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17 November 2019

Ein Spendenmarathon länger als 24 Tage.

Weihnachtszeit ist Spendenzeit – zumindest hier bei uns. Wieso besonders diese schönste Zeit des Jahres prädestiniert dafür ist und wie man wirklich helfen kann, verrät «Fokus Weihnachten».

Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst», antwortete Jesus auf die Frage, was denn das höchste aller Gebote sei. So steht es im Neuen Testament. Das Gebot der Nächstenliebe reicht jedoch weiter zurück. 200 Jahre, um genau zu sein. Es stammt aus der jüdischen Bibel, dem Tanach, und wurde durch Jesu von Nazaret zu einem zentralen Begriff des Christentums.

Die Nächstenliebe, die heute weitgehend mit Altruismus gleichgesetzt wird, ist besonders um die Weihnachtszeit herum ein beliebtes Motiv. «Viele Hilfsorganisationen finden in der Zeit vor Weihnachten besonderes Gehör für ihre Anliegen. Deshalb sammeln sie vermehrt während dieser Zeit. Ein nachvollziehbares Verhalten, wenn man knappe Mittel hat», erklärt Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin bei der Schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemeinnützige Spenden sammelnde Organisationen (Zewo). Es sei eine Zeit, in der man besonders gerne Freude bereitet. Und genau dies würden Spenden erreichen. Wer jemandem einen Gefallen tun möchte, kann dies jedoch auch auf andere Arten. Geld ist hierbei nicht das Hauptargument.

Spenden Sie doch mal…

Ihre Zeit. Gemäss der Zewo-Spendenstatistik engagierten sich im letzten Jahr über 300 000 Menschen freiwillig für soziale Zwecke, Menschenrechte oder Umweltschutz. Dabei leisteten sie ein Total von 40 Millionen Stunden. Ob Spazierengehen mit Senioren, Deutschunterricht für Flüchtlinge oder Kochen für Obdachlose – Bedarf herrscht an vielen Stellen des öffentlichen Lebens.

Geld ist hierbei nicht das Hauptargument.

Und wer sich jedes Jahr wieder von Neuem fragt, wo man sich für ehrenamtliche Tätigkeiten anmelden kann, für den ist benevol Schweiz, die nationale Dachorganisation der regionalen Fachstellen für freiwilliges Engagement, eine passende Anlaufstelle. Die Webseite bietet einen Überblick über zahlreiche Angebote für Freiwilligenarbeit von über 1800 Organisationen. Arbeitgeber können Jobs ausschreiben, Arbeitsuchende können mithilfe eines eigenen Profils nach kleineren Arbeiten Ausschau halten. Das Profil lässt sich an die Interessen und Qualifikationen des Arbeitssuchenden anpassen. Den Anbietern ermöglicht dies die gezielte Suche nach geeigneten Personen.

Überflüssiges loswerden

Alte Kleider, Möbel, Elektronikartikel oder überschüssige Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs – jeder hat irgendetwas zu Hause, das er nicht mehr oder gar nie wirklich brauchte. Anstatt solche Waren voreilig zu entsorgen, können diese beispielsweise der Caritas oder einem Brocki gespendet werden. Solche Spenden gehen an die Katastrophenhilfe oder an Benachteiligte im In- und Ausland. Wichtig anzumerken ist, dass die Waren bei der Übergabe in einem brauchbaren Zustand sein müssen. Für gewöhnlich prüft eine Fachperson der Organisation die Wiederverwendbarkeit der Waren, bevor diese entgegengenommen werden.

Gemäss der Zewo-Spendenstatistik engagierten sich im letzten Jahr über 300 000 Menschen freiwillig für soziale Zwecke, Menschenrechte oder Umweltschutz.

Grosszügige Eidgenossen

Die Schweizer haben im letzten Jahr gemäss der Zewo-Spendenstatistik rund 1.1 Milliarden Franken an gemeinnützige, zertifizierte Organisationen gespendet. Acht von zehn privaten Haushalten in der Schweiz spenden. Einen so hohen Anteil fände man in den wenigsten Ländern dieser Welt, meint Ziegerer. Bei rund 300 Franken pro Haushalt macht das hochgerechnet etwa die Hälfte der Gesamtsumme aus. Der Rest kommt von Stiftungen, Erbschaften und Firmen. Am meisten profitiert haben Hilfswerke für Menschen mit Behinderung, Kinder und Jugendliche sowie Sozial- und Nothilfebedürftige. An der Spendenfreude der Schweizerinnen und Schweizer scheint sich gemäss Ziegerer auch dieses Jahr nichts zu verändern: «Die Bevölkerung in der Schweiz spendet regelmässig und rege. Wir gehen davon aus, dass auch im Jahr 2018 acht von zehn Haushalten spenden werden.»

Wer nun eine Spende in Betracht zieht, sollte laut Ziegerer zuerst einige Punkte beachten. Zuallererst solle man lieber wenige, dafür sorgfältig ausgewählte Organisationen berücksichtigen. Dabei sei es wichtig, seriöse NPO auszuwählen. Hilfswerke mit Zewo-Gütesiegel weisen vertrauenswürdige Organisationen aus. Als weiteren Punkt nennt die Geschäftsleiterin die Treue zum gewählten Werk: «Wer häufig wechselt, verursacht Kosten und erhält immer mehr Post im Briefkasten. Ein längerfristiges Engagement ermöglicht nachhaltige und wirksame Hilfe.» Deshalb sei es entscheidend, sich nicht drängen zu lassen und im Zweifelsfall bei der Zewo nachzufragen.

Helfen bis ans Lebensende – und noch weiter

Wer möchte, kann die gemeinnützige Organisation seines Vertrauens im Testament berücksichtigen. Dem Swissfunding-Spendenbarometer zufolge wird dies bereits in jedem 14. Testament so gehandhabt.

Eine gute Tat, egal wie klein sie auch sein mag, kann wahre Wunder bewirken

Am einfachsten ist es, das betreffende Hilfswerk mit einem bestimmten Betrag in der letztwilligen Verfügung zu berücksichtigen. Diese Art der Vererbung wird auch als Legat bezeichnet. Im Unterschied zur Erbenstellung, bei der die Organisation als offizieller Erbe Einblick in den gesamten Nachlass erhält, hat sie bei einem Legat lediglich Anspruch auf den festgelegten Betrag. Sie haftet weder für die Schulden des Erblassers, noch nimmt diese an der Verwaltung und Teilung der Erbschaft teil.

Es wird empfohlen, sich über das zu begünstigende Hilfswerk gut zu informieren, sich mit diesem allenfalls direkt in Verbindung zu setzen und Unklarheiten mit einem Notar abzuklären.

Eine Einstellung fürs ganze Jahr

Eine gute Tat, egal wie klein sie auch sein mag, kann wahre Wunder bewirken – bei der anderen Person wie auch bei einem selber. Sei es, dass man seinem Nachbarn beim Tragen seiner Einkaufstasche hilft oder einer Kollegin in Not emotional beisteht; helfen kann jeder auf die eine oder andere Weise. Wie der französische Schriftsteller Romain Rolland das einst so treffend sagte: «Ein Held ist einer, der tut, was er kann. Die anderen tun es nicht.» Tun, was man kann – das ist etwas, das nicht nur zur Weihnachtszeit Geltung hat, sondern das ganze Jahr über in den Köpfen der Menschen verankert sein sollte.

Text: Sven Hoti

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