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Zürich
29 November 2020

ESG und Impact sind mehr als nur Randphänomene.

ESG-Kriterien erfreuen sich zunehmend grosser Beliebtheit und auch Impact Investments erreichen höhere Volumen. Dabei handelt es sich keinesfalls um Randerscheinungen, sondern bereits um Elemente des Mainstreams. 

Michael Sieg
Michael Sieg
CEO von ThomasLloyd
Bild: ThomasLloyd
Florian Heeb
Florian Heeb
wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Banking und Finance der Universität Zürich
Bild: UZH

Nachhaltige Finanzen werden immer wichtiger: Laut der Swiss Sustainable Investment Market Study 2020 haben diese Art von Investitionen ein Volumen von 1,16 Billionen Franken erreicht. Alleine im Jahr 2019 sind sie um 62 Prozent gewachsen. Darin enthalten sind alle Investitionen, die in irgendeiner Form Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Eine allgemeingültige Definition gibt es allerdings nicht. Folglich bestehen vor allem umgangssprachlich noch Unsicherheiten – trotz der grossen Präsenz des Themas.

ESG-Kriterien und Impact Investments

Innerhalb der nachhaltigen Finanzen gibt es mehrere Klassifizierungen von Investitionen, unter anderem den Ausschluss von Unternehmen, Engagement, Voting und den Best-in-Class-Ansatz. Dazu reihen sich auch ESG-Kriterien und Impact Investments. ESG steht für Environment, Social und Governance, also beschreibt es Umwelts-, soziale und Führungskriterien eines Unternehmens. Laut Florian Heeb, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Banking und Finance der Universität Zürich, geht es bei ESG-Kriterien um das Verhalten der Firmen und das potenzielle Risiko einer Investition: «Die ESG-Kennzahlen sind vor allem entwickelt worden, um bessere Risikobewertungen von Unternehmen machen zu können.» Impact Investments gehen darüber hinaus. Das Ziel solcher Investitionen ist einen messbaren Einfluss auf die Welt zu ermöglichen. T. U. Michael Sieg, CEO von ThomasLloyd, beschreibt sie folgendermassen: «Impact Investing basiert auf der Idee, dass nachhaltige Investitionen dort erfolgen müssen, wo ihre Wirkung am grössten ist. Dabei hat sich gezeigt, dass verantwortungsvolles Handeln durchaus auch mit einer ansprechenden Rendite belohnt wird.»

Leider hat das limitierte Anlagenuniversum bei nachhaltigen Fonds zu einigen kreativen Interpretationen, Definitionen und Verhaltensweisen geführt.

T. U. Michael Sieg
Gutes in der Welt bewirken

Die Absicht positive Resultate für die Umwelt und die Menschen zu bewirken, reicht aber nicht aus. Die Schwierigkeit besteht darin, diese Auswirkungen zu messen und darzulegen. Dafür gibt es jedoch kein Patentrezept. «Um die Wirkung von Impact Investing in ihrer Ganzheit zu erfassen, ist ein fundiertes Wissen sowie ein vertieftes Verständnis der Länder und der lokalen Gegebenheiten eine zwingende Voraussetzung», betont T. U. Michael Sieg. Herbeigezogen werden für die Messung auch Zahlen zur Arbeitsstellenschaffung, Steuerannahmen und Umweltverbesserungen. Komplizierter wird es, wenn man ins Detail gehen will. Florian Heeb ist der Meinung, dass man klar zwischen dem Einfluss des Unternehmens und dem des Investors unterscheiden sollte. Diese zwei zu trennen ist aber gar nicht so einfach: Wäre die Firma sowieso gewachsen – auch ohne mein Geld? Wenn ja, hatte mein Geld vermutlich keinen grossen Einfluss. 

Nicht alles, was glänzt, ist grün

Mit dem wachsenden Bedürfnis nach nachhaltigen Anlagen steigt auch die Gefahr auf Greenwashing hereinzufallen. «Leider hat das limitierte Anlagenuniversum bei nachhaltigen Fonds zu einigen kreativen Interpretationen, Definitionen und Verhaltensweisen geführt. So werden Kapitalbeteiligungen gerechtfertigt mit dem Verweis auf einen laufenden Dialog im Bemühen um Veränderungen», kommentiert T. U. Michael Sieg. Ähnlich sieht es Florian Heeb, der erklärt: «Greenwashing aus meiner Sicht ist, wenn explizit oder implizit eine positive Wirkung suggeriert wird, die nicht überzeugend hinterlegt ist.» Eine Grauzone besteht, wenn die Kommunikation unklar ist. Wenn nicht klar ist, welche Leistungen ein Produkt erbringen kann, werden Erwartungen schnell enttäuscht. Florian Heeb sieht deshalb Handlungsbedarf darin, die Kommunikation zu verdeutlichen und so klarzustellen, welche Erwartungen ein Produkt erfüllt und welche nicht.

Der Irrtum der tiefen Rendite

Für Impact Investments spezifisch und nachhaltige Finanzen allgemein steht immer noch die Wahrnehmung im Weg, dass diese Art von Investitionen Renditen unter dem Marktpreis abwerfen. Nichts deutet darauf hin, dass diese Auffassung gemeinhin zutrifft. Im Gegenteil: T. U. Michael Sieg verweist auf den 2020 Annual Impact Investor Survey des Global Impact Investing Network (GIIN). Dieser besagt, dass beinahe 90 Prozent der befragten Investoren Marktrenditen ausweisen, deren Leistungen die Erwartungen der Anleger erfüllen oder gar übertreffen.

Was nachhaltiges Anlegen als Überbegriff betrifft, betont auch Florian Heeb, dass sie im Schnitt nicht weniger profitabel sind als konventionelle. Es gibt sogar Indizien, dass sie tendenziell mehr Profite einfahren. Der Experte führt aber fort, dass bei Fonds mit starkem Fokus auf eine Wirkung, die Renditen tiefer ausfallen können. Er würde es wie folgt formulieren: «Wenn man nachhaltiger anlegen will, ist das nicht weniger profitabel. Aber wenn man Geld auf den Tisch legt, kann man mehr bewirken.»

Die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen

Grundsätzlich ist das Bedürfnis nach einer nachhaltigeren und verantwortlicheren Welt kein parteipolitisches Anliegen. Das Gleiche gilt auch für die nachhaltige Finanzwelt. «Nachhaltige Entwicklung ist Wachstum, von dem alle Akteure gleichermassen profitieren», sagt auch T. U. Michael Sieg. Zum Beispiel können ESG-Kriterien dafür sorgen, dass sich «Good Practices» verbreiten: Klimaziele, Diversität, der Abbau der Lohnungleichheit und die Einführung von sozialen Standards. Dahingegen liegt die Stärke von Impact Investments darin, die Innovation zu fördern und zu beschleunigen. Laut Florian Heeb kann jedoch nachhaltiges Anlegen politische Rahmenbedingungen nicht ersetzen: «Wir haben globale Probleme, die mehr Massnahmen brauchen, etwa der Klimawandel». Beispielsweise könnten Impact Investments rentabler werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Externalitäten richtig eingepreist werden.

Text Kevin Meier 

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