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26 September 2020

Fremdsprachen als Schlüssel zum Erfolg.

«Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.» Obwohl dieses Zitat von Philosoph Ludwig Wittgenstein bereits mehr als hundert Jahre alt ist, ist es speziell in der heutigen Zeit wieder relevant. Sprachen öffnen einem in vielerlei Hinsicht Türen. Wie man am besten Sprachen lernt und welche Rolle dabei Auslandsaufenthalte spielen.

Das Sprachenportal «Ethnologue» listet zurzeit rund 7100 gesprochene Sprachen weltweit auf. Wer davon nur eine spricht, fühlt sich angesichts dieser grossen Zahl schnell klein und unbedeutend. Doch bereits das Sprechen von nur einer oder auch mehreren Fremdsprachen kann in zahlreichen Lebenslagen ein grosser Vorteil sein. Nicht nur kann man sich im Ausland verständigen, auch in beruflicher Hinsicht können Fremdsprachenkenntnisse einen enormen Pluspunkt darstellen. Wer Fremdsprachen beherrscht, ist in vielen Berufen gefragt. Gute Beispiele dafür sind die Gastronomie, die IT-Branche und der Detailhandel.

Das Sprachenportal «Ethnologue» listet zurzeit rund 7100 gesprochene Sprachen weltweit auf.

Igor Botchkarev, Gründer und CEO einer Sprachschule, gibt Auskunft über die besondere Relevanz von Fremdsprachen in der heutigen Zeit: «Die Wichtigkeit der Sprachen in der Zeit der Globalisierung ist besonders aktuell und wird immer wichtiger. Sprachen sind nicht nur ein Instrument der Kommunikation, sondern auch eine wichtige Komponente der Persönlichkeit eines Menschen, denn unsere Identität kommt meistens im Sprechakt zur Geltung.» Der Wandel der Berufswelt beeinflusst laut dem Experten direkt die Wichtigkeit von Sprachkenntnissen: «In unserer Zeit der Spezialisierung in allen erdenklichen Berufen steigt die Rolle der mehrsprachigen Kommunikation enorm. Ein guter Spezialist kann kein Einzelgänger mehr sein, sondern muss seinen Effort im Zusammenspiel mit verschiedensten Abteilungen des Unternehmens in einem sehr oft multikulturellen Kontext einbringen.»

Sprachen lernen leicht gemacht

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Für das Lernen einer Fremdsprache gilt dies aber nicht, wie Experte Igor Botchkarev verrät: «Um eine Sprache erfolgreich zu lernen, gibt es wenige einfache Regeln zu befolgen. Die Voraussetzung für einen erfolgreichen Lernprozess ist eine richtig gewählte interne Motivation.» Eine Sprache zu lernen ist aber viel mehr als lediglich Vokabeln büffeln: «Als Nächstes muss man verstehen, dass man nicht sprechen lernen kann, ohne eine Sprache auch wirklich zu sprechen – so wie man auch kein Musikinstrument spielen lernen kann, ohne es zu spielen. Denn was wir eigentlich beim Gitarre-Spielen üben, ist die Verbindung zwischen dem Gehirn und den für die entsprechenden Bewegungen zuständigen Muskeln in unserem Vorderarm. Beim Sprechen lernen passiert genau das Gleiche: Wir trainieren die Verbindung zwischen dem Gehirn und den artikulatorischen Muskeln, welche für das Sprechen zuständig sind.»

Laut der gängigen Meinung lernen Kinder Sprachen leichter als Erwachsene. Doch wieso eigentlich? Laut Igor Botchkarev handelt es sich im Erwachsenenalter lediglich um eine Kopfsache: «Der Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen beim Sprachenlernen liegt hauptsächlich in den bei den Erwachsenen im Weg stehenden psychologischen Grenzen, welche die einst beherrschten imitativen Instrumente ausser Gefecht setzen.»

Die Rolle von Auslandsaufenthalten

Besonders bei jungen Leuten sind Auslandsaufenthalte beliebt, etwa im Rahmen eines Zwischenjahrs nach der Matura. Inwiefern tragen Auslandsaufenthalte aber wirklich zum Lernen einer Fremdsprache bei? Igor Botchkarev meint: «Beim Sprachenlernen muss das Gehirn mit Informationen geflutet werden, damit es versteht, dass die Sprache nun ein unzertrennlicher Teil der Realität ist und einem anfängt zu helfen, die Sprache zu integrieren. Dies ist am besten im Ausland möglich, wo man von allen Seiten durch die Sprache umgeben ist, dementsprechend ist ein Auslandsaufenthalt eine tolle Möglichkeit, schnell Fortschritte in einer Sprache zu erzielen.» Zudem liefert er noch einen wertvollen Tipp für das Lernen von Fremdsprachen: «Man sollte einfach keine Scheue zeigen und Spass am Imitieren mitbringen.»

Inwiefern sind Auslandsaufenthalte aber tatsächlich sinnvoll? «Auslandsaufenthalte sind insofern sinnvoll, dass man in einem Sprachraum viel mehr Berührungspunkte mit der sprachlichen Realität und Möglichkeiten für Imitation bekommt, um die neue sprachliche Identität schneller aufbauen zu können», erklärt Igor Botchkarev. Nicht allen behagt aber die Vorstellung, über einen langen Zeitraum im Ausland zu leben, noch dazu vielleicht hunderte oder gar tausende Kilometer von zuhause entfernt. Folglich schliesst sich die Frage an: Wieso ins Ausland? Man kann Sprachen doch genauso gut im Heimatland lernen. Das stimmt, allerdings kann das Lernen einer Fremdsprache im Inland einen entscheidenden Nachteil beinhalten, wie Igor Botchkarev verrät: «Wenn man die Sprache im Inland lernt, gibt es die Gefahr, dass man sich zu sehr auf das Schreiben, Verstehen und die Grammatik konzentriert. Dann muss man das Sprechen immer noch dazulernen. Es ist ganz wichtig, sich von Anfang an auf das aktive Sprechen und die Aussprache zu konzentrieren, egal ob im Inland oder im Ausland.»

Fremdsprachen als beruflicher Türöffner

Wer Fremdsprachen beherrscht, verschafft sich im Allgemeinen einen enormen beruflichen Vorteil. «Heutzutage sind verschiedene Sprachen nicht mehr aus dem geschäftlichen Alltag wegzudenken», stellt Igor Botchkarev klar. «Wenn man die Sprache einer Person spricht, ist man plötzlich ein Teil ihrer Kultur und ihres Bewusstseins. Wenn man die gleiche Sprache spricht, ist es ein perfekter Eisbrecher und eine Zugangstür zur schnelleren und komplexeren Interaktion, was definitiv viele Vorteile im beruflichen Umfeld mit sich bringt.» Wer seinen Lebenslauf also aufwerten möchte, ist mit dem Lernen von Fremdsprachen also gut beraten.

Die zehn am meisten gesprochenen Sprachen weltweit 2019:

  1. Englisch
  2. Mandarin
  3. Hindi
  4. Spanisch
  5. Französisch
  6. Arabisch
  7. Bengali
  8. Russisch
  9. Portugiesisch
  10. Indonesisch

Text: Lars Gabriel Meier

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