner Meinung nach muss man aber versuchen, ein Teil der Lösung zu sein und nicht des Problems. «Wenn wir den Gletscher einfach so existieren lassen würden, müssen wir davon ausgehen, dass er schmilzt. In meinen Augen ist es deshalb gerechtfertigt, Schnee zu produzieren, wenn es darum geht, den Gletscher zu schützen. Es geht auch darum, unsere Wintersportarten zu erhalten, denn die Gebirgsbevölkerung lebt vom Wintersport. Wenn es uns da gelingt, mittels stromloser Schneeproduktion den Wintersport ökologischer zu machen, dann sehe ich dies als einen wichtigen Beitrag an.»

Mehr über Kunstschnee erfahren? Hier gehts weiter.

Text Evgenia Kostoglacis

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