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19 Juli 2019

Wenn Banken und Fintech-Firmen zusammenspannen.

Heute wickelt bereits ein Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer seine Geldgeschäfte über Onlinebanking-Lösungen ab und bezahlt bargeldlos. Die Art und Weise, wie Geld von einer Hand in die andere fliesst, verändert sich aber noch weiter. Dies stellt Finanzinstitute wie Banken sowie Fintech-Anbieter gleichermassen vor neue Herausforderungen – und führt dazu, dass die Barrieren zwischen ihnen immer mehr verschwinden.

Die Schweiz ist ein Land der digitalen Bankkunden. Das belegen Zahlen des Bundeamtes für Statistik: So haben im Jahr 2017 zwei Drittel der Bevölkerung ihre Geldgeschäfte über ein Online-Konto einer Bank oder der Post abgewickelt. Nur drei Jahre zuvor nutzen noch weniger als 50 Prozent diese digitalen Kanäle. Dass Bezahl-Applikationen in Zeiten der Digitalisierung immer mehr Gewicht erhalten, mag wenig überraschen. Dennoch macht ihre Zunahme deutlich, wie sehr sich hierzulande das Verhalten hinsichtlich Geldtransaktionen und Finanzdienstleistungen im Allgemeinen verändert hat. Und dieser Prozess ist mit der Verlagerung von der klassischen Einzahlung am Postschalter hin zum Onlinebanking noch längst nicht abgeschlossen.

Im Sandkasten mit der UBS

Dass die Digitalisierung bewährte Konzepte im Finanzbereich auf den Kopf stellt, beweist aktuell die UBS. Denn wie das Branchenmagazin finews.ch schreibt, hat die Grossbank in diversen europäischen Ländern ihre Schnittstellen für Fintech-Anbieter geöffnet. In Zusammenarbeit mit dem Münchner Fintech Ndgit hat die UBS eine sogenannte «Sandbox» kreiert. Seit dem 14. März können nun Fintech-Unternehmen in diesem Sandkasten erproben, wie sich ihre eigenen Dienstleistungen an diejenigen der Bank anbinden lassen.

Laut finews.ch erfolgt diese Öffnung von Seiten der UBS nicht ganz freiwillig: Denn die Sandbox ist Teil des Fahrplans der europäischen Zahlungsdienste-Richtlinie «PSD2». Diese sieht vor, dass 3 000 Banken auf EU-Gebiet schrittweise Schnittstellen zu ihrer IT für Dritte öffnen müssen. Unter anderem müssen etwa Abfragen zu Kontoinformationen und -Deckung sowie für Deutschland und Grossbritannien zusätzlich Zahlungsauslösungen ermöglicht werden. Die Bereitstellung der Schnittstellen gilt für die UBS für Bankniederlassungen in Österreich, Deutschland, Spanien, Frankreich, Italien, Luxemburg und Grossbritannien. Es darf aber angenommen werden, dass, sollten die Erfahrungswerte positiv ausfallen, auch in der Schweiz früher oder später ähnliche Schnittstellen angeboten werden. Wie es gemäss finews.ch aus dem Umfeld des Fintech Ndigit heisst, würden zudem auch andere «grosse» Schweizer Bank die Software nutzen, um im Europageschäft den PSD2-Vorschriften zu entsprechen. Dabei dürfte es sich wohl um die Credit Suisse handeln.

Könnte es schliesslich nicht sein, dass digitale Finanzabwicklungen dadurch anfälliger für Cyber-Angriffe werden?
Mehr Sicherheit und Effizienz

Die Barrieren zwischen den etablierten Finanzinstituten und den kleinen innovativen Fintech-Unternehmen fallen also vermehrt in sich zusammen. Die Gewinner dieser Entwicklung dürften die Kundinnen und Kunden sein, die mittel- bis langfristig mit neuen praktischen und sicheren Bezahllösungen rechnen können. Doch auch die Banken selber dürften vom Austausch insgesamt profitieren, zum Beispiel durch eine erhöhte Sicherheit bei der Zahlungsabwicklung oder eine vereinfachte Nutzung: Dieses Ziel verfolgt etwa das Fintech-Unternehmen Avaloq, das im Rahmen der neuen PSD2-Vorschriften mit rund 30 Banken zusammenarbeitet. Die Firma verspricht den Finanzinstituten nicht nur eine erhöhte Sicherheit für Bankkunden, sondern auch mehr Effizienz für ihre eigenen Angestellten. Denn die PSD2-Lösung von Avaloq kommt als «Software-as-a-Service»-Lösung (SaaS) daher. Das bedeutet, dass die Anwendung nicht auf den Rechnern fix installiert werden muss, sondern als Cloudlösung bedarfsgerecht bezogen bzw. genutzt werden kann. Die neue SaaS-Lösung sei bereits in bestehenden Anwendungen des Herstellers integriert.

Stichworte wie «neue Schnittstellen» und «Öffnung gegenüber Dritten» lösen eventuell negative Assoziationen aus. Könnte es schliesslich nicht sein, dass digitale Finanzabwicklungen dadurch anfälliger für Cyber-Angriffe werden? Ist diese Angst gerechtfertigt? Obschon noch keine Erfahrungswerte vorliegen, gehen Marktbeobachter davon aus, dass die Sicherheit grösste Priorität bei der Zusammenarbeit von Fintechs und Banken geniessen wird. Denn insbesondere bei den Finanzinstituten, die der FINMA unterstellt sind, habe sich längst eine strenge IT-Compliance etabliert. Der hohe Regulierungsdruck auf die Banken hat in der jüngeren Vergangenheit sogar eine neue akademische Berufsgattung hervorgebracht. So kann Compliance Management mittlerweile im Rahmen eines MAS studiert werden. Die Einführung von PSD2 dürfte in diesen Ausbildungen ein neues Kapitel aufschlagen.

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