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4 April 2020

Wer kümmert sich um mein Kind?.

Wenn beide Elternteile arbeiten wollen oder müssen, ist die Frage nach der Kinderbetreuung eine der wichtigsten. Übernehmen Oma und Opa den Job oder soll das Kind extern in einer Kinderkrippe betreut werden? Die Kosten spielen eine zentrale Rolle bei dieser Entscheidung – doch es gilt auch sonst einiges zu beachten.

Dominik ist ratlos. Der junge Vater hatte sich eigentlich bereits von seiner dreijährigen Tochter Seraphina verabschiedet. Doch seit er die Kita vor einigen Minuten verlassen wollte, hört die Kleine nicht mehr auf zu weinen und will ihren Papa nicht gehen lassen. Dabei hatte er sich doch zusammen mit seiner Frau extra viel Zeit genommen, um Seraphina an die Krippe zu gewöhnen, und in den ersten Wochen hatte das Ganze auch bestens funktioniert. Was ist denn nun plötzlich das Problem?

Eine Mitarbeiterin der Tagesstätte kann Seraphina schliesslich überzeugen, mit ihr ein Spiel zu beginnen. Dominik kann zwar endlich los zur Arbeit, aber der tränenreiche Abschied beschäftigt ihn. Seine Frau Nora beruhigt ihn am Telefon: Vor einigen Tagen habe sie das gleiche Theater erlebt am Morgen, doch am Abend sei ihre Tochter strahlend aus der Kinderkrippe gekommen und habe zufrieden von ihren Erlebnissen geplappert.

Rituale helfen beim Abschied

Tatsächlich haben Kinder manchmal plötzlich Mühe mit dem Abschied, und nicht immer lässt sich der Grund eindeutig klären. Experten empfehlen Eltern, sich für die Eingewöhnungszeit in einer Kita genug Zeit zu nehmen, damit sich der Sprössling möglichst gut an die neuen Umstände gewöhnt. Das Etablieren eines festen Abschiedsrituals ist ebenfalls hilfreich, um den Abschied kurz und möglichst «schmerzlos» zu gestalten. Kinderhorte haben dafür beispielsweise ein spezielles Fenster, durch das man sich nach dem eigentlichen Abschied nochmals zuwinken kann. Und wenn es doch einmal emotional wird, darf man sich eine gewisse Gelassenheit erlauben: Oftmals sind Tränen nur eine Momentaufnahme und das Kind spielt einige Minuten später sorglos mit seinen «Gspänli». Ein Anruf im Kinderhort kann das Gewissen der Eltern beruhigen, wenn der Abschied wirklich schwierig war.

Überzeugt uns das pädagogische Konzept des Horts?

 

Zusammenarbeit ist wichtig

Für die Eltern ist es natürlich auch nicht einfach, die Tochter oder den Sohn abzugeben. Die Wahl der richtigen Kita ist deshalb sehr wichtig: Wenn man von der Einrichtung überzeugt ist und ein gutes Gefühl hat, wird man den Nachwuchs auch gern in die Obhut der Krippen-Mitarbeiter übergeben. Regelmässige Gespräche mit den Verantwortlichen helfen ebenfalls, um allfällige Probleme festzustellen, anzusprechen und zu lösen. Deshalb macht es Sinn, bei der Auswahl der Kita auch auf das Bauchgefühl zu hören und abzuwägen, ob einem die Mitarbeitenden sympathisch sind. Bei der Suche nach dem richtigen Angebot stellen sich Eltern aber auch noch viele andere Fragen. Passen die Öffnungszeiten zu unseren Arbeitszeiten? Liegt die Kinderkrippe einigermassen auf dem Arbeitsweg? Überzeugt uns das pädagogische Konzept des Horts?

Weniger Subventionen als im Ausland

Der Austausch mit Eltern, welche die Kita schon kennen, kann vor allem bei der Frage nach der Qualität der Einrichtung eine grosse Hilfe sein. In solchen Gesprächen wird schnell klar, ob das theoretische Konzept der Krippe mit der Alltagspraxis übereinstimmt. Letzten Endes muss das Angebot aber auch finanzierbar sein: Die Kosten für die Eltern sind in der Schweiz besonders hoch, weil die öffentliche Hand hier deutlich weniger Subventionen gewährt als andere europäische Staaten. Zuschüsse für die externe Betreuung sind im föderalistischen Schweizer System Sache der Kantone und Gemeinden. Folglich ist es sehr unterschiedlich, in welchem Umfang Eltern auf finanzielle Unterstützung zählen können. Immerhin ist die Höhe der kantonalen und kommunalen Subventionen eigentlich immer vom Gehalt der Eltern abhängig: Einkommensschwache Familie können auf mehr Unterstützung zählen als besser situierte Familien.

Experten empfehlen Eltern, sich für die Eingewöhnungszeit in einer Kita genug Zeit zu nehmen, damit sich der Sprössling möglichst gut an die neuen Umstände gewöhnt.

Attraktive Alternativen

Selbstverständlich ist es aber nicht unbedingt nötig, sein Kind in einer Krippe unterzubringen. Einerseits gibt es weitere externe Betreuungsmöglichkeiten wie Tagesfamilien, Au-Pairs, Nannys oder Babysitter, die meist kostengünstiger sind als die Tagesstätten. Andererseits ist es nach wie vor üblich, die Kinder von Verwandten, Nachbarn oder Bekannten betreuen zu lassen. Das ist nicht nur billiger, sondern reduziert auch die gegenseitige Angewöhnungszeit und ermöglicht flexiblere Betreuungsformen. Allerdings sollte man sich vorher darüber einigen, welche Erziehungsgrundsätze gelten sollen. Insbesondere wenn die Grosseltern das «Hüten» übernehmen, bestehen oft Differenzen bei diesen Fragen.

Frühzeitig planen

Auch für ältere Kinder, die bereits die Schule besuchen, existieren vielfältige Betreuungsmöglichkeiten. Die Teilnahme an einem Mittagstisch beispielsweise garantiert dem Kind ein gesundes Essen unter fachkundiger Aufsicht. Tagesschulen erweitern dieses Angebot, sie bieten Betreuung vor und nach dem Unterricht an. Doch alle diese Varianten haben etwas gemeinsam: Rechtzeitige Planung ist extrem wichtig. Vor allem bei den Krippenplätzen herrscht trotz Bemühungen von staatlicher Seite noch immer ein Mangel, weshalb man lieber zu früh als zu spät mit den Abklärungen beginnt.

Als Mutter Nora die kleine Seraphina am Abend von der Kita abholt, ist ihre Tochter kaum vom Spiel mit den anderen Kita-Kindern zu trennen. Eine Szene wie am Morgen gibt es zwar nicht, aber ganz offensichtlich wäre die Dreijährige lieber noch bei ihren «Gspänli» geblieben. Immerhin: Ihre Eltern wissen so, dass es ihrem Mädchen in der Krippe eigentlich sehr gut gefällt – auch wenn hin und wieder beim Abschied einige Tränen über Seraphinas Backen kullern.

Text: Remo Bürgi

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