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20 Juli 2019

Let’s go digital!.

Die Digitalisierung schürt Ängste und ist doch eine Chance für uns alle. Denn Arbeit, Nachhaltigkeit, Big Data und persönliches Glück gehören unbedingt zusammen.

Das knapp 45 Sekunden dauernde Video ging Anfang 2017 viral: Professor Robert Kelly sitzt während einer BBC-Livesendung in seinem häuslichen Arbeitszimmer, als nacheinander zwei Kinder in den Raum stürzen und das Interview «crashen». 30 Millionen Klicks machen die Mini-Tragikomödie exemplarisch für unsere Epoche der Digitalisierung. Gleicht die digitale Revolution nicht einem ins Zimmer platzenden Kind, das unsere bequeme Routine unterbricht?

Flexible Arbeitsmodelle sind die Zukunft

In vielen Unternehmen herrscht hinsichtlich des D-Wortes zwar noch immer Unsicherheit, aber auch Aufbruchstimmung. Im Rahmen der jüngsten Oliver Wyman-Studie «Switzerland’s Digital DNA» wurden im Juli letzten Jahres 2000 Schweizerinnen und Schweizer nach ihrer Einstellung zur Digitalisierung gefragt. Das Urteil fällt ähnlich optimistisch aus, wie schon im Vorjahr: Rund 70 Prozent der Befragten sehen in ihr sowohl positives Entwicklungspotenzial für das Land, als auch für ihr Privatleben. Diese Ergebnisse lassen vermuten, dass Schweizerinnen und Schweizer bereit sind für Umstellungen, wie beispielsweise die Einführung flexiblerer Arbeitsmodelle. Jetzt müssten nur noch die Chefs mitziehen. Gemäss einer Studie der ETH Zürich von 2018 nämlich, erlauben zurzeit nur knapp die Hälfte der befragten Schweizer Unternehmen ihren Angestellten, die Arbeit von zu Hause aus. Es wird aber erwartet, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird. Dank der Digitalisierung also, werden künftig immer mehr Menschen ortsunabhängig arbeiten, sich in Cloud-Workingspaces einloggen und feste Home-Office-Stunden haben.

Der Umgang mit der neuen Transparenz

Nebst Flexibilität bringt Digitalisierung auch eine nie dagewesene Transparenz. Das birgt Vor- und Nachteile. Im besten Falle bedeutet die neu gewonnene Transparenz, dass Arbeitgeber genauer wissen, was, wo im Unternehmen geschieht. Es kann aber ebenfalls zum Gefühl des gläsernen Angestellten führen und zur Angst, sich auch privat, zum Beispiel in den sozialen Medien, nicht frei äussern zu können. Eine mögliche Herangehensweise für beide Parteien wäre: Social Media mit Augenmass verwenden, seine Klicks mit Bedacht vornehmen und eine Diskussions- und Offlinekultur beibehalten oder neu entwickeln.

Nebst Flexibilität bringt Digitalisierung auch eine nie dagewesene Transparenz.

Den Kunden verstehen

«Wo und wann erreiche ich den Kunden am besten?» Das ist die zentrale Frage aller Digitalisierungsabläufe. Das Verständnis für den Kunden von heute und morgen bedeutet: One-to-One-Beziehungen aufbauen, Teil der On-Demand-Economy werden. In einem zweiten Schritt müssen Arbeitsprozesse wie das Beschwerdemanagement und alltägliche Geschäftsvorgänge digitalisiert werden. Das Digital Commerce-Zeitalter folgt der E-Commerce-Ära und lenkt den Fokus auf Social Media, schichtet zugleich aber auch Verwaltungsaufgaben um. Die Aufgaben und Anforderungen verändern sich. Niemand muss mehr in den Keller, um Vorgänge in verstaubten Aktenordnern auszugraben. Dafür muss man gesammelte und verarbeitete Daten überprüfen und schützen. Rechtlich müssen Unternehmen die Verarbeitung aller Daten so in den Griff bekommen, dass sie auch externe Speicherplätze unter Kontrolle haben und nationalem Recht gehorchen. Das erfordert ein ständiges Dazulernen und eine enge Zusammenarbeit mit Experten.

Besitz und Wissen im Wandel

All diese Veränderungen wecken auch bei den Kunden andere Bedürfnisse. Berater sehen zwei grosse Trends, die das Kundenverständnis beeinflussen. Erstens: Der Besitz wird unwichtiger. Unsere Mobilitätsgewohnheiten werden auf den Prüfstand gestellt, Sharing-Modelle werden auch bald die Firmenwelt ergreifen. Wozu noch teure Auto- oder LKW-Flotten kaufen, wenn man sie genauso gut teilen und lediglich bei Bedarf anfordern kann? Die spannende Frage: Inwieweit wird das Teilen auch bei der alltäglichen Arbeit, bei rechtlichen Fragen, neuen Vergütungsmodellen und Kunden als Influencern interessant?

Zweitens: Wissen wird zum neuen Allgemeingut. Welche Aufgaben und Bedeutung werden im Online-Zeitalter Universitäten und Fachhochschulen haben? Wie sieht Wissensvermittlung in der Zukunft aus? Was bedeutet es für die Unternehmenskommunikation, wenn im Sekundentakt Bewertungen in die Welt gepustet werden, die vom Unternehmen Verantwortlichkeit und angemessene Reaktionen einfordern?

Während einige Führungspersonen noch immer allein bei der IT nach Lösungen suchen, ist vielen längst klar: Digitalisierung bedeutet vor allem ein Umdenken. Veränderungen können positiv sein. Wer spielerisch agiert und Fehler als Teil des Lernprozesses akzeptiert, kann sein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft führen. Ganz im Geiste des sagenumwobenen Königs Tsching-Tschang, auf dessen Badewanne stand: «Erneuere dich selbst jeden Tag. Tue es wieder und wieder und in Ewigkeit wieder.»

 

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