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18 Januar 2020

Starker Franken, schwacher Franken.

Viele kleine und mittelgrosse Firmen litten unter der Aufwertung des Schweizer Frankens. Gibt es ein Patentrezept für die Zukunft?

Es ist fast immer das gleiche Spiel: Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die Kursuntergrenze aufzuheben, führt meist zu einer starken Aufwertung des Schweizer Frankens. Unmittelbar darauf werden die Wachstumsprognosen für das Schweizer Brutto-Inlandprodukt nach unten korrigiert. Gemäss dem Staatssekretariat für Wirtschaft gibt es keine Zahl, mit der sich die Auswirkungen eines starken Frankens auf die Schweizer Wirtschaft präzise beziffern liessen, doch in einem Punkt sind sich die Experten einig: Die Schwere der Auswirkungen hängt von der jeweiligen Branche ab. Der Grosshandel, der seine Produkte teilweise aus dem Ausland bezieht, ist im Vorteil. Dagegen sind Wirtschaftszweige, deren Wertschöpfungskette in der Schweiz angesiedelt ist, zum Beispiel der Tourismus oder die Werkzeugmaschinenindustrie, sehr stark betroffen.

Starker Franken

«Der Franken ist heute zwar stark, doch die Überbewertung hat in den letzten Jahren doch abgenommen», resumiert Aymo Brunetti, der frühere Seco-Leiter und heutige Direktor des Departements Volkswirtschaftslehre an der Universität Bern, zur aktuellen Frankenstärke. «Da die Inflation in der Schweiz tiefer war, ist der Franken heute real – also was die tatsächlichen Kosten betrifft –  mit einem Wechselkurs von knapp unter 1.10 weniger stark als in der Vergangenheit.»

Viele Unternehmen suchen nach Wegen, um sich für zukünftige Frankenstärken und -schwächen zu wappnen.

Zwang zur Effizienzsteigerung

Viele Unternehmen suchen nach Wegen, um sich für zukünftige Frankenstärken und -schwächen zu wappnen. Gibt es denn aus wissenschaftlicher Sicht ein Patentrezept? Aymo Brunetti rät zu mehr Produktivität als die Konkurrenz: «Die Schweizer Exportindustrie ist nicht zuletzt deshalb so wettbewerbsfähig, weil sich der Franken in den letzten Jahrzehnten laufend leicht aufgewertet hat. Dies zwingt die Unternehmen zu einer stetigen Effizienzsteigerung. Einen plötzlichen Aufwertungsschock können die Unternehmen aber nur wegstecken, wenn sie sehr hohe Margen haben. Plötzliche massive Aufwertungen lässt die SNB denn auch kaum zu. Exportunternehmen können natürliches Hedging anstreben, indem sie in den Währungen ihrer Exportmärkte Vorleistungen zu beziehen versuchen.»

Gefragte SNB

Dennoch gibt es einige wissenschaftliche Schlüsse, die man aus der letzten Frankenstärke ziehen kann: «Die Schweiz ist in der speziellen Lage, als kleines, exportorientiertes Land eine eigene Währung von Weltruf zu haben», führt Aymo Brunetti aus. «In Krisenzeiten erhöhen grosse, internationale Anleger ihre Bestände an Schweizer Wertpapieren und dadurch steigt dann die Nachfrage nach Franken im Verhältnis zur Grösse des Landes sehr stark an. Diese über die Finanztransaktionen verursachte Frankenstärke setzt dann jeweils den Schweizer Exporteuren zu. Die SNB versucht diese Effekte zwar so gut wie möglich aufzufangen, aber der Franken wird deshalb in turbulenten Zeiten immer zur Stärke neigen.»

Als Hauptszenario zeichnet sich für mich eine Abkühlung, nicht aber eine Rezession ab.

Rezession oder Abkühlung?

Mancherorts ist zu hören, dass die Schweizer Wirtschaft auf eine Rezession zusteuere. Aymo Brunetti ist da etwas weniger pessimistisch: «Als Hauptszenario zeichnet sich für mich eine Abkühlung, nicht aber eine Rezession ab. Das entspricht auch den Prognosen der meisten Institute. Besonders die Tatsache, dass Deutschland in einer Industrierezession steckt, spricht dafür, dass die kommenden Quartale eher wenig dynamisch sein werden. Ohne zusätzlichen Schock scheint mir die Schweizer Wirtschaft aber noch stark genug, um eine Rezession zu vermeiden.»

Guter alter Schweizer Franken

Es bleibt noch die Gretchenfrage, ob es eher ein Vor- oder Nachteil ist, dass die Schweiz bis heute eine eigene Währung hat. Für Aymo Brunetti überwiegen die Vorteile. Die Schweizer Wirtschaft sei bisher auch in einem schwierigen Umfeld mit der eigenen Währung gut gefahren: «Die zur Stärke neigende Währung hat uns eher widerstandsfähiger gemacht. Klar ist aber auch, dass der Spielraum der SNB im momentanen Umfeld sehr klein ist. Es ist in der heutigen Situation so gut wie unmöglich, eine restriktivere Geldpolitik zu betreiben als die EZB, obwohl einiges für Überhitzungsrisiken spricht. Trotzdem lässt die eigene Währung einen gewissen Spielraum, der in Zukunft auch wieder einmal grösser werden könnte.»

text: Mohan Mani

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