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21 Oktober 2020

Brennen ohne auszubrennen.

Was lange als Mode- oder Manager-Krankheit galt, hat sich langsam als ernstzunehmendes Krankheitsbild etabliert und auf alle möglichen Alters- und Berufsgruppen ausgeweitet. Weder reine Frauen- noch Männersache – aber wie steht es um einen geschlechtsspezifischen Umgang mit dem Burnout-Syndrom?

2015 gab etwas mehr als ein Viertel der Schweizer Bevölkerung in der «Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen» (EWCS) an, häufig oder immer Stress bei der Arbeit zu haben. Mehr als ein Drittel erklärte, sich am Ende des Tages meistens oder immer erschöpft zu fühlen. Unsere Leistungsgesellschaft verspricht: Wer wirklich will und sich reinhängt, der schafft es nach oben. Das ausserordentliche Engagement, die Bereitschaft zur Extrameile und nicht zuletzt die ständige Erreichbarkeit als Schlüssel zum Erfolg. Feuer und Flamme sein für das Unternehmen – aber wie lange? Zu den Anforderungen aus dem Beruf, kommen jene aus der Familie und dem sozialen Umfeld. Der Körper läuft auf maximaler Drehzahl, der Mensch brennt dafür, allen Anforderungen gerecht zu werden – bis er letztlich ausbrennt.

Modekrankheit oder Gesellschaftsproblem?

Als ein Geschenk der Moderne bekommt das Burnout-Syndrom immer mehr Beachtung und Akzeptanz und verliert – langsam aber sicher – den Ruf, eine Modekrankheit zu sein. Vielmehr wird das vermehrte Auftreten der Symptome in der modernen Zeit mit unserer extremen, nach Erfolg strebenden Gesellschaft begründet – ein Fehler im System, nicht im Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkennt das Syndrom als möglichen Einflussfaktor für die Entstehung von Krankheiten und definiert es als ein «Ausgebranntsein», einen «Zustand der totalen Erschöpfung ». Folgekrankheiten sind psychischer und körperlicher Natur. Oft sind es Depressionen, Angstzustände, aber auch Herzkreislaufstörungen oder Magen-Darm-Probleme. Gerade die körperlichen Folgen eines Burnouts lassen sich faktisch nicht leugnen und zwingen uns, das Thema zu entstigmatisieren und alles daran zu setzen, Betroffene frühzeitig aufzufangen oder Rahmenbedingungen zu schaffen, welche eine Burnout-Gefahr eingrenzen.

Männer bewegen sich direkt vom Erbringen von Dauerhöchstleistungen in den Abgrund eines Burnouts – ohne die Überlastung überhaupt richtig wahrgenommen zu haben.

Frauen, Männer und Stereotypen

Sind Frauen aufgrund ihrer Doppelbelastung, familiäre und berufliche Anforderungen unter einen Hut zu bringen, häufiger vom Burnout-Syndrom betroffen? Oder sind Männer gefährdeter, weil sie karriereorientierter und darauf trainiert sind, negative Gefühle auszublenden? Statistisch gesehen halten sich Männer und Frauen im Falle von Burnout die Waage – die teilweise schwachsinnigen Rollenbilder bleiben jedoch bestehen. Sie bringen Frauen als auch Männer immer wieder in Konflikt mit den eigenen Bedürfnissen und bieten damit den perfekten Nährboden für ein Burnout.

Im Umgang mit Stress sind auf der biologischen, physiologischen und psychologischen Ebene Unterschiede erkennbar. Männer reagieren in Stresssituationen körperlich und hormonell anders als Frauen. Aus der Psychologie ist bekannt, dass Frauen dazu neigen, sich mit den Umständen zu arrangieren. Männer hingegen tendieren zu intensiveren Reaktionen: Kampf, Aggression, Flucht und Verdrängung. Sie gestehen sich das Gefühl der Überlastung und Erschöpfung oftmals deutlich später ein als Frauen, leiden länger unter Stress-Symptomen bevor sie agieren. Männer bewegen sich direkt vom Erbringen von Dauerhöchstleistungen in den Abgrund eines Burnout-Syndroms – ohne die Überlastung überhaupt richtig wahrgenommen zu haben.

Grundsätzlich sind die Betreuungsmassnahmen aber weder männlich noch weiblich sondern individuell. Bezüglich Prävention ist dem Mann geholfen, wenn er lernt auf seinen eigenen Körper zu hören.

Mann, wie kann ich Dir helfen?

Präventive Angebote können die Burnout-Gefahr minimieren, sind aber meist geschlechtsneutral. Cristina Crotti, Fachperson für Gesundheit am Arbeitsplatz, erklärt: «Burnout-Prävention findet auf drei Ebenen statt: Individuum, Führung und Rahmenbedingungen». Das Wohlbefinden der Mitarbeitenden müsse an zentraler Stelle stehen und im Auge behalten werden. Führungspersonen seien entsprechend zu schulen und zu sensibilisieren, um Frühwarnzeichen erkennen und das Individuum auf persönlicher Ebene begleiten zu können. Mitarbeitende brauchen gesunde Rahmenbedingungen – einen gesunden Arbeitsplatz. Im Umgang mit einem bereits erkannten Burnout können geschlechtsspezifische Behandlungen sinnvoll sein. Grundsätzlich sind die Betreuungsmassnahmen aber weder männlich noch weiblich sondern individuell.

Bezüglich Prävention ist dem Mann geholfen, wenn er lernt auf seinen eigenen Körper zu hören. Eine Früherkennung betreibt man(n) am besten an sich selbst, indem man lernt, Frühwarnzeichen wahrzunehmen. Professionelle Unterstützung kann helfen, die Probleme und Auslöser zu sortieren und eine nachhaltige Verbesserung zu erreichen. Hilfe von aussen ist aber nur dann effizient, wenn man sich selbst aktiv dafür entscheidet. Selbsterkenntnis und -reflexion statt Verdrängung – auf sich und seinen Körper hören lernen als Mittel zum Erfolg.

Text: Marija Cuk

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