Die Zürcher Linthescher-Gasse blüht. In hellem Rosa leuchten die Kirschen auf der westlichen Strassenseite. In Japan feiert man um diese Zeit, zu der die Kirschblütenfront Tokio erreicht, das Blumenfest «Hana Matsuri» oder auch «Kan Butsu E» – zu Ehren eines besonderen Geburtstags.
Rund um den 8. April soll im Jahr 563 v. Chr. im nepalesischen Lumbini Siddhārtha Gautama geboren sein. Mit der Entwicklung der Lehre respektive «Dharma» wurde er zum Gründer des Buddhismus und führt seitdem den Ehrennamen Buddha.
Eine Statue des neugeborenen Buddha, deren rechte Hand in den Himmel und deren linke Hand zur Erde weist, wird zu Hana Matsuri in den Tempeln Japans aufgestellt und mit Blumen geschmückt. Wie Kathi Donaczis Bachelorarbeit an der Humboldt-Universität zu Berlin angibt, rief der neugeborene Buddha der Legende nach: «Zwischen Himmel und Erde bin ich allein verehrungswürdig.» Den Tempel selbst gestalten die Gläubigen als Blütentempel, der den Garten Lumbini darstellt.
Ein süsser Tee für starke Kinder
Wer an Hana Matsuri den Tempel besucht, legt Blüten als Opfer nieder und benetzt den Kopf der Statue mit einem speziellen Tee aus den Blättern des Amacha-Strauches, der vor bösen Geistern, Schlangen und Insekten schützen soll. Er symbolisiert einen süssen Nektar, der der Legende nach während Buddhas erstem Bad vom Himmel fiel. Auf dieses Ritual bezieht sich laut Donaczi auch der formale Name des Festes. So bedeutet «kan» soviel wie «giessen», «Butsu» ist das japanische Wort für «Buddha» und «e» bezeichnet die Feier. Kinder, die die Statue begiessen, sollen besondere Kraft erlangen.

Hana Matsuri im Zojo-ji Temple im April 2014. Bild: Wikimedia Commons, Guilhem Vellut, cc-by-2.0, Helligkeit, Kontrast angepasst
Laut Donaczi ist Kan Butsu E vor allem ein Kinderfest. Die Kinder sind es, die am Vorabend die Gebetshalle schmücken und die Jungen unter ihnen übernachten auch dort. Morgens kochen sie den süssen Tee.
Die Paraden mit dem weissen Elefanten
Die Kirschblüte, die sich neben anderen Blumen im Inneren des Tempels findet, setzt sich zu Hana Matsuri als Motiv auf Lampions und Bannern an den Strassen fort. Dort finden bunte Umzüge statt, mit Festwagen und Menschen in Kimonos. An der Spitze laufen Kinder und streuen Blüten.

Shaka (Buddha) bei der Geburt und Waschbecken Bronze, Statuenhöhe 47 cm, Durchmesser des Beckens 89 cm, 8. Jahrhundert, Tōdai-ji, Nara, Japan. Bild: ASUKAEN ed. ,TOYO-BIJYUTU Special Issue NARA period 2nd, 1933-02-01
Auch der neugeborene Buddha findet sich in den Paraden wieder, auf dem Rücken eines weissen Elefanten. Dieser ist nicht zufällig gewählt, denn der Legende nach träumte die kinderlose Maya eines Nachts von einem weissen Elefanten, der seitlich in ihren Körper eindrang. Entsprechend gebar sie ihren Sohn Shakyamuni, wie der Buddha auch genannt wird, aus ihrer rechten Seite. Aufgefangen wurde das Kind von einer Lotusblüte.

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