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22 Oktober 2020

Babybrei ist nicht gleich Einheitsbrei.

Ernährung ist ein gesellschaftliches Megathema, betrifft aber auch die Kleinsten unter uns. Säuglinge interessieren sich zwar nicht für Ingwer und Quinoa, doch ein gesunder Babybrei ist für sie genauso wichtig wie das Essen für Erwachsene.

Die kleine Emma schreit ihre Empörung mit der ganzen Kraft ihres achtmonatigen Stimmchens heraus. Wo bleibt das Mittagessen? Papa Luigi ist sich seiner Pflicht sehr wohl bewusst, aber wichtige Telefonate lassen sich auch bei einem Home-Office-Day nicht immer vermeiden. Seine Tochter interessiert das natürlich nicht, und deshalb entscheidet sich der junge Vater spontan für den Babybrei aus dem Glas und gegen die persönliche Zubereitung. Obwohl seine selbstgemachte Apfel-Erdbeer-Mischung bei Emma immer ausgezeichnet ankommt. Aber wenn die Zeit drängt, tut es auch die Fertigmischung – die mag die Kleine ebenfalls sehr gern.

Die natürlichste Nahrung

Nach der Geburt stellte sich diese Frage noch nicht: Da war die Mama exklusiv zuständig. Das Stillen in den ersten Monaten nach der Geburt wird von Experten als beste Variante empfohlen. Die Muttermilch ist die natürlichste Ernährungsform und enthält alle für das Neugeborene wichtigen Inhaltsstoffe. Sie ist darüber hinaus optimal auf das empfindliche Verdauungssystem des Säuglings ausgerichtet, das nach der Geburt noch nicht fertig entwickelt ist. Brustmilch ist auch wegen des Infektions- und Allergieschutzes immer noch die gesündeste Ernährung für Babys. In der Schweiz ist das Stillen breit anerkannt, je nach Region geben 80 bis 90 Prozent der Mütter ihrem Baby nach der Geburt die Brust. Allerdings muss heute niemand mehr ein schlechtes Gewissen haben, wenn man auf das Stillen verzichtet.

Schoppen absolut okay

Muttermilch ist in ihrer Einzigartigkeit zwar nicht kopierbar. Für Mütter, die nicht stillen können oder nicht stillen möchten, ist industriell hergestellte Säuglingsanfangs und Folgenahrung aber die richtige Alternative. Diese Produkte sind heutzutage streng reglementiert und kontrolliert, für die Zulassung müssen zahlreiche Auflagen erfüllt sein. Das Baby erfährt bei der Ernährung mit Muttermilchersatz aus dem Schoppen keinen Nachteil: Für die Entwicklung des Säuglings ist sie nicht weniger geeignet als richtige Muttermilch. Wenn die Mutter das Kind beim Schoppen geben in den Armen hält, ist auch der soziale Aspekt des Stillens aufgewogen. Aufpassen muss man nur, dass der Sprössling nicht überfüttert wird, was mit dem Schoppen schneller passieren kann. Wer aber auf die Signale des Kindes achtet (Kopf wegdrehen, abwehrende Bewegungen), wird auch mit dem Fläschchen den richtigen Zeitpunkt für den Abschluss des Mahls finden.

Aufpassen muss man nur, dass der Sprössling nicht überfüttert wird.

Beikost als Ergänzung

Während der ersten sechs Monate sind Stillen und Schoppen die geeignetste Ernährungsform. Nach einem halben Jahr steigt der Nahrungsbedarf des Babys aber an, ab dem siebten Monat reicht die Muttermilch allein nicht mehr aus. Frühestens vom fünften Lebensmonat an und spätestens ab dem siebten sollte allmählich mit der Beikost begonnen werden. Als Beikost werden jene Nahrungsmittel bezeichnet, die in dieser Phase nach und nach die Muttermilch ersetzen. Sie werden normalerweise als Brei verabreicht, den das Kind in diesem Alter gut aufnehmen und verdauen kann.

Pur geniessen

Für die Anfangszeit werden als Babybrei Gemüse- und Obstbreie empfohlen, später kann man auch Brei auf Getreidebasis in die Ernährung integrieren. Zu diesen Breimahlzeiten sollte dem Baby zusätzlich Flüssigkeit angeboten werden, beispielsweise Wasser, ungesüssten Tee oder stark verdünnten Fruchtsaft. Die Beikost kann – wie das Papa Luigi vorhatte – problemlos selber hergestellt werden. Vorteile sind einerseits die geringeren Kosten, andererseits ist die bewusste, eigenhändige Zubereitung positiv für die gesunde Ernährung der ganzen Familie. Ausserdem gewöhnen sich Babys so an den natürlichen Geschmack von Obst und Gemüse, weshalb die Beikost nicht mit Salz, Zucker oder Gewürzen «aufgepeppt» werden sollte.

Schmackhafte Beikost selbst gemacht

Um einen leckeren Babybrei herzustellen, verwendet man am besten frisches Obst oder Gemüse. Diese Produkte enthalten wichtige Nährstoffe, die beim Kochen nicht verloren gehen sollen. Deshalb köchelt man die Nahrungsmittel mit wenig Wasser und Hitze oder in einem Steamer. Anschliessend lässt sich das Ganze mit einem Pürierstab problemlos weiter zerkleinern und dem Baby servieren. Spezielle Babybrei-Rezepte helfen zudem, die richtige Balance zu finden zwischen Kohlenhydraten, Eiweiss, Fett, Mineralstoffen und Vitaminen. Einzige Einschränkung beim Selber- Kochen: Die Verwendung von frischem Obst und Gemüse garantiert keine niedrigen Schadstoff- und Nitratgehalte, auch nicht bei Bioprodukten.

Fertigprodukte als Alternative

Industriell gefertigte Beikostprodukte sind grundsätzlich genauso gut wie selber gekochte Beikost. Wer Babynahrung auf den Markt bringen will, hat wie erwähnt zahlreiche Auflagen zu erfüllen. Auf dem Etikett müssen sämtliche Inhaltsstoffe detailliert aufgeführt werden. Produkte mit Zuckerzusätzen und Süssungsmitteln sollte man unbedingt vermeiden. Hingegen sind Vollkorngetreide und nährstoffreiches Gemüse zu bevorzugen, weil sie für das Kind wichtige Nährstoffe enthalten. Fertigbreie sind also durchaus eine sinnvolle Ergänzung zu selber produzierter Beikost, auch wenn sie teurer sind und es aufgrund der grossen Auswahl manchmal schwierig ist, sich für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden.

Die Verwendung von frischem Obst und Gemüse garantiert keine niedrigen Schadstoff- und Nitratgehalte.

Praktisch und zeitsparend

Fertigbreie können – gerade in hektischen Momenten – Arbeit ersparen. Zum Teil sind die Produkte fixfertig geniessbar, manchmal müssen sie zuerst noch angerührt werden. Gerade für unterwegs kann die praktische Verpackung mit wiederverschliessbaren Deckeln nützlich sein. Da diese Produkte aufgrund der Vorgaben keine Konservierungsstoffe enthalten, müssen sie nach dem Öffnen dann aber auch rasch verzehrt werden.

Emma hat den Fruchtbrei mit Freude gegessen und ist mit Papa Luigi wieder ganz zufrieden. Die kleiner werdenden Äuglein weisen darauf hin, dass jetzt der Wechsel ins Bettchen angemessen wäre – was der Papa sogleich ausführt. Kurz darauf schläft die Kleine friedlich, während ihr Vater von den Resten des Fruchtbreis nascht.

Text: Remo Bürgi

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