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18 Januar 2020

Schmerzfrei und nachhaltig arbeiten.

Arbeitnehmende klagen über körperliche Abnützung und viele sehnen sich nach nachhaltigeren Umständen am Arbeitsplatz. Gut, dass sich dieser Problematik immer mehr Arbeitgebende annehmen. Wie dies angegangen wird und was es beinhaltet, verrät «Fokus».

Die Krankenkassen verzeichnen jedes Jahr berufsbedingte Krankheitstage, welche sich vielleicht hätten verhindern lassen. Laut dem Bundesamt für Statistik waren im Jahr 2018 in der Schweiz 78 Prozent der Arbeits-Abwesenheitsgründe auf Krankheiten und Unfälle zurückzuführen. Besonders in Bezug auf Muskel- und Skeletterkrankungen lässt sich eine steigende Tendenz feststellen: ein langsames Degenerieren als Konsequenz zu wenig körperlicher Aktivität.

Oft ist es schwer, aus diesem Hamsterrad wieder rauszukommen. Schliesslich bleibt bei einer 42-Stunden-Arbeitswoche nicht mehr viel Freizeit übrig, um sich um die Gesundheit des eigenen Körpers zu kümmern. Daher ist es umso wichtiger, dass Arbeitgeber eine Arbeitswelt schaffen, welche die Gesundheit präventiv unterstützt, aber genauso auf soziale und ökologische Verträglichkeit abgestimmt ist. Mithilfe der richtigen Wahl der Geräte, Möbel und Materialien lässt sich dies realisieren. Eine nachhaltige Arbeitswelt fördert die Lebensqualität: Angefangen auf der persönlichen Ebene, auf der Mitarbeitende motivierter und zufriedener sind. Aber auch aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht macht eine nachhaltige Arbeitswelt Sinn.

Nachhaltige Anhaltspunkte

Aus der Sicht der Umwelt sind die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und kurze Arbeitswege gefragt. Smarte Gebäude sind wichtig, da diese relevante Nutzungsdaten und Verbrauchswerte über Sensoren ermitteln und steuern. Zudem stehen Gebäude im Trend, die nach nachhaltigen Kriterien gebaut und zertifiziert sind. Darüber hinaus bedeutet eine nachhaltige Arbeitswelt auch, dass flexible Arbeitszeitmodelle und Sharing- oder Joint-Strukturen unter verschiedenen Abteilungen oder gar Unternehmen existieren. All dies wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz und die Motivation der Arbeitnehmenden aus.

Der Körper ist wie ein Korsett

Muskeln wachsen am Widerstand und sie schrumpfen, wenn man sie nicht braucht. Also wie ein Korsett, das man schnüren und festziehen muss, ansonsten hält das Korsett nicht. Genauso ist es auch bei den Muskeln: Man muss sie straffen und reizen, damit sie die Knochen zusammenhalten und wir uns von der Stelle bewegen können. Auf dem Bürostuhl ist das leider nicht gross möglich. Dennoch kann man, nebst Sport, mit verschiedenen Techniken entgegenwirken, um das Bürositzen angenehmer zu machen, und somit Muskel- und Skeletterkrankungen vorzubeugen. Beispielsweise durch Stehpulte, Bewegungspausen oder sitzende Dienstreisen, die man durch Telefon- und Videokonferenzen ersetzen kann.

Ergonomisch arbeiten

Um ergonomische Arbeitsverhältnisse zu bieten, muss beim Mobiliar auf massgebliche Funktionalitäten wie zum Beispiel auf die Höhenverstellbarkeit geachtet werden. Stühle und Tische sollen erlauben, dass man seine Haltung ändern kann. Fokus-Bereiche erlauben, konzentriert und in ruhiger Umgebung zu arbeiten. Modern ausgestattete Meetingräume sollten für strukturierte Meetings zur Verfügung stehen, ebenso wie Lounge-Bereiche für einen zwanglosen, lockeren Austausch. Genügend Tageslicht in die Räume dringen zu lassen und eine gute Luftqualität sind ebenfalls wichtige Kriterien. Wenn die Infrastruktur sinnvoll konzipiert wird und man Abfalltrennung einführen will, müssen Trennstationen in Gehdistanz zur Verfügung stehen oder Wasserstationen, um Flaschen wieder aufzufüllen. Für die Arbeitnehmenden heisst das: Man sollte die Möglichkeiten nutzen, die angeboten werden. Man muss das eigene Verhalten ändern und sich zum Beispiel aktiv daran erinnern, dass man das Stehpult verwenden soll.

Recycling am Arbeitsplatz

Ein oftmals zu wenig praktizierter Teil in einem Unternehmen ist das korrekte Entsorgen und Rezyklieren von Verbrauchsgütern. In einem Büro sind es häufig Petflaschen, Aludosen, Papier oder Tonerpatronen. Da kommt doch einiges zusammen in einer Woche, und das Recycling gilt es nicht zu unterschätzen: Gemäss PET-Recycling Schweiz werden in der Schweiz immerhin jedes Jahr 1,6 Millionen Petflaschen konsumiert. In Gewerben wie auf dem Bau herrschen natürlich andere Dimensionen an Abfall, die auch entsprechend anders entsorgt und recycelt werden müssen. Zum Beispiel Bauschuttabfälle oder spezielle Batterien müssen an eine Sonderdeponie übergeben werden. 

Gemäss dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) sind in der Schweiz seit dem Jahr 2000 keine brennbaren Abfälle mehr deponiert worden. Somit werden alle Kunststoffabfälle umweltverträglich in stofflicher oder energetischer Form verwertet. 

Ans nachhaltige Ziel gelangen

Ob in der Industrie oder der Bürowelt; Luft nach oben gibt es bei den meisten Firmen in Punkto Nachhaltigkeit. Wie kann also ein Arbeitnehmer den Arbeitgeber am besten auf mangelhafte Nachhaltigkeit im Arbeitsumfeld aufmerksam machen, wenn etwas nicht vorhanden ist? Zum Beispiel kann man den Dialog zu den Vorgesetzten suchen. Zielgerichteter ist aber, wenn man «Best Practice» miteinander teilt oder wenn man Arbeitsgruppen bildet, sich mit den Bürokollegen und Kolleginen organisiert und dann konstruktive Vorschläge als Gruppe an die Geschäftsleitung weitergibt. Wer Inspiration teilt, anstatt nur zu bemängeln, kommt schneller ans Ziel.

Text: Alessandro Poletti

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