Vierfacher Olympiasieger, Weltmeister und Publikumsliebling: Dario Cologna hat den Schweizer Langlauf geprägt wie kaum ein anderer. Nach einer beispiellosen Karriere hat er die Ski zwar an den Nagel gehängt – doch der Winter bleibt seine Jahreszeit. Im Gespräch blickt er zurück auf Erfolge, Emotionen und die neue Freiheit abseits der Wettkampfloipen.
Dario Cologna, du hast in deiner Karriere viermal olympisches Gold gewonnen, unzählige Weltcupsiege errungen und bist für viele der Inbegriff des Schweizer Langlaufs. Wenn du heute auf deine Sportlerzeit zurückblickst – was bleibt dir am stärksten in Erinnerung?
Gute Frage (lacht). Ich war über 15 Jahre Spitzensportler und mit dem Langlauf noch viel länger verbunden. Da sammelt man natürlich viele schöne Erinnerungen. Wenn ich heute zurückblicke, bleiben vor allem die grossen Erfolge – die Olympiasiege und besonderen Momente, in denen alles zusammengepasst hat. Es ist schön, wenn genau das hängen bleibt.
Von all deinen Goldmedaillen – welche ist für dich persönlich diejenige, die dir am meisten bedeutet und warum?
Die Olympiasiege sind natürlich immer speziell, aber jede Medaille hat ihren eigenen Wert. Wenn ich eine herausheben müsste, dann wäre es wohl die in Sotschi 2014. Damals hatte ich im November eine schwere Bänderverletzung am Fuss und musste sogar operiert werden. Lange war unklar, ob ich überhaupt antreten konnte. Dass ich dann im letzten Moment doch starten konnte und zugleich zweimal Gold gewann, war unglaublich emotional und unvergesslich.
Vermisst du deine Zeit als Profisportler manchmal – den Wettkampf, das Training oder die besonderen Momente im Ski-Team?
Ja, ab und zu schon. Es war eine schöne Zeit, aber ich bin heute auch zufrieden und habe mich für den richtigen Moment entschieden, aufzuhören. Was ich manchmal vermisse, sind die Trainingslager, das Zusammensein im Team und diese unbeschwerte Stimmung. Aber insgesamt war der Übergang für mich sehr stimmig.
Was ich manchmal vermisse, sind die Trainingslager, das Zusammensein im Team und diese unbeschwerte Stimmung. – Dario Cologna, Langläufer
Heute gestaltest du sicher deinen Winter anders als damals als Spitzensportler. Welche Aktivitäten liebst du besonders, wenn du den Schnee geniesst, aber nicht im Wettkampfmodus bist?
Ich habe das Glück, dass ich dem Sport treu bleiben kann – sei es als Kommentator oder einfach privat auf den Ski. Ich gehe immer noch Langlaufen und geniesse es, ohne Ziel oder Druck unterwegs zu sein. Auch Alpinski oder Schlittschuhlaufen mit den Kindern macht mir grossen Spass. Heute bin ich einfach etwas freier als früher.
Was unternimmst du am liebsten gemeinsam mit deiner Familie in der kalten Jahreszeit – gibt es bestimmte Traditionen oder kleine Rituale?
Meine Kinder sind noch klein, deshalb haben wir noch keine festen Traditionen (lacht). Aber die Advents- und Weihnachtszeit ist natürlich sehr schön. Wir versuchen, viel draussen zu sein – Schlittenfahren, Skifahren, einfach gemeinsam die Zeit geniessen. Ich möchte meinen Kindern den Spass am Schnee weitergeben, aber ohne Druck und Stress. Ich selbst habe ja auch erst relativ spät mit dem Langlaufen begonnen.
Die Schweiz ist bekannt für ihre Winterlandschaften. Was fasziniert dich am Winterzauber hierzulande am meisten?
Ganz klar die Landschaft. Wenn alles verschneit ist, entsteht eine Ruhe, die ich sehr schätze. Die Berge, die klare Luft, die Natur – das ist für mich der Inbegriff von Winter. Egal ob man Langlaufen geht oder einfach draussen unterwegs ist, diese Atmosphäre begeistert mich immer wieder aufs Neue.
Gibt es bestimmte Winterdestinationen, in die du dich besonders gerne zurückziehst – sei es für Sport, Entspannung oder die Landschaft?
Ich habe schon das grosse Glück, in Davos zu leben. Hier habe ich alles, was ich brauche – perfekte Loipen, schöne Berge und viel Ruhe. Deshalb bleibe ich im Winter am liebsten genau hier. Im Sommer verreisen wir gerne, aber im Winter bin ich am liebsten zu Hause in Davos. Das war schon während meiner Karriere so und hat sich bis heute nicht geändert.
Abseits des Sports – was gibt dir im Winter Energie und Freude? Sind es Momente in der Natur, ein gutes Essen oder einfach Zeit im Familien- und Freundeskreis?
Genau das! Heute habe ich mehr Zeit für meine Familie und Freunde, das geniesse ich sehr. Ich gehe gerne gut essen, mag gemütliche Abende und die ruhige Atmosphäre dieser Jahreszeit. Diese kleinen Momente geben mir Energie und machen für mich den Winter so besonders.
Wenn du die Wahl hättest: Noch einmal auf die Skispitzen im Wettkampf oder einfach einen gemütlichen Wintertag auf der Piste mit deiner Familie?
Ich habe im Spitzensport alles erlebt, was ich mir erträumt habe, und bin sehr dankbar dafür. Darum würde ich mich heute ganz klar für den gemütlichen Tag mit meiner Familie entscheiden. Das ist für mich der schönste Luxus.
Headerbild Christian Egelmair


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