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14 November 2019

Von Rosenkrieg und Co-Parenting.

Hat man sich am Traualtar noch ewige Liebe geschworen, kann sich das Jahre später aus den verschiedensten Gründen ändern. Es kommt zur Scheidung. Wie gehen moderne Familien heutzutage damit um? «Fokus» klärt auf.

Laut dem Bundesamt für Statistik liefen letztes Jahr über 39 000 Menschen in der Schweiz in den Hafen der Ehe ein. Scheidungsanwälte hatten jedoch alle Hände voll zu tun, denn 2018 schieden sie insgesamt 16 000 Ehen. Ein Scheidungsverfahren kann ein schwieriges Unterfangen werden, insbesondere wenn Kinder im Spiel sind.

Mama und Papa trennen sich

Der Haussegen hängt schief und das nicht erst seit gestern. Endlich traut man sich das auszusprechen, was schon lange in der Luft liegt: «Wir lassen uns scheiden!» Eine emotionale Herausforderung für die ganze Familie. Die Reaktionen auf diese Nachricht können je nach Kind und dessen Alter variieren. Die Kinder spüren oftmals von Vornherein, dass sich die Stimmung zwischen den Eltern verändert hat. Trotzdem ist die Trennungsnachricht für viele ein Schock, den es zu verarbeiten gilt. Emotionen wie Wut, Trauer oder Verzweiflung sind hier völlig normal. Wiederum andere sind erleichtert, dass die Streitigkeiten zwischen den Eltern nun ein Ende haben. Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Eltern inmitten ihres eigenen Gefühlchaos die Emotionen der Kinder respektieren und für sie da sind.

Laut dem Bundesamt für Statistik liefen letztes Jahr über 39 000 Menschen in der Schweiz in den Hafen der Ehe ein.

Wie wichtig Kommunikation ist, zeigt das Beispiel von Scheidungskind Lena Bachmann. Von einem Tag auf den anderen zieht ihr Vater von zuhause aus. Sie versteht die Welt nicht mehr, zumal sie die Eltern nie hat streiten sehen. Die damals Neunjährige lebt von nun an zusammen mit ihrer Schwester bei der Mutter und besucht den Vater an gewissen Tagen. Die Besuche werden jedoch immer sporadischer: «Ich wusste oftmals nicht, an welchem Tag ich zu welchem Elternteil musste.» So stand sie aufgrund fehlender Absprache der Eltern oftmals vor verschlossenen Türen. Von der neuen Partnerin des Vaters erfuhr sie erst viel später, auch wenn alle Anzeichen darauf hindeuteten.

Alle für einen

Kinder sollen unabhängig von der Trennung immer noch darauf vertrauen dürfen, dass ihre Eltern sie lieben und einander respektieren. Das schafft Sicherheit. Eltern sollten trotz aller Konflikte das Kindeswohl im Auge behalten und sie nicht dazu bringen, sich solidarisch auf eine Seite zu schlagen. Experten raten deshalb, die Rolle als Partner oder Partnerin von der Rolle als Mutter oder Vater abzugrenzen. Um den Kindern eine möglichst enge Bindung zu ermöglichen, müssen die Geschiedenen an einem Strang ziehen und sich nicht gegenseitig schlecht machen. Kinder schauen sich dieses Muster nämlich ab und sehen entweder in Mutter oder Vater den Sündenbock. Insbesondere wenn ein Elternteil eine Zweitfamilie gegründet hat. Patchwork-Familien gibt es heutzutage wie Sand am Meer. Ob ein Kind schliesslich mit der Situation einer neuen Familie zurechtkommt, ist eine individuelle Frage. Dennoch können potenzielle Stiefeltern oder Halbgeschwister eine Bereicherung sein.

Ich wusste oftmals nicht, an welchem Tag ich zu welchem Elternteil musste.

Ja ich will… eine Scheidung

In der Schweiz gibt es zwei Möglichkeiten, sich scheiden zu lassen. Zum einen gibt es die einvernehmliche Scheidung beider Ehepartner. Hier wird gemeinsam mit einem Anwalt eine Scheidungskonvention ausgearbeitet, in welcher unter anderem alle Vorgaben bezüglich Sorgerecht und Unterhalt geregelt sind. Das Gericht prüft diese Konvention auf Korrektheit und scheidet dann die Ehe. Zum anderen gibt es die Scheidung auf Klage. Entweder weil sich nur ein Elternteil scheiden lassen will oder weil man nicht einverstanden ist mit den Rechten und Pflichten nach der Scheidung. Jeder versucht deshalb vor Gericht seine eigenen Interessen zu vertreten. Im Trennungsverfahren wird heftig um den Nachwuchs gekämpft. Nicht zuletzt wegen der Unterhalts- und Alimentenzahlungen. Kinder kosten eben, das bekommt man spätestens jetzt zu spüren.

Sorgerecht und Obhut der Kinder

In der Regel haben nach einer Scheidung beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht. Seit Juli 2014 gilt das laut dem Schweizerischen Zivilgesetzbuch, kurz ZGB auch bei der Trennung nicht verheirateter Paare. Wer das Sorgerecht hat, der kann das Kind gesetzlich vertreten, darf bei dessen Erziehung mitbestimmen und das Vermögen des Kindes verwalten. Selten wird lediglich einer Person das Sorgerecht zugeschrieben. Das Gericht handelt hier im Sinne des Kindes. Diese werden ab sechs Jahren ebenfalls vom Richter angehört.

Bei einer Scheidung wird nicht nur das Ehegelöbnis aufgelöst, sondern auch oftmals das gemeinsame Zuhause. Dem geschiedenen Paar und deren Kindern stehen von nun an drei verschiedene Wohnmodelle zur Verfügung: Die Kinder wohnen bei einem Elternteil und besuchen an vereinbarten Tagen den anderen. Bei dieser Variante, auch Residenzmodell genannt, dürfen die Kinder einen strukturierten Alltag geniessen, sehen aber im Gegenzug einen Elternteil viel weniger. Beim zweiten Modell, auch Wechselmodell genannt, leben die Kinder abwechslungsweise bei ihrer Mutter oder ihrem Vater und das zu mindestens 30 Prozent. Dieses Modell erscheint vielen Kritikern realitätsfremd, zumal es dem Scheidungspaar einiges an Kommunikation und Flexibilität abverlangt. Und bei der dritten Variante, dem Nestmodell, bleiben die Kinder wie gehabt in derselben Wohnung, während sich die Eltern dort mit der Betreuung der Kinder abwechseln. Für die Kinder ändert sich trotz Scheidung bei diesem Modell am wenigsten. Aber auch hier sind die Kommunikationskünste der Eltern gefragt.

Mit gegenseitigem Respekt und gelungener Kommunikation lässt sich nahezu jeder familiäre Konflikt lösen. Und das ganz ohne Rosenkrieg. Es gilt der Grundsatz: gemeinsam gegen das Problem kämpfen und nicht gegeneinander. Eltern und Kind können somit trotz Scheidung sagen: «We are Family!»

Text: Sonja Jamil

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