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4 April 2020

Christian Stucki: «Die Jungs sollen machen, was ihnen Spass macht».

Den Titel «König der Herzen» hielt Schwinger-Veteran Christian Stucki schon seit Langem. Doch im letzten Jahr konnte sich der Seeländer am Eidgenössischen in Zug endlich einen Lebenstraum erfüllen: Indem er im Schlussgang Joel Wicki ins Sägemehl beförderte, errang sich Stucki die Krone des Schwingerkönigs. Wie es sich als «Monarch» lebt, welches Vorbild er seinen Söhnen abgeben will – und was ihm an der Schweiz ganz besonders gefällt, erfuhr «Fokus» während einer Audienz.

Ein anstrengender und wahrscheinlich langer Kampf würde es werden. Dies prophezeiten die Experten am letztjährigen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest, als im Schlussgang der Berner Christian Stucki gegen den Innerschweizer Joel Wicki antrat. Aber bereits nach wenigen Sekunden konnte der 1.98 Meter grosse Stucki seinen jüngeren Kontrahenten ins Sägemehl befördern. Damit sorgte Publikumsliebling Stucki nicht nur in der finalen Partie für eine Überraschung – denn die wenigsten hatten den 34-Jährigen als Favoriten der Veranstaltung gesehen. Dies nicht zu Unrecht, schliesslich hatte Christian Stucki 2019 mit Verletzungen zu kämpfen gehabt und war am Berner Kantonalfest nicht in der Lage gewesen, seine beste Leistung abzurufen.

Eine legendäre Leistung

Mit seinem Sieg am Eidgenössischen in Zug machte sich Christian Stucki in seinem Sport quasi unsterblich: Nicht nur avancierte er mit 34 Jahren zum ältesten Schwingerkönig aller Zeiten, er ist nach Jörg Abderhalden auch erst der zweite Athlet, der den Königstitel holen und auch die Kilchberger Schwinget sowie das Unspunnen Fest gewinnen konnte – den Grand Slam.

Christian Stucki am Eidgenössische Schwing- und Älplerfest - ESAF 2019 Zug.
Christian Stucki am Eidgenössische Schwing- und Älplerfest – ESAF 2019 Zug.
Christian Stucki, von aussen betrachtet war 2019 das Jahr schlechthin für Sie. Wie sehen Sie es selbst?

Ich schaue natürlich sehr gerne auf das vergangene Jahr zurück. Und es überrascht wahrscheinlich kaum, dass insbesondere das Eidgenössische in Zug mit dem Titelgewinn einen Höhepunkt in meinem Kalender markiert. Ich bin aber auch ein wenig gespalten in meinen Gefühlen, wenn ich zurückblicke. Denn trotz grosser sportlicher Erfolge war ich auch vom Verletzungspech geplagt gewesen und wusste während der Saison nie so recht, ob es reichen würde. Letztlich ist aber alles ideal aufgegangen, worüber ich mich sehr freue.

Sie wurden im letzten Jahr nicht nur Schwingerkönig – die Schweizerinnen und Schweizer wählten Sie überdies zum Sportler des Jahres. Eine Würdigung, die noch kein anderer Schwinger zuvor erfuhr.

Ja, das ist dementsprechend auch eine grosse Ehre für mich! Dass so viele Menschen bei der Fernsehsendung angerufen und für mich gestimmt haben zeigt, wie gross mein Rückhalt in der Bevölkerung ist. Das ist etwas ganz Besonderes und sich bin sehr dankbar dafür. Wenn man in einem einzigen Jahr so viele prägende Momente erleben darf wie ich 2019, benötigt man immer ein bisschen Zeit, bis man dann alles realisiert und «verdaut» hat. Mittlerweile bin ich soweit (lacht).  

Im Ring sind Sie eine Kämpfernatur. Wie sieht es zuhause aus – sind Sie demzufolge auch ein strenger Vater?

Manchmal sogar vielleicht ein klein wenig zu streng (lacht). Aber mit zwei lebhaften Buben muss man schon schauen, dass alles nach dem Rechten geht – man muss «den Daumen draufhaben». Ich denke als Eltern erzieht man die eigenen Kinder immer auch ein bisschen so, wie man selber erzogen wurde. Das lässt sich nicht ablegen. Ich gebe mir aber Mühe, nicht allzu streng mit meinen Jungs zu sein.

Werden Ihre Söhne dereinst Ihre Nachfolge antreten?

Elia ist noch zu klein fürs Schwingen. Xavier, der ältere der beiden, ist sieben Jahre alt und besucht die 1. Klasse. Vom Alter her würde das eher passen, auch wenn es bei ihm ebenfalls noch relativ früh wäre. Ich habe aber sowieso nicht den Eindruck, dass er eine grosse Leidenschaft fürs Schwingen mitbringt. Und das ist auch vollkommen in Ordnung, die Jungs sollen das machen, was ihnen Spass macht. Ich werde sie zu gar nichts zwingen. Fussball steht beispielsweise bei beiden hoch im Kurs, das «tschutten» gefällt ihnen sehr. Wenn sich einer meiner Söhne dereinst für den Schwingsport interessieren sollte, fände ich das natürlich schön und würde ihn dabei unterstützen. Aber wie gesagt, das ist allein ihre Entscheidung.

Christian Stucki im Sägemehlring am Eidgenössische Schwing- und Älplerfest - ESAF 2019 Zug.
Wie geht Ihre eigene Karriere weiter? Ist es schwierig, ambitioniert zu bleiben, wenn man praktisch alles gewonnen hat?

Nein, der Titel ändert nichts an meiner Motivation. Ich habe schon im Vorfeld des Eidgenössischen in Zug gesagt, dass ich noch drei Jahre schwingen will, wenn es meine Gesundheit zulässt. Daran halte ich auch fest. Ich trainiere regemässig und bereite mich vor, denn ich möchte unbedingt am Eidgenössischen in Pratteln antreten können. Was darüber hinaus geschieht, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich denke aber, dass ich dem Sägemehl in der einen oder anderen Form treu bleiben werden, vielleicht in einer anderen Funktion. Ich bin jetzt 35 Jahre alt und stehe seit 28 Jahren im Ring, das schafft schon eine starke Verbindung.

Was bedeutet die Schweiz für Sie?

Die Schweiz steht für mich für Vielfalt, sowohl landschaftlich als auch kulturell und sprachlich. Wir leben in einem wunderschönen Land, das malerische Berge und Seen zu bieten hat, und auch im Flachland findet man viele schöne Ecken. Und uns geht es sehr gut, wir verfügen über ein einzigartiges Wohlstandsniveau. Was will man eigentlich noch mehr?

Kurze Frage, kurze Antwort: Heute mit Schwingerkönig Christian Stucki zum Thema «Schweiz»

Ihr Lieblingsort in der Schweiz?
Das ist immer das eigene Zuhause

Das leckerste Schweizer Gericht?
Oh, schwierig, davon gibt es so viele! Aber wenn ich wählen muss – dann entscheide ich mich für Kalbsleberli mit Rösti, die sind immer ein sicherer Wert (lacht).

Ihr Lieblings-Mundart-Song?
«Sunnechünig» von Paten Ochser, einfach ein absolutes Spitzen-Lied.

Lieber wandern oder skifahren?
Bis jetzt bin ich lieber wandern gegangen, mit dem Skifahren habe ich es nicht so.

Was kommt in die Lunchbox: Käse oder Schoggi?
Käse.

Berge oder Seenlandschaft – was ist schöner?
Als Seeländer dürfte meine Ansicht klar sein.

Zur Person

Christian Stucki (oder Stucki Chrigu) wurde am 10. Januar 1985 in Aarberg geboren. Stucki lebt in Lyss BE mit seiner Frau Cécile und den gemeinsamen Söhnen Xavier und Elia. Stucki steht im Sägemehl seit er sieben Jahre alt ist und konnte im letzten Jahr in Zug das Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest für sich entscheiden. Zu seinen anderen wichtigsten Erfolgen zählen die Siege am Kilchberger Schwinget im Jahr 2008 sowie am Unspunnen Schwinget 2017. Damit hat Stucki drei der prestigeträchtigsten Titel im Schwingen gewonnen. Mit Stuckis Triumph in Zug geht die lange Dominanz der Berner Schwinger weiter. Seit 2010 stellen sie mit Kilian Weniger, Matthias Sempach, Matthias Glarner und Christian Stucki vier verschiedene Könige. Dieses Kunststück haben die Berner als erster Verband realisiert. www.christianstucki.ch

Interview: SMA, Bilder: zVg

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