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Hollywood Porträt

Anne Hathaway: «Unser globales Wirtschaftssystem lässt Frauen im Stich»

31.01.2026
von Marlène von Arx

Anne Hathaway war 17, als ihr mit »The Princess Diaries« der große Durchbruch gelang. Seitdem arbeitete die Schauspielerin mit den gefragtesten Regisseuren (Christopher Nolan, Tim Burton) und Co-Stars (Meryl Streep, Robert De Niro) in Hollywood zusammen und gewann schließlich einen Oscar. Ihr Erfolgswille hörte aber da nicht auf: Sie kämpft auch beharrlich für ihre Familie und setzt sich für Gleichberechtigung in der Welt ein.

Freuen Sie sich schon auf Frühling 2026? Die Fans von »The Devil Wears Prada« tun es auch, denn Anne Hathaway kehrt als Andy Sachs in der lang erwarteten Fortsetzung der Hitkomödie zurück. Zwanzig Jahre nachdem der Kassenschlager die Schauspielerin international berühmt machte und Emily Blunt der Welt vorstellte, sind die Fashionistas Andy und Emily zurück – jetzt vermutlich in einem ausgeglicheneren Verhältnis zu Miranda Priestly (Meryl Streep), die damals als einflussreiche und schwierige Chefredakteurin eines Modemagazins die Chefin der beiden war. Die Fortsetzung basiert möglicherweise lose auf Lauren Weisbergers Roman »Revenge Wears Prada: The Devil Returns«, der 2013 erschien. Nur so viel: Im Roman treffen sich die ehemaligen Kolleginnen Andy und Emily zehn Jahre nach ihrer traumatischen Zeit als Mirandas Untergebene zufällig in einem Kochkurs wieder und beschließen, gemeinsam ein Brautmagazin zu gründen. Für den Film wurde das Brautmagazin gestrichen. Stattdessen arbeitet Emily für eine Luxusmarke und Miranda hat es auf ihre Werbebudget-Dollars abgesehen. Denn Printmagazine kämpfen bekanntlich ums Überleben. Andy ist inzwischen eine erfolgreiche Journalistin und wird wieder in die Fashion-Welt hineingezogen, als Miranda eine globale Modeinitiative mit Fokus auf Nachhaltigkeit startet.

Anne Hathaway wird 2026 nicht nur in »The Devil Wears Prada 2« zu sehen sein. Die 42-jährige Schauspielerin ist derzeit sehr beschäftigt. Sie hat je ein Mystery-Drama mit Ewan McGregor bzw. Dakota Johnson abgedreht sowie einen Geisterfilm, in dem sie einen Pop-Star verkörpert. Hinzu kommen »The Princess Diaries 3« und Christopher Nolans neuester Blockbuster: seine Verfilmung von Homers »Odyssee«, in der sie an der Seite von Matt Damon Odysseus’ Frau Penelope spielt, die auf die Rückkehr ihres Mannes aus dem Trojanischen Krieg wartet. Es ist ihre dritte Zusammenarbeit mit dem Regisseur. Hathaway glaubt, Nolan ihre Karriere zu verdanken, nachdem sie nach dem Oscar-Gewinn 2012 als Beste Nebendarstellerin in »Les Misérables« kaum noch Rollenangebote bekam.

Anne Hathaway

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Christopher Nolan als Retter in der Not

Inzwischen weiß niemand mehr so genau, wie und warum alles begann, aber plötzlich erschien der Hashtag #HathaHate im Internet: Angeblich war die erfolgreiche Frau zu perfekt, zu ehrgeizig, zu ernsthaft, zu nett, zu dies und zu das. Anne Hathaway hatte gerade einen Oscar für »Les Misérables« gewonnen und es ging ihr tatsächlich mies. »Viele wollten mir keine Rollen geben, weil sie besorgt darüber waren, wie toxisch meine Onlinepräsenz geworden war«, sagte Hathaway 2024 gegenüber der Zeitschrift Vanity Fair. »Ich hatte einen Engel in Christopher Nolan, dem das egal war und der mir eine meiner schönsten Rollen in einem der besten Filme gab, in denen ich mitgewirkt habe.« Die Rede ist natürlich von »Interstellar«. Sie spielte darin eine Nasa-Wissenschaftlerin, die für die Planetenkolonisierung zuständig ist. Nolan hatte sie zuvor schon als Catwoman in »The Dark Knight Rises« engagiert und arbeitete gerne wieder mit ihr zusammen. »Demütigung ist eine sehr schwierige Angelegenheit«, so Hathaway weiter. »Das Wichtigste ist, sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Du musst mutig bleiben und das ist nicht immer einfach, weil man denkt: ›Wenn ich auf Nummer sicher gehe, mich im Mittelfeld halte und nicht zu viel Aufmerksamkeit auf mich ziehe, passiert mir nichts.‹ Aber wenn du das willst, dann werde nicht Schauspielerin. Als Schauspielerin bist du wie eine Seiltänzerin hoch über dem Boden, du bist eine Draufgängerin. Du verlangst von den Leuten, dass sie ihre Zeit, ihr Geld, ihre Aufmerksamkeit und ihre Zuneigung in dich investieren. Also musst du ihnen auch etwas geben, das das alles wert ist. Und wenn es dich nichts kostet, was bietest du dann wirklich an?«

Als Schauspielerin bist du wie eine Seiltänzerin hoch über dem Boden, du bist eine Draufgängerin. – Anne Hathaway

Neues auszuprobieren und sich selbst herauszufordern, ist Anne Hathaways Antrieb als Schauspielerin. Als der Lockdown während der Pandemie begann, war sie eine der ersten Schauspielerinnen, deren Projekt unter Coronabedingungen gedreht wurde. »The Lockdown« entstand in London mit zusätzlichen Bildschirmen, Masken, Abstandsregeln, Quarantänebestimmungen und häufigen Covid-Tests. »Wenn ich nicht das Gefühl hätte, aus jedem Film etwas zu lernen, würde ich wahrscheinlich zurücktreten und jemand anderem eine Chance geben, denn es gibt viele, die diesen Job machen wollen«, erzählte sie damals in unserem Zoom-Interview. »Bei diesem Film habe ich vor allem gelernt, wie befreiend es sein kann, loszulassen, nicht so viel Kontrolle über die eigene Performance zu haben, weil so vieles außerhalb unserer Kontrolle liegt, so viele Einschränkungen schon bei der Produktion selbst, so viele Gründe, warum wir alle dachten, es sei unmöglich. Aber wir haben uns trotzdem dafür entschieden. Es ging also nicht darum, Ausreden zu finden, sondern darum, tief in uns zu gehen, unsere Kreativität zu entdecken und sie einzusetzen, um Lösungen für die Probleme zu finden.«

Für Gleichheit und Gerechtigkeit zu Hause und auf der ganzen Welt

Ihr Bestreben, Probleme zu lösen und die Welt um sich herum zu verbessern, beschränkt sich nicht nur auf Filmsets. Seit 2016 ist sie Goodwill-Ambassadorin der United Nations Women und setzt sich für die Rechte von Frauen und Mädchen sowie für Geschlechtergleichstellung, bezahlbare Kinderbetreuung und geteilte Elternzeit ein. Am Internationalen Frauentag im vergangenen Jahr sprach sie über die Investition in Frauen, um den Fortschritt zu beschleunigen. »Unser globales Wirtschaftssystem lässt Frauen im Stich«, sagte sie in einer Videobotschaft und unterstrich, dass nur vier Prozent der öffentlichen Entwicklungshilfe (ODA) für die Stärkung der Rolle der Frau und weniger als ein halbes Prozent für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen ausgegeben wird. »Die weltweiten Militärausgaben stiegen im vergangenen Jahr um neun Prozent auf den Rekordwert von 2,2 Billionen Dollar«, fuhr sie fort. »Wie können wir akzeptieren, dass dieses Geld so bereitwillig zur Verfügung steht, wenn nur ein Bruchteil davon – zusätzliche 360 ​​Milliarden Dollar pro Jahr – Geschlechtergleichstellung bei wichtigen globalen Zielen wie der Bekämpfung von Armut und Hunger erreicht werden könnte?«

Das Bewusstsein für die Ungleichheit in der Welt erwachte früh in ihr: Geboren als Tochter eines Anwalts und einer Schauspielerin in Brooklyn und aufgewachsen in von New Jersey, trat die Familie wegen ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Homosexuellen aus der katholischen Kirche aus. Annes älterer Bruder Michael ist nämlich homosexuell. »Meine Familie war immer sehr eng verbunden und hat sich in allen Belangen gegenseitig unterstützt«, sagte sie in unserem Interview im Jahr 2009. »Ich verstehe nicht, warum [Schwulenrechte] überhaupt noch ein Thema sind.« Als sie im September 2012 Adam Shulman heiratete, verkaufte sie ihre Hochzeitsfotos an die Presse und spendete den Erlös an die Organisation »Freedom to Marry«, die sich für die gleichgeschlechtliche Ehe einsetzt.

Meine Familie war immer sehr eng verbunden und hat sich in allen Belangen gegenseitig unterstützt. – Anne Hathaway

Der Schauspieler und Produzent Adam Shulman trat in einer schwierigen Zeit in Hathaways Leben: Sie hatte sich nach vier Jahren gerade von einem Immobilienspekulant getrennt, der wegen dubioser Geschäfte verhaftet worden war. »Ich wusste vom ersten Moment an, als ich ihn traf, dass er die Liebe meines Lebens ist«, sagte sie im Februar 2013 gegenüber Harper’s Bazaar UK über Shulman. »Ich wusste auch, dass ich ihn zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt hätte treffen können … [Ich sagte ihm:] ›Ich glaube – weil ich glauben muss –, dass das, was mir gerade passiert ist, die Ausnahme und nicht die Regel ist, und dass die Menschen gut sind und du ein guter Mensch bist, weil ich es spüre. Es geht mir im Moment zwar nicht so gut, aber ich lass mich jetzt trotzdem auf dich ein.‹«

Der Kampf um eine eigene Familie

Eine Familie zu gründen, erwies sich für die beiden als schwierig. 2015 erlitt Anne Hathaway eine Fehlgeburt. Zu dieser Zeit spielte sie die Hauptrolle in dem Off-Broadway-One-Woman-Stück »Grounded«, in dem sie eine schwangere Pilotin verkörperte und jeden Abend eine Geburt performen musste. Gleichzeitig mit ihrem persönlichen Verlust umzugehen, lastete sehr schwer auf ihr. Heute ist sie Mutter von zwei Jungen, Jonathan und Jack, neun und sechs Jahre alt. Als sie 2019 mit Jack schwanger war, gewährte sie einen seltenen Einblick in ihr Privatleben und postete ein Foto von sich mit Babybauch auf Instagram mit der Bildunterschrift: »Nicht für einen Film … Nr. 2. Spaß beiseite, an alle, die mit Unfruchtbarkeit und der Empfängnis-Hölle zu kämpfen haben: Wisst, dass auch meine Schwangerschaften nicht einfach waren. Ich sende euch ganz viel extra Liebe 💕«

Anne Hathaway während der Schwangerschaft ihres zweiten Kindes 2019.

Anne Hathaway während der Schwangerschaft ihres zweiten Kindes 2019. Bild: ©HFPA

Ironischerweise ist sie dann Mutter von mindestens einem Sohn geworden, der ihr Singen nicht leiden mag. Zumindest noch nicht, trotz ihrer einfühlsamen Interpretation von Fantines »I Dreamed a Dream« in »Les Misérables«. »Mein ältester Sohn hasst meine Singstimme und lässt sich nicht von mir vorsingen«, erzählte sie uns 2020 im Rahmen der Promotion für ihren Film »The Witches«. »Deshalb macht es mir so viel Spaß, ihm vorzulesen. Er lässt mich da dafür verschiedene Stimmen imitieren.« Ob die Jungs eines Tages in ihre Fußstapfen treten und ins Showgeschäft einsteigen werden, bleibt abzuwarten. Im Moment ist sie kein Fan davon, wenn Kinder zu viel Zeit am Filmset verbringen: »Wohnwagen sind nicht so spannend für Kinder«, meint sie. »Sie sollten lieber in Parks spielen und Spaß haben. Natürlich würde ich sie am liebsten jede Sekunde um mich haben, aber ich möchte auch, dass sie einen schönen Tag erleben. Es dreht sich nicht alles nur um mich.«


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