-2.8 C
Zürich
19 Januar 2021

Nachhaltigkeit messbar und bewertbar machen.

«The business of business is business». Mit diesem berühmt gewordenen Satz fasste der spätere Nobelpreisträger Milton Friedman 1970 die gesellschaftliche Verantwortung von Firmen zusammen. Er meinte damit, dass die Manager von Unternehmen niemand anderem verpflichtet sind als den Eigentümer/-innen und Aktionär/-innen. 

Josephine Herzig Co-Director Engagement Programs B Lab (Switzerland)
Josephine Herzig
Co-Director Engagement Programs B Lab (Switzerland)

Seit der Aussage von Milton Friedman sind 50 Jahre vergangen und wir sehen, dass eine Wirtschaft, die die Ressourcen der Erde schneller verbraucht als diese nachwachsen oder sich regenerieren können, nicht nachhaltig und damit endlich ist. Weltweit entsteht eine Bewegung von Unternehmen, welche neben der von Milton Friedman definierten Zielen, noch weitere soziale, ethische oder umweltpolitische Zielsetzungen in den Vordergrund stellen. Denn die nächsten zehn Jahre werden entscheidend sein für die Lebensqualität der nächsten 100 Jahre.

Diese Erkenntnis stellt einen eigentlichen Paradigmenwechsel dar, weg vom sogenannten «Shareholder Value» hin zu einer stärkeren Fokussierung auf den «Stakeholder Value». Letzterer beinhaltet neben finanziellen Interessen einer Firma oder deren Besitzer/-innen auch die Interessen von Interessengruppen, die von der Entwicklung einer Firma direkt oder indirekt betroffen sind, beispielsweise als Kund/-in, Mitarbeiter/-in oder Zulieferfirma aber auch als Teil der Gesellschaft. Dies vor dem Hintergrund und im Wissen, dass die grossen Herausforderungen unserer Zeit wie die Klimakrise, der Verlust der Biodiversität oder soziale Ungleichheiten nur gemeinsam adressiert werden können. 

The business of business is business

Milton Friedman

Unter dem Eindruck der wachsenden gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen erweiterte 2019 auch die «Business Roundtable», eine Vereinigung von CEOs führender amerikanischer Unternehmen, die von seinen Mitgliedern verwendete Definition des Unternehmenszwecks. Diese «Principles», welche von 181 CEOs unterschrieben wurden, sehen nun neben der bisherigen Schaffung von Mehrwert für Aktionär/-innen und Eigentümer/-innen eine verstärkte Berücksichtigung sozialer und ethischer Aspekte, aber auch den stärkeren Schutz von Umwelt und Gesellschaft vor. Kurze Zeit später veröffentlichte auch das «World Economic Forum – WEF» sein «Davos Manifesto», welches sich für einen besseren Kapitalismus einsetzt – einen Kapitalismus in welchem Unternehmen sich u.a. dazu verpflichten ihren gerechten Anteil an Steuern zu zahlen, eine Politik der Nulltoleranz gegenüber Korruption zu führen und auf die Einhaltung der Menschenrechte bei ihren globalen Lieferketten zu beharren.

Poster
Taten statt leerer Worte

Damit die Firmen ihren Absichten auch Taten folgen lassen können, benötigen sie neben vergleich- und verifizierbaren Standards auch verlässliche Kennzahlen, um ihre Nachhaltigkeitsleistung messen zu können. Die Forschung befasst sich erst seit etwa 20 Jahren mit dieser Thematik und es bestehen bereits einige Standards oder Empfehlungen. Jedoch hat sich, im Gegensatz zu traditionellen Kennzahlen wie der Analyse von Gewinn- und Umsatzzahlen noch keine langjährige Praxis etabliert, wie nicht-finanzielle Kennzahlen erhoben oder gemessen werden können.

Damit die Firmen ihren Absichten auch Taten folgen lassen können, benötigen sie neben vergleich- und verifizierbaren Standards auch verlässliche Kennzahlen, um ihre Nachhaltigkeitsleistung messen zu können.

Josephine Herzig

In einem Punkt stimmen Expert/-innen aber überein: Unternehmen sollen sich auf die für sie relevanten Grössen fokussieren, also nur das messen, was wirklich zählt. So ist es beispielsweise für einen Zementhersteller wichtiger, die von ihm verursachten CO2-Emission zu messen als die Zahl der in der Kantine verbrauchten Plastikbecher zu erheben. Und, um beim Beispiel CO2 zu bleiben, ist es für einen Finanzdienstleister wahrscheinlich sinnvoller, den CO2-Fussabdruck der gewährten Kredite oder getätigten Anlagen zu analysieren als die durch die Reisen des Managements verursachten Emissionen. Im Prinzip geht also darum zu identifizieren und dort anzusetzen, wo die grösste Hebelwirkung erzielt werden kann. Oder wie es der Ökonom Peter Drucker treffend formulierte: «Was Du nicht messen kannst, kannst Du auch nicht steuern».

Identifizierung neuer Möglichkeiten

Unternehmen benötigen also verstärkt Orientierungshilfen hinsichtlich der geeigneten Standards, der passenden Instrumente und der zu treffenden Massnahmen. Und sie benötigen insbesondere auch inspirierende Beispiele von Unternehmen, die nicht trotz, sondern dank der Messung ihrer Nachhaltigkeitskennzahlen erfolgreich sind. Hier setzt das Swiss-Triple-Impact-Programm von B Lab an. Das Programm bietet KMUs konkrete Unterstützung bei der Definition der für sie relevanten nicht-finanziellen Kennzahlen und hilft Möglichkeiten zu identifizieren, wie diese erreicht und umgesetzt werden können. Das Programm orientiert sich dabei an den international abgestützten Nachhaltigkeitszielen der UNO – den Sustainable Development Goals.

Unternehmen benötigen also verstärkt Orientierungshilfen hinsichtlich der geeigneten Standards, der passenden Instrumente und der zu treffenden Massnahmen.

Josephine Herzig

Wir streben ein Gleichgewicht zwischen Zweck und Gewinn in der Wirtschaft an, einen Paradigmenwechsel in der globalen Wirtschaft, in der die Wirtschaft ihre Kraft für den Wandel einsetzt und ihre Aktivitäten darauf ausrichtet, nachhaltigen Wohlstand zu schaffen. Die STI ermöglicht es den Wirtschaftsakteuren, ein besseres Verständnis ihrer sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu entwickeln, was wiederum Entscheidungen unterstützt, die diese Auswirkungen berücksichtigen. Insbesondere hilft die STI den Unternehmen beim Erhalt ihrer Betriebslizenz: Durch die Messung ihrer Auswirkungen auf alle Stakeholder integrieren die Unternehmen Lösungen für sozialen und ökologischen Fortschritt in den Kern ihrer Strategie. Indem sie die Grenzen des «Business as usual» verschieben, konkurrieren die Unternehmen dann nicht nur darum, die Besten der Welt zu sein, sondern die Besten für die Welt.

Durch die Messung ihrer Auswirkungen auf alle Stakeholder integrieren die Unternehmen Lösungen für sozialen und ökologischen Fortschritt in den Kern ihrer Strategie.

Josephine Herzig

Die Erfahrung zeigt, dass durch die Erreichung der richtigen und relevanten Ziele vielfach auch eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit der Firma resultiert, zum Beispiel durch schnelleres Wachstum, der Herstellung nachhaltigerer Produkte oder der verbesserte Einsatz von Ressourcen und der damit verbundenen tieferen Kosten. Damit steigt die Attraktivität einer Firma als Arbeitgeber für Fachkräfte was wiederum dazu beiträgt, ihre Zukunftsfähigkeit zu stärken

Erste Auswertungen zu den Auswirkungen des Lockdowns zeigen denn auch, dass Unternehmen, die verstärkt Kriterien der Nachhaltigkeit berücksichtigen, besser durch die Krise gekommen sind, als viele ihrer Konkurrenten. Voraussetzung dazu ist, sich über die relevanten Ziele klarzuwerden, effiziente Massnahmen zu definieren und die zu erhebenden Daten und ihre Qualität sicherzustellen. Das Swiss-Triple-Impact-Programm hilft Ihnen dabei, das zu messen, was wirklich zählt.

Text Josephine Herzig 

B Lab, eine gemeinnützige Organisation, die eine globale Bewegung von Menschen unterstützt, die ihren Unternehmergeist nutzen, um Positives zu bewirken.

www.blab-switzerland.ch

Lesen Sie mehr.

Darmkrebs ist vermeidbar

Darmkrebs ist...

Voice und Automation von Dataphone

Supply Chain Trend 2019...

Abseits der Trampelpfade in Island

Island hat in der näheren Vergangenheit negative Schlagzeilen gemacht. Zu viele Touristen für eine Infrastruktur, die nicht so rasch wuchs, wie es der plötzliche Ansturm auf die Insel erfordert hätte. Dies gepaart mit einer durchaus charmanten, weil sehr entspannten Mentalität «thetta rettast» – das bekommen wir schon hin! Die Spitze des Eisbergs: ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das mit unseren Vorstellungen wenig zu tun hat.

Archiv.

Mut zur Farbe in der Wohnungseinrichtung

Wir kleiden uns bunt, fahren ein Auto in unserem Lieblingsrot und umgeben uns gerne mit fröhlichen Farben – doch beim Wohnen verlassen...