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4 Juni 2020

Wer hat an der Uhr gedreht? – Wissenswertes rund um die Zeitumstellung.

In der Nacht vom 28. auf den 29. März 2020 ist es wieder soweit: Die Uhren werden eine Stunde nach vorne gestellt und die Sommer- löst somit die Winterzeit ab. Ein Überblick über die Regel, welche immer wieder aufs Neue Kontroversen auslöst und sich dennoch niemals vollständig verdrängen liess.

Wie alle Jahre wieder steht auch dieses Jahr am letzten Sonntag im März die Zeitumstellung an. Doch sie sorgt in vielen Fällen immer wieder für Verwirrung: Werden die Uhren im Frühling vor- oder zurückgestellt? Zahlreiche Merksprüche sorgen in Zukunft für Klarheit (siehe Infobox). Das Vorstellen der Uhren im Frühling hat zur Folge, dass es morgens zwar länger dunkel, dafür abends noch länger hell ist. Bei der Umstellung zur Winterzeit am letzten Sonntag im Oktober ist das umgekehrte Phänomen der Fall: Morgens wird es wieder früher hell, dafür dämmert es abends früher.

Geschichte der Zeitumstellung

Um den Beginn der Geschichte der Zeitumstellung zu erfahren, muss man die Uhr im wahrsten Sinne des Wortes viele Jahre zurückdrehen: Im Juli 1908 erfolgte in Port Arthur in der kanadischen Provinz Ontario die erste Umstellung zur Sommerzeit. Das Kernargument für die Einführung der Sommerzeit war die optimalere Nutzung des Tageslichts und somit die Einsparung von Energie. Ansätze in diese Richtung reichen sogar noch weiter zurück: So hat bereits Benjamin Franklin in den 1780er-Jahren die Idee geäussert, die Bevölkerung jeweils direkt zum Sonnenaufgang aufzuwecken, um das Tageslicht bestmöglich auszunutzen.

Das Vorstellen der Uhren im Frühling hat zur Folge, dass es morgens zwar länger dunkel, dafür abends noch länger hell ist.

Auf Port Arthur folgte drei Jahre später das ebenfalls in Ontario liegende Orillia. Noch war die Sommerzeit eine reine Ortssache, was sich aber während des Ersten Weltkriegs änderte. Die ersten Staaten, die die Sommerzeit auf nationaler Ebene einführten, waren 1916 das Deutsche Reich und Österreich-Ungarn. Auch hierfür war die Motivation klar pragmatischer Natur: Man wollte die während des Krieges verwendete kostbare Kohle sparen. Zahlreiche Staaten zogen mit, gaben die Sommerzeit aber teilweise später wieder auf. Bis heute herrscht global keine einheitliche Regelung – 2020 ist die Trennung von Sommer- und Winterzeit in 75 Staaten weltweit vorzufinden, was weniger als der Hälfte der gelisteten Staaten darstellt. In Europa ist das Phänomen übrigens in nur drei Staaten nicht vorzufinden: Island, Weissrussland und Russland.

Kontroversen

Diese weltweit uneinheitliche Regelung dient als gutes Beispiel für die zahlreichen Kontroversen, welche das Phänomen stets wieder aufs Neue auslöst. Das jüngste Beispiel nimmt am 31. August 2018 seinen Lauf: Ausgangslage bildete eine Umfrage, deren Ergebnisse der damalige EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker veröffentlichte. Von 4,6 Millionen Befragten sprachen sich 84 Prozent für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. Zunächst sah alles so aus, als wäre die Sache beschlossen, denn Juncker legte der Kommission bald darauf einen offiziellen Gesetzesvorschlag vor, wonach man die halbjährliche Zeitumstellung in absehbarer Zeit abschaffen soll. Trotz der optimistischen Einstellung geriet der Plan ins Stocken, als die zuständigen EU-Verkehrsminister der Sache vorläufig den Riegel vorschoben. Aktuellen Plänen zufolge wird die Umsetzung frühestens 2021 erfolgen. Das Kernargument ist, dass alle Länder in Mitteleuropa gleichzeitig mitziehen müssten, um ein Chaos zu vermeiden. Ansonsten könnte es zur Realität werden, dass man bei bestimmten Grenzübergängen jedes Mal erneut die Uhr umstellen muss. In bestimmten Regionen wären beispielsweise die Auswirkungen einer dauerhaften Sommerzeit deutlich spürbar: So bliebe es im Westen Spaniens – an der äussersten Grenze der Zeitzone der mitteleuropäischen Zeit (MEZ) – bis zehn Uhr morgens dunkel.

Von 4,6 Millionen Befragten sprachen sich 84 Prozent für die Abschaffung der Zeitumstellung aus.

Gesundheitliche Auswirkungen

Soll man die Zeitumstellung nun abschaffen oder nicht? Denn so sehr man sich über das frühere Aufstehen im Frühling ärgert, freut man sich doch jeweils umso mehr auf das um eine Stunde verlängerte Wochenende im Herbst. Die Zeitumstellung bringt zudem auch gesundheitliche Folgen mit sich, obwohl es sich jeweils «nur» um eine Stunde Unterschied handelt. Tatsächlich erleidet der Körper eine Art Jetlag: Die innere Uhr stimmt nicht mehr mit der Aussenwelt überein, woran man sich immer wieder erst gewöhnen muss. Je nach Sensibilität kann dies nur wenige Tage oder aber auch weit mehr als eine Woche dauern. Die möglichen Konsequenzen in dieser Anpassungsphase reichen von Schlafstörungen über Bluthochdruck bis hin zu Depressionen.

Mini-Jetlag vorbeugen

Um dem vorzubeugen, hilft es, sich bereits in den Tagen zuvor an die bevorstehende Zeitumstellung heranzutasten. Für die Umstellung zur Sommerzeit heisst das konkret: Etwas früher aufstehen und sich infolgedessen auch etwas früher schlafen legen – auch wenn es schwerfällt. Möglichst viel Zeit an der frischen Luft und somit an natürlichem Licht zu verbringen, kann das Bewältigen des Mini-Jetlags ebenfalls erleichtern. Generell sollte man in den Stunden vor dem Schlafengehen aber auf eine zu helle Umgebung verzichten, da ansonsten keine ausreichende Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin erfolgen kann – von Fernsehen bis kurz vor dem Schlafengehen ist folglich abzuraten. Und auch wenn die Umstellung zur Sommerzeit vielen schwerfällt, so erleichtert doch der Gedanke an lange Sommerabende das frühe Aufstehen.

Merksprüche für die Zeitumstellung

«spring forward – fall back»
Auf Deutsch übersetzt lautet der Spruch: «Springe vorwärts – falle zurück». Die Eselsbrücke setzt dabei auf eine Wortspielerei, wobei das Wort «spring» sowohl für den Frühling als auch für das Verb springen steht. Gleiches gilt für das Wort «fall», welches auf den Herbst und das Verb fallen verweist.

«Früehlig vüre – Herbscht hingere»
Einfach zu merken dank der Alliteration (gleicher Anlaut).

«Mit der Zeitumstellung ist es wie mit allem im Leben: Man muss immer erst etwas geben, bevor man etwas zurückbekommt»
Ziemlich selbsterklärend, oder?

Text: Lars Gabriel Meier

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