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26 September 2020

Von Maschinen und Menschen.

Noch zu seinen Lebzeiten warnte der britische Astrophysiker Stephen Hawking regelmässig vor den Gefahren einer ausser Kontrolle geratenen Künstlichen Intelligenz. Aber sind Maschinen wirklich des Menschen grösster Feind?

Viele Historiker glauben indessen, dass die Geschichte der Menschheit deutlich zeigt, dass des Menschen grösster Feind der Mensch selbst ist. Und so sieht es auch Roland Siegwart, ETH-Professor für Autonome Systeme: «Menschen werden auch in 20 oder 50 Jahren einer Maschine überlegen sein.» Klar werden die IT-Systeme immer komplexer und es fällt schon heute manchem Mitarbeiter schwer, den Überblick zu behalten. In vielen Betrieben hat die Automatisierung längst Einzug gehalten. So sind etwa die Zeiten der manuellen Zahlenverarbeitung längst vorbei. Nicht zuletzt wegen der fortschreitenden Automatisierung ist die heutige Gesellschaft deutlich effizienter geworden als in der Vergangenheit. Zudem findet man gerade in der Schweiz für viele einfache Arbeiten schlichtweg keine bezahlbaren Mitarbeitenden mehr. Da kommt dann eine Maschine wie gerufen.

Ich bin auch eine Maschine

Aber welche Tätigkeiten kann denn eine Maschine besser ausführen als ein Mensch und vice versa. Kurz gesagt: Ein Mensch ist sehr flexibel und anpassungsfähig. Er kann selbst komplexe Aufgaben relativ einfach erledigen und schreckt auch vor vielen Ausnahmen nicht zurück. Auch das kritische Denkvermögen ist ihm eigen. Dagegen haben Maschinen eine integrale Prozesskontrolle, kennen keine ergonomischen Probleme und sind beliebig multiplizierbar. Sie haben eine sehr hohe Wiederholungsgenauigkeit, arbeiten präzise, ununterbrochen und zuverlässig selbst bei repetitiven Aufgaben.

Menschen werden auch in 20 oder 50 Jahren einer Maschine überlegen sein.

Roland Siegwart, ETH-Professor für Autonome Systeme
Ein starkes Team

Menschen und Maschinen ergänzen sich sehr gut. So gibt es kaum mehr ein Produkt, das ausschliesslich von Menschen oder Maschinen hergestellt wird. Meist sind beide Parteien involviert. Für kleine Losgrössen lohnt sich eine Automation wenig, zumal man millionenfach dasselbe Produkt herstellen müsste. Demnächst kommen die sogenannt kollaborativen Roboter, mit denen momentan manuell durchgeführte Arbeiten maschinell unterstützt werden sollen. Im Fokus stehen aktuell neue, einfachere Programmierungen, die sogar von Arbeitenden selbst durchgeführt werden können. So wie man etwa einem Arbeitskollegen eine neue Aufgabe erklärt, so soll dies auch gegenüber einer Maschine möglich sein.

Neue Technologien gefragt

Die stetige Zunahme der Variantenvielfalt und kürzer werdende Produktionszyklen in der Automobilindustrie stellen enorme Anforderungen an die Flexibilität in der Produktion, schreibt etwa Timo Bänziger in seiner ETH-Doktorarbeit. Gleichzeitig verstärkt sich der wirtschaftliche Druck auf europäische Fertigungsstandorte durch wachsende Konkurrenz aus Niedriglohnländern, besonders aus dem asiatischen Raum. Um diese Herausforderungen auch in Zukunft zu meistern, werden neue Technologien zur Steigerung der Effizienz und Beherrschung der Komplexität in der Produktion benötigt. In der Fabrik der Zukunft müssen die Produktionsmitarbeiter durch intelligente Systeme in ihrer Arbeit unterstützt werden. 

Kollaborative Assistenzroboter

In diesem Zusammenhang stellt der Einsatz von kollaborativen Assistenzrobotern in der Montage einen vielversprechenden Ansatz dar. Hybride Teams, in denen Menschen und sensitive Roboter intelligent zusammenarbeiten und interagieren, können sehr vielfältige Montageaufgaben ausführen und leisten einen wesentlichen Beitrag zu der geforderten Flexibilisierung. In solchen Produktionsumgebungen arbeiten Roboter nicht mehr durch einen Schutzzaun getrennt vollautomatisierte Vorgänge ab, sondern werden zu kollaborierenden Partnern der Werker. Die Interaktion reicht von der Unterstützung schwerer Montagevorgänge bis hin zur intelligenten Aufgabenplanung und automatischen Übernahme einzelner Arbeitsschritte. Dabei kann nicht nur die Qualität des Arbeitsplatzes für die Werker erhöht werden, die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter verspricht auch eine bessere Aufteilung der Fertigungsaufgaben.

Viele IT-Hypes

Auch inskünftig wird sich die Technik in rasendem Tempo weiterentwickeln. Es wird viele Hypes geben, einige Technologien kommen und etablieren sich, andere verschwinden wieder vom Markt. Oft scheuen sich kostenbewusste Unternehmer vor grossen IT-Investitionen und warten lieber ab. Anderseits möchten sie den Zug nicht verpassen und lassen sich von Providern einspannen, die ihre jeweils neuste Technologie vorschnell zum neuen Standard erklären. Auch wenig förderlich sind unberechenbare Politiker, welche die Stabilität der Weltwirtschaft gefährden und so der Wirtschaft das Leben schwer machen.

Typisch Mensch!

Anderseits lässt sich der technologische Fortschritt nicht stoppen. Und so lange die Automatisierung ihren Energiebedarf unter Kontrolle hat und die Umwelt nicht überbelastet wird, gibt es daran nichts auszusetzen. Auch in ferner Zukunft werden wohl Menschen typisch menschliche Fähigkeiten wie Gefühle, Intuition, Empathie, Kreativität und Fantasie einsetzen. Ob Maschinen diese Eigenschaften jemals erlernen werden, ist aus heutiger Sicht nicht klar. Viele Wissenschafter gehen davon aus, dass der Mensch immer eine Fähigkeit und Fertigkeit finden wird, die ihn von einer Maschine unterscheidet.

Text Mohan Mani

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