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20 Juli 2019

Firmengründungen leicht gemacht.

Die Schweiz ist ein tolles Land, um eine Firma zu gründen – gerade auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Seit 2017 bewährt sich insbesondere EasyGov.swiss als gutes E-Government-Portal im Umgang mit den örtlichen Behörden.

«Die Schweiz bietet noch immer sehr gute Rahmenbedingungen für Unternehmen», sagt der Economiesuisse-Chefökonom Prof. Dr. Rudolf Minsch gegenüber «Fokus Rechtsguide». So verfüge die Schweiz über ausgezeichnete Infrastruktur, ein sehr gutes Bildungssystem, moderate Steuerbelastung und ein hohes Mass an Stabilität. «Obwohl wir nicht in der EU sind, haben unsere Unternehmen einen guten Zugang zum Europäischen Binnenmarkt. Die Schweiz verfügt über ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen. Dank dieser guten Rahmenbedingungen können Unternehmen trotz den sehr viel höheren Lohnkosten als im Ausland konkurrenzfähig sein.»

Sofort loslegen

Die Gründung eines Unternehmens ist in der Schweiz vergleichsweise einfach. Ein Einzelunternehmen kann folglich jeder ohne grosse Formalitäten gründen. Wer sich als Einzelunternehmer (ohne Angestellte) selbständig machen will, kann eigentlich sofort loslegen. Erst später muss er sich bei der AHV, der Unfallversicherung, im Handelsregister und bei der Mehrwertsteuer anmelden. Nur für wenige vom Bund  oder den Kantonen reglementierte Bereiche benötigt man indes besondere Bewilligungen.

Die Schweiz verfügt über ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen.

Gutes E-Government-Portal

Johann Schneider-Ammann hat im November 2017 gemeinsam mit verschiedenen Partnern EasyGov.swiss lanciert – den Online-Schalter für Unternehmen. Das Transaktionsportal vereinfacht den Austausch zwischen Wirtschaft und Verwaltung, reduziert die Aufwände von Unternehmen und hat sich praktisch bewährt. Dies bestätigt etwa das internationale Ranking auf dem «Global Enterprise Registration Portal». Dieses bewertet die Unternehmensgründungsprozesse weltweit und kann dafür auf die Unterstützung von der «United Nations Conference on Trade and Development» (UNCTAD) zählen. Die Schweizer Plattform erhielt die volle Punktzahl und steht damit zusammen mit den vier anderen Ländern Dänemark, Estland, Oman und Neuseeland weltweit auf Platz 1 (https://ger.co).

Zurückgestufte Schweiz

Im direkten Vergleich mit anderen europäischen Ländern sieht Ökonom Minsch klares Verbesserungspotential: «Die Schweiz ist im Ease of Doing Business-Index der Weltbank gerade auch wegen der dafür notwendigen Ressourcen und der Dauer der Gründungen in den letzten Jahren kontinuierlich zuückgefallen und befindet sich im Moment bezüglich Firmengründungen auf Rang 77.» Bei diesem Indikator rangieren Neuseeland, Georgien, Singapur, Kanada oder Hong Kong auf den Spitzenpositionen. Für die Schweiz gilt hier eine GmbH als Massstab. Das Mindestkapital einer GmbH von CHF 20 000 ist denn auch ein wichtiger Grund für die schlechte Platzierung der Schweiz. In 117 anderen Ländern ist kein Mindestkapital notwendig. Ausserdem schneidet die Schweiz bei der Anzahl notwendiger Prozesse und bei der notwendigen Zeit unterdurchschnittlich ab. Anderseits zeichnet sich die Schweiz seit Jahren durch Spitzenplatzierungen in den üblichen Ranglisten zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit aus, wie etwa diejenige des World Economic Forum (WEF).

Die meisten Firmen wurden in der Genfersee-Region gegründet, gefolgt von Zürich.

Ruf nach einfacheren Strukturen

Die Schweiz sieht im Rahmen der Firmengründung Prozesse vor, welche Konkurrenten aus dem Ausland nicht kennen: «So ist selbst in einfachen Fällen, bei der Verwendung von standardisierte Gründungsunterlagen, eine notarielle Beurkundung zwingend», erläutert Minsch weiter. «Darüber hinaus sehen Spezialgesetze wie beispielsweise die Lex Koller Erklärungen beim Gründungsakt vor. Alles in allem könne man in einer digitalisierten Wirtschaft einen Gründungsakt in wenigen Minuten erledigen, ohne dass die Interessen Dritter dabei gefährdet seien. Zentral hierfür wäre gerade auch eine elektronische Identität. Hier hat die Schweiz klar Nachholbedarf.» Eine grosse Hürde für die Gründung einer GmbH oder einer AG ist gemäss der SECO-Mediensprecherin Livia Willi auch das Erfordernis einer öffentlichen Beurkundung: Der Bundesrat nimmt aktuell einen neuen Anlauf, dieses Hindernis zu beseitigen. In der laufenden Aktienrechtsrevision schlägt der Bundesrat die Abschaffung der öffentlichen Beurkundung bei einfach strukturierten Unternehmen vor. Die Vorlage ist gemäss SECO allerdings noch in der parlamentarischen Beratung.

EasyGov-Ausbau

In Zukunft soll ein schrittweiser Ausbau der EasyGov-Plattform erfolgen. Das als One-Stop-Shop konzipierte Portal soll in 10 bis 20 Jahren elektronische Behördenleistungen von Bund, Kantonen und Gemeinden anbieten, welche den gesamten Lebenszyklus eines Unternehmens abdecken. Ein besonderes Thema sieht Herr Minsch in der Besteuerung von Start-ups: «Hier hat Zürich eine Lösung gefunden, die die Start-ups mit wenig Umsatz aber positiven Ertragsaussichten nicht bestraft.» In anderen Kantonen gibt es diesbezüglich noch einiges zu tun.

Wie viele Firmen werden jährlich in der Schweiz gegründet?

Gemäss den aktuellsten verfügbaren Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) ist die Zahl der Firmengründungen in der Schweiz in den letzten Jahren relativ konstant geblieben. In der Schweiz wurden 2016 insgesamt 39125 Unternehmen gegründet, die 53 031 Arbeitsplätze schufen. Im Vergleich zu 2015 bedeutet das einen Rückgang der Firmengründungen um 1 Prozent und eine Abnahme der geschaffenen Arbeitsplätze um 2,9 Prozent. Der tertiäre Sektor spielte 2016 für die Firmengründung in der Schweiz mit Abstand die grösste Rolle. Auf ihn entfielen 87,4 Prozent der neuen Unternehmen und 84,8 Prozent der neuen Arbeitsplätze. Die meisten Firmen wurden in der Genfersee-Region gegründet, gefolgt von Zürich.

Text: Mohan Mani

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