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Zürich
26 Mai 2020

Trotz Behinderung gleichberechtigt leben.

Eine Besucherin im Rollstuhl bleibt vor dem Kino blockiert, weil der Saal nur über eine Treppe erreichbar ist. Ein gehörloser Informatiker nimmt nach jahrelanger Suche eine Arbeit unter seinem Bildungsniveau an. Menschen mit Behinderungen ist es oft nicht möglich, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Die Behindertenpolitik des Bundes will dies ändern.

Andreas Rieder, Leiter des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen
Andreas Rieder,
Leiter des Eidgenössischen Büros
für die Gleichstellung
von Menschen mit Behinderungen

Der öffentliche Verkehr und öffentliche Gebäude sind heute viel besser zugänglich als vor 15 Jahren. Damals wurde das Gesetz über die Beseitigung von Benachteiligungen von Menschen mit Behinderungen eingeführt. Neun von zehn Menschen mit Behinderungen können heute dadurch die öffentlichen Verkehrsmittel selbstständig nutzen.

Weniger gut sieht es aus bei der Selbstbestimmung oder im Arbeitsleben. Denn hier sind die Lücken in der Gleichstellung noch gross. Viele Menschen mit Behinderungen haben wenig Wahlmöglichkeiten bei der Art und Weise, wie sie gerne leben und wohnen möchten. Sie können dadurch kein selbstbestimmtes Leben führen. Auch in der Arbeitswelt sind wir in der Schweiz noch weit von der Gleichstellung entfernt. Drei Viertel der Menschen mit Behinderungen haben eine Arbeit. Längst nicht alle davon können aber darin ihre Bedürfnisse oder ihr Potential erfüllen. Sie arbeiten zum Beispiel nicht auf dem Beruf, für den sie ausgebildet wären.

Viele Menschen mit Behinderungen haben wenig Wahlmöglichkeiten bei der Art und Weise, wie sie gerne leben und wohnen möchten. Andreas Rieder

Gleichstellung sowie Selbstbestimmung betreffen das ganze Leben. Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung konzentriert sich in den nächsten Jahren auf drei Schwerpunkte der Behindertenpolitik. In allen Schwerpunkten unterstützen wir innovative Projekte.

Zugängliche Arbeitsplätze, barrierefreie Arbeitssoftware

Ziel des Schwerpunkts «Gleichstellung und Arbeit» sind inklusive Arbeitsumfelder. Das sind zum Beispiel zugängliche Büros, barrierefreie Arbeitssoftware, ein sensibilisiertes Team, Engagement der Chefetage. Ein Unternehmen mit einem bereits barrierefreien Arbeitsumfeld ermöglicht die Anstellung von Menschen mit Behinderungen und erhält so diversere und innovativere Teams.

Die Chancen der Digitalisierung

Der Schwerpunkt «Barrierefreiheit und Digitalisierung» will die Chancen der Digitalisierung für Menschen mit Behinderungen besser nutzen. Zum Beispiel mit barrierefreien Webseiten und zugänglichen Online-Dienstleistungen. Ist eine Webseite barrierefrei, kann diese beispielsweise mit einem Vorleseprogramm von einer blinden Leserin vollständig genutzt werden.

Selber bestimmen

Schliesslich der Schwerpunkt «Selbstbestimmtes Leben». Zur Selbstbestimmung gehört die Möglichkeit über sich und sein Leben im gleichen Masse wie alle anderen selbst entscheiden zu dürfen. Ein grosses Thema dabei ist die Wohnform oder die Freizeit selber gestalten zu können.

Gleichstellung und Selbstbestimmung betrifft das ganze LebenAndreas Rieder, Leiter des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen

Gleichstellung – ein Test für die Schweiz

Die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und ein Test für unser Land und unser Selbstverständnis. Niemand darf aufgrund einer Behinderung diskriminiert oder benachteiligt werden. So steht es in unserer Verfassung.

Unser Ziel: Menschen mit Behinderungen erhalten die volle, autonome und gleichberechtigte Teilhabe am politischen, wirtschaftlichen, sozialen sowie kulturellen Leben. Daran arbeiten wir zusammen mit den Kantonen, den Gemeinden, vielen engagierten Organisationen und mit Menschen mit Behinderungen. Und mit all jenen, die unsere Gesellschaft darin unterstützen, dass Gleichstellung und Selbstbestimmung selbstverständlich werden.

www.edi.admin.ch/ebgb

Text: Andreas Rieder

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