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3 Juni 2020

Food Waste: Die Rolle des Mindesthaltbarkeitsdatums.

Im Zuge der Klimadebatte um Greta Thunberg rückte auch das Thema Food Waste wieder stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Welche Rolle das Mindesthaltbarkeitsdatum dabei spielt und wie man Food Waste erfolgreich verringern kann.

In der Schweiz sind allein Lebensmittel für 30 Prozent aller Auswirkungen auf die Umwelt verantwortlich. Die daraus resultierenden Herausforderungen sind verschiedener Natur: Einerseits wirkt sich der Klimawandel auf die Ernährungssicherheit aus, also die Verfügbarkeit von Nahrung und den Zugang zu Lebensmitteln. Andererseits sind es auch genau wiederum unsere Entscheidungen, die wichtige Auswirkungen auf das Klima haben. Es ist daher wichtig, die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln zu verstehen und mit diesem Wissen der Klimakrise die Stirn zu bieten.

Weniger Food Waste der Umwelt zuliebe

Eine mögliche Vorgehensweise betrifft das Verringern von Lebensmittelabfällen, die sowohl finanzielles als auch ökologisches Gewicht haben. In der Schweiz werden jährlich 2,3 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Oriah Kaspi ist Key Account Managerin und PR- und Event-Spezialistin von «Too Good To Go», dem Weltmarktführer im Kampf gegen Food Waste. Sie hält fest: «Acht Prozent aller Treibhausgase werden durch Lebensmittelabfälle erzeugt. Wenn Lebensmittelverschwendung im übertragenen Sinne ein Land wäre, dann wäre es nach China und den USA der grösste Verursacher von CO2.» Die Verluste sind daher in allen Phasen der Wertschöpfungskette enorm, angefangen bei der Landwirtschaft über die Verarbeitung, dem Gross- und Einzelhandel bis hin zur Gastronomie und letzten Endes den Privathaushalten. Diese machen zudem laut Oriah Kaspi 45 Prozent der Lebensmittelverschwendung aus.

Was sind die Gründe für Food Waste?

Es gibt mehrere Gründe, warum Schweizerinnen und Schweizer Lebensmittel verschwenden. Erstens sind die gekauften Lebensmittelmengen zu gross und übersteigen bei Weitem den aktuellen Bedarf. Lebensmittel werden zudem oft nicht ordnungsgemäss gelagert oder nicht vor dem Verfallsdatum verzehrt, was dazu führt, dass Verbraucher sie wegwerfen. Nicht zuletzt landen Reste oft im Müll, anstatt dass sie gelagert, gefroren, wiederverwendet oder kompostiert werden.

Zu viele Lebensmittel werden weggeworfen

Die Expertin weist darauf hin, dass die Verfallsdaten für zehn Prozent der Lebensmittelverschwendung verantwortlich sind. Denn diese werden oft missverstanden und führen dazu, dass Verbraucher viel zu viele Lebensmittel wegwerfen. Denn in der Tat kennen viele Verbraucher den Unterschied zwischen den Begriffen «konsumieren bis» und «vorzugsweise konsumieren vor» nicht. Das bestätigt auch Lucie Rein, Country Managerin von «Too Good To Go» Switzerland: «Laut einer EU-Studie kennen 53 Prozent der Befragten den Unterschied zwischen dem Datum der Mindesthaltbarkeit und dem Verfallsdatum nicht.» 

Was steckt hinter diesen Daten?

Das Gesetz unterscheidet drei Arten von Ablaufdaten: das Verfallsdatum, das Mindesthaltbarkeitsdatum sowie das empfohlene Verwendungsdatum. Diese drei Namen sorgen aber oft für Verwirrung.

Laut einer EU-Studie kennen 53 Prozent der Befragten den Unterschied zwischen dem Datum der Mindesthaltbarkeit und dem Verfallsdatum nicht.

Lucie Rein, Country Managerin von «Too Good To Go» Switzerland
Verfallsdatum

Das Verfallsdatum ist das Datum, das bei sogenannten sehr leicht verderblichen frischen Lebensmitteln verwendet wird, die im Kühlschrank aufbewahrt werden sollten. Dies ist bei Fleisch, Fisch und Milchprodukten der Fall. Es gibt an, dass das Lebensmittel bis zu einem gewissen Zeitpunkt verzehrt werden soll. Und es gibt den Tag und den Monat an, nach denen das Produkt nicht mehr verzehrt werden kann, da eine bestimmte Menge an Bakterien das Nahrungsmittel befallen haben und beim Verzehr zu einer Lebensmittelvergiftung führen können. 

Mindeshaltbarkeitsdatum

Das Mindesthaltbarkeitsdatum findet bei mässig oder nur wenig verderblichen Lebensmitteln Verwendung. Dies sind zudem die meisten Produkte. Das Überschreiten des im Formular angegebenen Verzehrs «vorzugsweise vor…» gefolgt von Tag und Monat gefährdet den Verbraucher nicht. Konkret gibt diese Angabe nur an, dass sich der Geschmack des Produkts nach Ablauf des jeweiligen Datums ändern kann. Expertin Oriah Kaspi erklärt: «Dieses Datum zeigt an, bis wann das Produkt alle seine Eigenschaften behält. Auf den meisten Produkten lässt sich dieses Datum finden. Sie können daher auch später noch konsumiert werden.» Aus diesem Grund empfiehlt «Too Good To Go» Herstellern, dem Datum der Mindesthaltbarkeit zusätzlich einen Vermerk wie «oft gut nach…» hinzuzufügen.

Verwendungsdatum

Letzten Endes entspricht das empfohlene Verwendungsdatum zudem dem Ablauf der Konservierungszeit eines Lebensmittels. Es kommt beispielsweise bei Eiern zu Tragen und zeigt die 28 Tage nach dem Legen an. Im Allgemeinen können Eier aber auch nach diesem Datum gegessen werden, wenn sie ordnungsgemäss gelagert wurden. 

Tests sorgen für Klarheit

«Heute vertrauen wir mehr auf Ablaufdaten als auf unsere Sinne – zu Unrecht! Denn der einfache Trick besteht darin, das Produkt unter die Lupe zu nehmen, also zu riechen, zu schmecken und dann zu geniessen», erläutert Lucie Rein. Um den Zustand des Produkts zu überprüfen, welches oft nach dem angegebenen Datum noch gut ist, können Verbraucher ihre Sinne benutzen. So kann sichergestellt werden, dass das Produkt keine optische Veränderung aufweist und so aussieht, wie es sollte. Der Verbraucher kann auch überprüfen, ob kein unangenehmer Geruch von ihm ausgeht und ob der Geschmack noch wie gewohnt ist. Sobald diese Tests durchgeführt wurden, kann man entscheiden, ob man das Lebensmittel konsumiert oder sich doch lieber an das Verfallsdatum hält.

Die Menge an Food Waste bis 2030 halbieren

Denn diese kleinen Aufmerksamkeiten können erhebliche Auswirkungen haben und dazu beitragen, das Ziel zu erreichen, das sich die Schweiz im Rahmen der Agenda 2030 gemeinsam mit den Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen gesetzt hat: Die Menge an Food Waste bis 2030 zu halbieren.

Ambitionierte Ziele

Viele Privatpersonen und Unternehmen setzen sich dafür ein, Lebensmittel nicht zu verschwenden, wie beispielsweise «Too Good To Go». Die Organisation ist zudem derzeit weltweit führend im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Expertin Oriah Kaspi erklärt weiter: «Dank der App, die von mehr als 18 Millionen Menschen heruntergeladen wurde, wurden mehr als 29 Millionen Mahlzeiten eingespart. Aber sie ist nicht nur eine App, sondern auch eine Bewegung mit ehrgeizigen Zielen. Für 2020 ist das Ziel beispielsweise, 50 Millionen Menschen dazu zu inspirieren, mit 75 000 Unternehmen zusammenzuarbeiten, 500 Schulen zu inspirieren und die Gesetzgebung von fünf Ländern zu beeinflussen. Wir bekennen uns auch zu diesem Kampf mit vielen anderen Projekten wie dem Label „oft gut nach…“»

Also dann – bereit, den Kampf gegen Food Waste aufzunehmen?

Weitere Informationen

savefood.ch

toogoodtogo.ch

Text Andrea Tarantini 

Übersetzung aus dem Französischen Lars Gabriel Meier

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