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30 März 2020

Ein Gefühl von Familie.

Das Geld ist knapp, der Monat noch lang. Mit Müh und Not hat man die Rechnungen bezahlt, aber der versprochene Familienausflug liegt nicht mehr im Budget. So geht das schon eine Weile und es ist lange her, seit die Kinder mit freudestrahlenden Augen nach Hause gekommen sind.

Über Geld spricht man nicht, man hat es einfach. Aber was, wenn man keines hat und wenn, dann nur wenig? In der Schweiz leben über 615000 Armutsbetroffene. Das heisst, sie können mit ihrem Einkommen nicht für den Grundbedarf an Lebensunterhalt, Wohnkosten und Krankenversicherung aufkommen. Mit schwierigen Arbeitsbedingungen wie Vertragslosigkeit oder befristeten Arbeitseinsätzen müssen die Betroffenen lernen zu leben, ansonsten droht die Kündigung. Und das wäre aufgrund der fehlenden Berufsbildung fatal. Die Wohnsituation ist schwierig und die Familienverhältnisse noch schwieriger. Wenn dabei Kinder im Spiel sind, wird die Lage noch prekärer. Es fehlt an Perspektiven und Chancen.

Die Gründe von Armut

Die Ursachen, welche zur Armut führen, sind unterschiedlicher Natur. Sei es Langzeitarbeitslosigkeit, der Übergang in eine andere Lebenslage, ein Unfall oder eine Krankheit. Risikogruppen für Armut sind Alleinerziehende, Unterhaltspflichtige, Migranten mit fehlenden Sprachkenntnissen oder Grossfamilien. Kinder, welche aus armutsbetroffenen Familien kommen, geraten ausserdem  in die Gefahr, auch als Erwachsene von Armut betroffen zu sein. Eine Familie mit zwei Kindern bekommt gemäss der SKOS-Richtlinien (Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe) ein wenig über CHF 2 000 zur Verfügung gestellt. Von diesem Betrag müssen neben Lebensmitteln auch Kleider, Körperpflegeprodukte, Verkehrsausgaben und die Stromrechnung bezahlt werden.

Musikunterricht oder Fussballtraining adé

Bei all diesen Ausgaben bleibt Ende Monat nicht mehr viel übrig für die Freizeitaktivitäten der Kleinen. Wenn das Kind mit den Mitschülern ein Eis essen geht, liegt das vielleicht noch drin, in Kombination mit einem Kino- oder Zoobesuch wird es finanziell schon schwierig. Das kann früher oder später zu Isolation führen, da man am sozialen Leben nicht mehr teilhaben kann. Auch Ferien sind eine Seltenheit und durch die finanzielle Notlage bleiben den Kindern ausserschulische Aktivitäten verwehrt. Diese Frühförderung ist jedoch essentiell für die Entwicklung.

Bei der alternativen Betreuung geht es darum, dass Kinder und Jugendliche fernab ihrer eigenen vier Wände, ein Gefühl von Liebe, Geborgenheit und Sicherheit bekommen.

Die Folgen von Armut

Jeden Rappen zwei Mal umdrehen zu müssen, kann bei Eltern zu Stress, Ängsten, Überforderung und gesundheitlichen Einschränkungen führen. Diese physischen und psychischen Probleme bekommen insbesondere die Kinder zu spüren. Wenn ein Elternteil spätabends noch arbeiten muss, bleibt das Kind oft alleine zuhause. Den Babysitter kann man sich nicht leisten, Freunde und Verwandte gibt es keine in der Nähe, bei denen die Kinder betreut werden könnten. Die Kinder sind dann auf sich alleine gestellt und  werden unfreiwillig früh selbständig.

Das Zusammensein in der Familie, eine warme Mahlzeit oder Hilfe bei den Hausaufgaben vermissen die Kinder sehr. Die müden Kinderaugen und die unvollständigen Hausaufgaben sprechen am nächsten Tag in der Schule für sich. Der finanzielle Engpass sorgt bei den Eltern oft auch für emotionale Überforderung.  Dies äussert sich in Gereiztheit und Ungeduld; Bedürfnisse der Kinder nimmt man weniger wahr, – wenn einem selbst die starke Schulter zum Anlehnen fehlt. Kinder fühlen sich vernachlässigt und fangen an, sich zurückzuziehen. Das Selbstwertgefühl leidet. Gerade auch im Teenageralter ist dies fatal.

Ein Zuhause fernab der eigenen vier Wände

Jedes Kind verdient eine liebevolle Betreuung und gezielte Förderung. Wenn die Eltern diese Aufgabe nicht erfüllen können, kommen in der Schweiz Kinderhilfswerke zum Einsatz. Diese haben es sich zum Ziel gemacht, sozial benachteiligte Familien zu unterstützen, indem sie alternative Betreuungs- und Förderungsmöglichkeiten finden. Oftmals arbeiten diese Kinderhilfswerke auf freiwilliger Basis und bekommen den Auftrag von Herkunftsfamilien, Sozialarbeitern, Kinderheimen oder Beiständen. Sei es ein kurzer Aufenthalt bei einer Gastfamilie während den Schulferien, regelmässige Besuche einer Kontaktfamilie oder gar die Platzierung bei einer Pflegefamilie: Die Kinder und Jugendlichen bekommen hier Einblick in andere Familienformen und die Chance auf ein stabiles Umfeld mit neuen Bezugspersonen. So bekommen sie stetig neue Inputs, welche ihr Potential fördern und neue Perspektive schaffen. Mithilfe neu entdeckter Freizeitaktivitäten und neu geschlossenen Freundschaften bekommen Kinder und Jugendliche die nötige Selbstsicherheit.

Den Kinderhilfswerken ist bewusst, dass Ferien in sozial benachteiligten Familien eine Seltenheit sind. Mithilfe von Aufenthalten in Camps wollen sie dem entgegenwirken. Kinder und Jugendliche können hier von ihren familiären Alltagsproblemen Abstand gewinnen und sich ganz auf Spiel, Spass und sich selbst konzentrieren. So werden sie auf spielerische Weise gefördert, entdecken neue Fähigkeiten und erzählen nach den Schulferien von ihren spannenden Erlebnissen.

Bei der alternativen Betreuung geht es darum, dass Kinder und Jugendliche fernab ihrer eigenen vier Wände, ein Gefühl von Liebe, Geborgenheit und Sicherheit bekommen. Ein Gefühl von Familie eben. 

Text: Sonya Jamil

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