14.3 C
Zürich
5 Juni 2020

René Schudel isst grundsätzlich alles.

Der Berner Starkoch René Schudel ist ein vertrautes Gesicht. Seit 2008 flimmert er in zahlreichen Kochformaten über die heimischen Bildschirme, vom Funky Kitchen Club bis zu Schudels Food Stories. Nun verrät uns der Sternekoch seine Menütipps fürs erste Date, seine Gedanken zu Food-Trends und vieles mehr. 

René Schudel, wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Leben aus?

Generell stehe ich zwischen sechs und sieben auf, je nachdem wie der Vorabend war. Dann geht es ins Büro und um neun kommen die Köche. Einmal täglich haben wir eine Rezeptsitzung, in der wir alles definieren, korrigieren und probekochen. Nach dem Mittagservice mache ich, wenn möglich, Sport und ein Nickerchen. Um fünf geht’s wieder ab ins Restaurant. Zwischen zehn und zwölf ist der Tag dann mehr oder weniger vorbei. 

Sehr lange Tage. Geht das mit der Work-Life Balance?

Das ist meine Work-Life-Balance, genau das. (lacht) 

Also mehr Work als Balance.

Es gefällt mir einfach, wenn etwas läuft. Aber ich glaube, bei Unternehmern ist das die Regel. 

Sie wohnen im Obergeschoss Ihres Elternhauses. Geht man sich da ab und an auf die Nerven?

Im Gegenteil, meine Mutter beschwert sich manchmal darüber, dass wir uns zu wenig sehen. Denn ich bin einfach viel unterwegs. Effektiv zu Hause bin ich nur ein paar Tage in der Woche. 

Macht Ihnen das viele Reisen etwas aus?

Die Hotelatmosphäre gefällt mir, das ist ein Vorteil. Ich bin unkompliziert. Ich kann überall schlafen und das relativ gut. Aber im eigenen Bett einzuschlafen ist natürlich schon etwas anderes.

Was ist Ihr liebstes Stück zu Hause?

Meine Wohnung ist sehr spartanisch eingerichtet. Weniger ist mehr. Ich habe nicht gern viel in der Wohnung. Aber mein Tisch ist ein cooles Stück, den finde ich super.

Sie haben mehrere tausend Platten. Welches ist Ihre liebste?

Das kann ich so nicht sagen. Das gibt es nicht. Ehrlich gesagt muss ich auch zugeben, dass ich schon einige Jahre keine Zeit mehr hatte, um mich wirklich mit einer Platte hinzusetzen. Man hat ja heute alles digital. Ich sollte das aber wieder mal machen. Gut, dass Sie mich daran erinnern (lacht).

Gibt es einen Food-Trend, der sie nervt?

Naja ich bin ein Fleischliebhaber – vegan wäre also eher nichts für mich. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass es mich nervt. Jeder sollte für sich selber entscheiden, was einem guttut.

Wie finden Sie es, wenn Restaurantgäste alles fotografieren und auf Social Media teilen?

Grundsätzlich finde ich das okay, das Problem ist einfach, dass viele Leute nicht wissen, wie man Essen gut fotografisch in Szene setzt. Das ist extrem schwierig. Es gibt nur wenige Food-Posts, die wirklich gut sind. 

Freut es Sie also nicht, wenn im Restaurant erst mal die Handys gezückt werden?

Die Handys werden immer gezückt, das ist ein Zeichen der Zeit. Auch bei
Konzerten. Es stört mich jetzt nicht speziell, aber wenn das Essen dann kalt wird, ist das natürlich schade. 

Seit mehreren Jahren betreiben Sie das Backstage-Catering des Greenfield-Festivals. Was haben Sie dort schon Spannendes erleben können?

Das Greenfield ist eines meiner Jahreshighlights. Mittlerweile ist das fest in meinem Jahresprogramm. Das ist mega, nur Highlights. Eine sehr intensive und schöne Zeit.

Haben Sie auch Zeit, um Bands zu hören?

Das ist der Vorteil beim Backstage, man kann eigentlich gar nicht anders, als die Bands zu hören. 

Sie hatten schon mehrere erfolgreiche Kochformate; wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen würden, wie würden Sie Ihre Traum-Kochshow gestalten?

Mittlerweile gibt es so viele Formate, gute und schlechte. Das Format kann man nicht neu erfinden, und ich glaube auch, dass endloses Budget daran etwas ändern würde. Man muss kreativ werden. Es ist eine Frage des Knowhows und des richtigen Teams. Eine Kochsendung muss es sein. Es gibt ja fast keine mehr, die meisten sind Shows. Mein wichtigster Aspekt war es immer, dass meine Formate Kochsendungen sind.

Welches Kochformat lockt Sie vor den Fernseher?

Ich schaue ehrlich gesagt kaum TV. Ich schaue nicht mal meine eigene Sendung (lacht). Aber Kitchen Impossible ist schon der Wahnsinn.  

Was ist das Widerlichste, das Sie je gegessen haben?

Grundsätzlich esse ich ja alles. Es gibt einfach Sachen, die ergeben für mich keinen Sinn, zum Beispiel Froschschenkel. Aber ob das schlecht ist, sei dahingestellt. 

Sie haben einen schlechten Tag. Mit welchem Gericht kann man Sie glücklich machen?

Generell kann man mich immer mit Essen glücklich machen. Ein guter Schinken, Käse, Tomaten, Olivenöl, Salz, Pfeffer, Zitronensaft. Ein schönes, frisches Brot und ein Schimmelkäse… Das ist einfach Happiness. 

Welches Menü sollte man bei einem ersten Date kochen?

Etwas mit wenig Knoblauch. Und etwas, das den Koch nicht überfordert. Beim ersten Date ist man nervös, da passieren schnell Fehler. Eine einfache Pasta mit frischen Tomaten und frischem Basilikum, das kommt gut. 

Gibt es ein Talent, das sie gerne hätten?

Ich würde gerne Klavier spielen können. Auch verschiedene Sprachen sprechen, würde ich gern, nur bin ich da leider sehr untalentiert. Und jedes Jahr, um das man älter wird, wird es leider schwieriger (lacht). Aber Spanisch, das ist einfach die schönste Sprache. Die würde ich gerne können. 

René Schudel nimmt Stellung:

Landleben oder Stadtleben? Ich mag die Stadt, aber zum Leben ist es auf dem Land besser.
Bier oder Wein? Sowohl als auch.
Online oder Offline? Offline sein, das wird irgendwann unmöglich sein.
The Rolling Stones oder AC/DC? Sowohl als auch.
Zürich oder Bern? Bern!

Interview Fatima Di Pane

Bilder RUDE – Rahel Schneuwly

Lesen Sie mehr.

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Nach der Lehrabschlussprüfung gleich eine Weiterbildung in Angriff nehmen? Was für die einen nach nie enden wollendem Stress tönt, ist für andere eine interessante Option. Ausschlaggebend dafür ist primär die eigene Motivation – sowie die finanzielle Situation.

Smart Cities: Städte, die alles selbst kontrollieren

Früher plante man eine Stadt anhand von Grundrissen, die man danach umsetzte. Dank der wachsenden Komplexität sind neue Lösungen für Städte erforderlich, die mit der heutigen Zeit mithalten können. Dazu eignen sich «Smart Cities», welche alle Tätigkeiten selbst lenken.

Archiv.

Hochzeiten gewinnen an Individualität

Die heutige Zeit wird immer schneller und digitaler. Gerade deswegen vertrauen wir stärker als je zuvor in die Gemeinsamkeit und in die Ehe.